
Es ist ein paar Jahre her, dass Yotam Ottolenghi mit einem Kochbuch aufwartete, das es einem ermöglichen sollte, auch in einem herausfordernden Alltag jederzeit ein gutes Essen auf den Tisch zu bringen, ohne dabei in Stress zu geraten. Und nun gibt es einen Nachfolger – werfen wir mal einen Blick hinein.
Im ersten Buch ging es darum, auf unterschiedliche Kochtypen einzugehen – mancher möchte nicht viel Zeit investieren, andere nicht so viele Zutaten, wieder andere nicht viel Arbeitsaufwand. Hier ist der Ansatz nun etwas anders – es geht einfach um das alltägliche Leben und was es uns abverlangt und nicht darum, möglichst wenige Zutaten zu benutzen oder/und möglichst wenig Zeit zu investieren; diesen Ansatz beherrschen andere auch sicher besser. Ob man sich nun in der Küche nicht so viel zutraut, ob der Alltag zu hektisch ist oder ob man sich nicht so recht entscheiden kann, was nun auf dem Tisch stehen soll, dafür will das Buch Lösungen vorschlagen – so alltagstauglich wie möglich, aber ohne Abzüge beim Geschmack. Erreicht soll das unter anderem dadurch werden, dass man gewisse Grundzubereitungen schon mal im Kühlschrank hat: das ist das Kapitel mit Saucen und Toppings – hat man grüne Salsa, Za’atar-Öl oder Pilzstreusel im Vorrat, hat man Shortcuts parat, um recht einfach eine zufriedenstellende Mahlzeit auf den Tisch zu stellen.
Im Übringen sind die Rezepte relativ klassisch unerteilt: es gibt Frühstück und Brunch, Snacks, Dips und Suppen, Fleisch und Fisch, vegetarische Hauptgerichte, Pasta, Beilagen, Salate und Desserts.
Die Rezepte sind einerseits typisch Ottolenghi – sie sind aromastark und nahöstlich inspiriert und setzen einen gut gefüllten Gewürzschrank voraus. Für manche Zutaten wie Carobsirup oder Loomi (schwarze Limetten) braucht es einen Besuch im nahöstlichen Lebensmittelladen, das mag für manch einen der weniger einfache Teil sein. Der Aufwand beim Kochen aber hält sich in Grenzen, alles, was ich ausprobiert habe stand ohne größere Umstände und größeren Zeitaufwand auf dem Tisch. Um Zeit zu sparen, wird in der Regel auf Hülsenfrüchte aus der Dose zurückgegriffen; auch bei Linsen, und Shortcuts wie gekaufter Blätterteig kommen zum Einsatz.
Die Rezepte sind gut ausformuliert und problemlos nachkochbar; ich habe teilweise aber etwas weniger exakt gearbeitet als angegeben – ich wiege Kräuter-Kleinstmengen eher nicht ab, sondern mache das nach Gefühl. Geschadet hat das der Sache nicht.
Das äußere Erscheinungsbild ist an das Vorgänger-Werk angepasst: das Layout ist übersichtliches und hell. Die Rezepte sind in praktischen Spalten gehalten; auf der einen Seite die Zutaten, auf der anderen die Arbeitsanweisungen. Optisch dominiert die Farbe weiß. Auch die Bilder füllen die Seiten nicht ganz aus, es bleibt immer ein weißer Rand. Das Buch hat eine hochwertige Fadenbindung und zwei Lesebändchen.
Andere Perspektiven schaden nie – deshalb lest gerne was meine Bloggerfreundinnen Leselust und Löffel und Bushcook zum Buch sagen.
Ausprobiert:

Die persisch inspirierte Erbsen-Kartoffelsuppe ist mit Kreuzkümmel, Ingwer, Zitrone und Kurkuma fein gewürzt und steht mit Bordmitteln rasch auf dem Tisch. Auf dem Rezeptfoto ist sie püriert; das Rezept gibt das aber nicht her.

Ma’amoul, mit einer Dattelpaste gefüllte Kekse auf Basis eines Grießteiges, sind eine feine Sache, man braucht aber Muße dazu und etwas Fingerfertigkeit. Da sind diese Schnitten eine tolle Lösung: der Teig landet teils als Boden in der Form, teils als Streusel über der Füllung; das läßt nichts vermissen.

Beim Hähnchenschitzel verzichtet man auf Ei und Mehl für die Panade, statt dessen wird das Fleisch mit Curry-Mayonnaise eingestrichen. Das Schnitzel war schön zart und aromatisch, aber die Panierung wollte bei mir nicht so recht halten. Dazu gibt es eine Sauce mit Curry-Kirschtomaten; die ist ein Keeper.

Grillbeilagen waren gefragt. Eine davon war dieser Salat aus geröstem Mais mit roter Zwiebel, Radieschen und Hibiskus – schön frisch und mit einem leichten Popcorn-Aroma.

Ich bin kein allzu großer Fan von Zwiebeln als purem Gemüse. Aber hier werden Zwiebelscheiben im Ofen geröstet und mit leicht schokoladigem und bitterem Carob-Sirup serviert, das kann man einfach so wegfuttern.

Baked Feta Pasta hat ja während der Corona-Pandemie eine gewissen Karriere hingelegt. Dies hier ist eine Version ohne Pasta: Kirschtomaten werden im Ofen geröstet, es gesellt sich ein Block Feta im Ganzen dazu und schließlich gibt man Garnelen zu und gart alles unter dem Grill fertig. Natürlich kann mal alles dann mit Nudeln vermengen, aber wir hatten Couscous dazu.

Die Orecchiette mit Kichererbsen und Zucchini sind ein aromatisches Pasta-Gericht, das sich (fast) von selbst kocht: geraspelte Zucchini, Zwiebeln und Kichererbsen geben die Sauce, in der die Nudeln dann gargekocht werden. Der Kick kommt von einer Tomatensalsa mit Harissa.
Fazit:
Wer Lust auf aromastarke Gerichte hat, kommt hier auf seine Kosten. Etwas Kocherfahrung sollte man mitbringen und den Gang in den orientalischen Lebensmittellade nicht scheuen, aber dann kann man mit relativ wendig Aufwand alltagstaugliche, aber spannende Gerichte auf den Tisch stellen.
- Herausgeber: Dorling Kindersley Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 304 Seiten
- ISBN: 978-3-8310-5335-3
- € 40,00
