Panna Cotta mit Espresso und Datteln

So richtig oft gibt es hier ja nicht Nachtisch, aber manchmal lacht mich etwas dann doch so an, dass etwas Süßes auf den Tisch kommt. So wie diese Panna Cotta. Klassische Panna Cotta finde ich oft ein wenig langweilig, aber diese hier ist anders: ein wenig bitter dank Espresso, schön würzig dank Zimt und Tonka-Bohne und die Datteln steuern ein wunderbar karamelliges Aroma bei.

Haushaltszucker ist keiner drin, die Süße kommt allein von den Datteln. Somit wäre das ein klassisches Dessert, das anderswo mit dem Label “zuckerfrei” versehen werden würde. Stimmt aber nicht. Ich kann das alles auch nicht mehr hören und sehen, ich muss dazu etwas sagen.

Wenn etwas süß schmeckt, dann ist in aller Regel Zucker drin. (Außer, man nimmt Süßstoff, aber das klammere ich mal aus. Und übrigens, auch der so hippe Birkenzucker ist nichts anderes als ein synthetischer Süßstoff, nämlich Xylit – näheres könnt Ihr hier lesen. )

Meinetwegen kann jede/r nach seiner Façon glücklich werden und sein Essen süßen, mit was immer er oder sie auch möchte. Ich möchte nur mal kurz was klarstellen: in Honig, Bananen, Agavendicksaft, Trockenobst, Ahornsirup, da ist überall Zucker drin. Ganz kurz nur, wer sich genauer schlau machen will, der liest hier bei Frau Brüllen nach, die weiß genau, wovon sie redet. Die wichtigsten Zuckerarten sind Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Saccharose, der schnöde Haushaltszucker. Es gäbe auch noch Maltose und Lactose, aber die sind in dem Zusammenhang nicht wichtig. Der Haushaltszucker ist ein zusammengesetzter Zucker. Er besteht aus je einem Teil Fructose und Glucose.

Wenn ich nun eine Banane esse, dann enthält die etwas Fruchtzucker, etwas Traubenzucker und gemeinerweise einen riesigen Teil  – Saccharose. Und die Datteln, die diese Panna Cotta hier so schön süß und karamellig machen, die bestehen zu 70% aus Zucker, und zwar Glucose und Fructose.

Natürlich ist es etwas anderes, ob ich eine Banane esse, ein paar Datteln oder einige Esslöffel Zucker; Obst enthält immerhin noch Ballast- und Mineralstoffe und läßt auch den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen als Haushaltszucker. Wenn ich mich aber so durch das Internet lese, habe ich das Gefühl, dass das Süßen mit Trockenobst oder anderen Süßungsmitteln mit einem Freibrief gleichgesetzt wird, sich so viel Süßkram reinzufuttern, wie man eben möchte. Für den Körper ist es dann trotzdem zu viel Zucker. Zucker wird als Glycogen in der Leber gespeichert. Und der Leber ist es egal, ob das ursprünglich  mal ein Kilo Haushaltszucker war oder ein Kilo Zucker aus Bananen; wenn es ihr zu viel wird, dann wird sie halt zur Fettleber. Und übrigens kann der Körper auf auf ein Zuviel an Fruchtzucker auch mit einer Fructosemalsortion reagieren.

Insofern ist es dann wieder egal, woher der Zucker kommt, den ich mir zuführe. Süßes jedenfalls ist nicht zuckerfrei und ich finde, die beste Lösung liegt schlicht darin, Süßes bewusst zu genießen und nicht zu viel davon zu essen.

So. Fertig. Wir essen jetzt mit Bedacht Nachtisch und genießen die Süße, die die Datteln beisteuern.

