
Ich koche mich langsam aber sicher durch das nette Fleischbällchen-Buch* und bin dabei jetzt bei einem niederländischen Klassiker gelandet: gehaktballen sind die klassischen niederländischen Fleischbällchen; eigentlich eine Rezeptur, die man auch anderswo kochen könnte – mit einem kleinen, aber wirksamen Unterschied: in die Masse kommt eine gute Portion Muskat. Muskat wurde mit dem Gewürzhandel in den Niederlanden popular – und wurde im 17. Jahrhundert mit Gold aufgewogen. Diese Zeiten sind vorbei, aber Muskatnuss wird immer noch sehr gerne verwendet. Mir kommt das sehr entgegen, ich liebe Muskatnuss.
Zu den Bällchen wird Hutspot serviert, ein Gericht, um das ich mich bisher gedrückt habe. Hutspot eine Unterart von Stamppot, also gestampftes Gemüse – namentlich Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln. Es kann als Hauptgericht serviert werden oder als Beilage, zum Beispiel zu Wurst oder eben zu Fleischbällchen.
Der Legende nach soll ein Junge aus Leiden während des Achtzigjährigen Krieges vor den Toren der Stadt einen Kochtopf mit dem Rest einer Mahlzeit gefunden haben, den die Spanier bei ihrem eiligen Rückzug zurückgelassen hatten. Der Topf wurde in die Stadt gebracht und sein Inhalt sorgte dafür, dass die Bewohner von Leiden etwas zu Essen hatte. So wurde Hutspot zum traditionellen Gericht der Stadt. Das Ganze fand am 3. Oktober 1574 statt – und noch heute feiert man in Leiden an jedem 3. Oktober dieses Ereignis mit einem Hutspot-Essen.
Mich hat das gestampfte Gemüse länger nicht so gereizt – aber ich muss zugeben, es ist ein richtiges Wohfühlessen. Und zu den Bällchen und ihrer Sauce passt Hutspot hervorragend.

Für 4 Personen:
Zutaten:
Fleischbällchen und Sauce:
- 500 g gemischtes Hackfleisch
- Salz, Pfeffer aus der Mühle
- ca. 1/2 TL frisch geriebene Muskatnuss
- 1 Ei
- 25 g frische Semmelbrösel
- 1/2 Zwiebel
- Butter zum Braten
- 250 ml Rinderbrühe, heiß
- 1 EL Mehl (ich hatte Dinkel 630
- 1 EL Mehl
Hutspot:
- 5 große Kartoffeln, mehlig kochende Sorte
- 6 große Karotten
- 2 Zwiebeln
- Salz, Pfeffer aus der Mühle
- fein geschnittene Petersilie zum Servieren
Arbeitsschritte:
Für die Bällchen die Zwiebel schälen und sehr fein würfeln. Die Zutaten von Hackfleisch bis Zwiebel gut vermengen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Zum Durchziehen beiseite stellen, während man den Hutspot vorbereitet.
Für den Hutspot Kartoffeln und Karotten schälen und grob würfeln. Zwiebeln schälen und ebenfalls würfeln. Die Zutaten in einem Topf mit Wasser bedecken, salzen, zum Kochen bringen und köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist, ca. 20 min.
Inzwischen die Hackmasse zu ca. golfballgroßen Bällchen rollen. Nicht zu wenig Butter in einer Pfanne erhitzen und die Bällchen darin rundherum braten, bis sie appetitlich gebräunt und gar sind.
Bällchen aus der Pfanne nehmen. Die heiße Brühe in die Pfanne gießen und unter Rühren den Bratensatz von Pfannenboden loskochen. Das Mehl mit etwas Wasser zu einer relativ flüssigen Paste rühren. Die Paste in die Sauce rühren und alles köcheln lassen, bis die Sauce andickt. Sauce mit Salz und Pfeffer abschmecken, die Fleischbällchen wieder hineingeben und alles nochmals erwärmen.
Das Gemüse abgießen und dabei etwas Kochwasser auffangen. Gemüse wieder in den Topf geben und mit dem Kartoffelstampfer nicht zu fein zerstampfen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Zum Servieren Hutspot mit Bällchen und Sauce auf Tellern anrichten und mit Petersilie bestreut auf den Tisch bringen.

Einfach, aber gut. So mag ich das.
Bei dem Gemüse fiel mir gleich das englische Bubble and Squeak ein, ganz ähnlich und wie du sagst-Wohlfühlessen. Fleischbällchen gehen hier auch immer