Drucken
clock clock icon cutlery cutlery icon flag flag icon folder folder icon instagram instagram icon pinterest pinterest icon print print icon squares squares icon

Panna Cotta mit Espresso und Datteln

  • Autor: magentratzerl
  • Menge: 4- 6 Portionen
  • Kategorie: Nachtisch

Beschreibung

Panna Cotta mit karamelliger Note und kleinem Espresso-Kick


Zutaten

  • 100 g getrocknete Datteln ohne Stein
  • 4 Blatt Gelatine
  • 600 g Schlagsahne
  • 2 TL Instant-Espressopulver
  • Zimt, Tonkabohne

Arbeitsschritte

Datteln grob hacken, mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 min einweichen lassen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen.
500 g Sahne aufkochen und 10 min unter Rühren köcheln lassen. Datteln abgießen und mit der Hälfte der Einweichflüssigkeit pürieren.
Espressopulver, 1/4 TL Zimt und ein wenig  geriebene Tonkabohne in die Sahne rühren. Das Dattelpüree in die Masse rühren. Die Gelatine ausdrücken und ebenfalls in die Masse rühren.
Creme auf 4 Gläser verteilen und mindestens 4 h kalt stellen.
Restliche Sahne halbfest schlagen, auf der Creme verteilen und mit etwas Zimt bestäubt servieren.

Schlagworte: Datteln, Espresso

10 Kommentare

  1. Danke für deine Zucker-Ausführungen. Mir geht es auch so. Also wir essen schon ab und zu Süßes und alle paar Wochen gibt es einen Kuchen, aber in Tee oder Kaffee kommt kein Zucker und schon gar nicht trinken wir irgendwelche Soft-Drinks.
    Übrigens habe ich gelesen, dass in Zoos die Affen immer seltener Bananen bekommen. Anscheinend wurden Bananen immer öfter auf das Kriterium “möglichst süß” gezüchtet, die Affen haben Diabetes davon bekommen.

    • Oha. Das mit den Affen ist mir neu, die armen Tiere.
      Was mich tatsächlich nervt, ist dieses zuckerfrei-Etikett, das halt nicht stimmt, verbunden mit dem Freibrief, möglichst viel Süßes in sich hinein zu schaufeln. Es ist halt in die Tasche gelogen. Klar esse ich auch Süßes, aber ich rede mir dann nicht ein, dass es supergesund ist.

  2. Ein interessantes Rezept, das ich sicher mal ausprobieren werde. Weil ich anderes Trockenobst lieber mag als Datteln bin ich im Kopf allerdings schon am Verändern, vielleicht probiere ich es mit Backpflaumen …

    • Rezepte sind zum Verändern da :-). Ich kann mir die Kaffee-Backpflaumen-Kombi grade nicht so vorstellen, ich müsste das mal testen. Vielleicht berichtest Du ja ;-).

  3. Bevor ich deinen Text zum Dessert gelesen habe, wußte ich schon, dass das ein Glas wie für mich gemacht ist! Das mache ich dir – auch und schon wieder – nach 😉
    Ich meide den sog. Haushaltszucker (auch raffinierten Zucker genannt) einfach mit deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass ein künstliches Produkt immer anders im Körper wirkt als ein natürliches. Außerdem schmeckt er mir mittlerweile einfach nicht mehr…

    • Verstehe ich. Muscovado schmeckt echt anders als schnöder Haushaltszucker oder Honig, oder…was auch immer. Und klar, die natürlichen Produkte bringen noch ein paar gesunde Inhaltsstoffe mit. Um davon wirklich zu profitieren, müsste man aber mehr davon essen als gut für einen ist.
      Was mich tatsächlich nervt ist nicht das Meiden von Haushaltszucker, sondern diese “zuckerfrei”-Behauptung, verbunden mit dem Freibrief, sich dann tonnenweise Süßkram hinter die Kiemen zu schieben, weil zuckerfrei und gesund. DAS kann ich einfach nicht mehr hören.

    • Es ist halt Süßkram. Wenn man sich das bewußt macht und es entsprechend isst, anstatt nach Ausreden zu suchen, dann ist alles gut.

Kommentare sind geschlossen.