
Berghütten sind für mich richtige Wohfühlorte – die Atmosphäre, der Ausblick, und nach einem Aufstieg auf den Berg natürlich auch das Essen, meist einfache, deftige Hausmannskost. Auf der Franz Fischer Hütte in den Obertauern bietet Evelin Matejka eine vegane Version dieser Kost an. Ihre Rezepte hat sie nun zusammen mit Hüttenwirt Tom Burger in diesem Buch zusammengefasst – schauen wir mal rein.
Evelyn Matejka widmet sich schon immer mit großem Engagement Themen Ernährung, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Tierwohl. Sie hat lange Jahre im Krankenhaus gearbeitet und ist überzeugt davon, dass die Ernährung einen großen Anteil daran hat, dass Menschen gesund bleiben. Seit 2010 verbringt sie jeden Sommer in den Bergen und hat die Franz Fischer Hütte zur ersten fleischlose Schutzhütte in den Alpen gemacht.
Tom Burger hat nach einer schweren Krankheit sein Managerleben hinter sich gelassen und kümmert sich als Hüttenwirt um die Gäste. Dabei interessiert ihn die Begegnung und das Gespräch mit den Menschen und ihre unterschiedlichen Lebenswelten.
Das Buch ist mehr als ein Kochbuch – es gibt die Rezepte von Evelyn Matejka und die Texte, mit denen uns Tom Burger mit durch das Jahr auf der Berghütte nimmt. Ich fange mal mit den Rezepten an: die sind eine Zusammenfassung von dem, was in der letzten Saison in der Hütte auf den Tisch kam und geordnet nach Suppen, Jausen (also kleine Imbisse), Hauptgerichte, Salate sowie Desserts und Kuchen. Die Bandbreite reicht von Blumenkohlsuppe mit Kurkuma und gerösteten Mandeln über Blaukrautlasagne oder Buchweizen-Gemüsequiche bis hin zu Rote-Rüben-Kichererbsensalat und veganem Bienenstich.
Die Rezepte sind in der heimischen Küche gut nachvollziehbar – und uns hat alles geschmeckt. Etwas Zeit sollte man aber für viele der Gerichte mitbringen und die Zutatenlisten sind gerne mal etwas länger. Evelyn Matejka hat einen ganz eigenen Kochstil entwickelt: sie kocht mit viel Gemüse und vollwertig, dennoch deftig, aber keinesfalls altbacken und hat tolle Ideen, wie man die gewohnte Hausmannskost vegan umsetzen kann; ein schönes Beispiel sind die Pressknödel unten, die ihre Konsistenz gegartem Mais und Bohnen verdanken und ihren kräftigen Geschmack Hefeflocken und Kala Namak. Mais und Bohnen im Knödel wirken erst mal ungewohnt, kommen aber genau richtig zum Einsatz.
Und dann sorgt Tom Burger mit seinen persönlichen Texten für reichlich Lesestoff: er nimmt uns mit durchs Hüttenjahr, teils mit Geschichten aus der Hütte und von ihren Gästen, teils mit Gedanken zu Themen wie Klimaschutz, dem Zwang zur Selbstoptimierung oder Vorratsmanagement auf der Hütte. Den Texten merkt man an, wie sehr er sich für die Menschen interessiert und dass es ihm ein Anliegen ist, sich nicht nur um das körperliche Wohl der Gäste zu kümmern, sondern auch einen Ort anzubieten, an dem man zur Ruhe kommen kann.
Kurz zu den äußeren Werten: das ist ein Buch, in dem man gerne blättert. Dafür sorgen neben dem übersichtlichen Layout in gedeckten Farben auch die vielen Fotos von Georg Kukuvec, der nicht nur das Essen schön, aber unprätentiös in Szene gesetzt , sondern auch mit Fotos von Hütte, Berglandschaft und Menschen die Atmosphäre der Hütte wunderbar eingefangen hat – man möchte hinaufwandern und sich an den Tisch setzen.
Ausprobiert:

Ich mag robuste Salate, die für sich eine Mahlzeit sind so wie dieser Salat aus Linsen und gerösteten Karottenstreifen mit einem cremigen Tahin-Dressing. Der Salat schmeckt sehr ausgewogen und hält sich gut im Kühlschrank.

Kaspressknödelsuppe ist ein Klassiker – hier ist der Knödel vegan, aber dank Hefeflocken und Kala Namak schön deftig – die Knödel fanden reissenden Absatz.

Die Mousse au Chocalat basiert auf Seidentofu, Vanillepudding und veganem Schlagrahm – sie ist genau richtig schokoladig und die Konsistenz ist schön luftig.

Der Stierkatopf ist ein deftiger Eintopf, der auf nach dem Hausberg der Franz Fischer Hütte benannt ist: geschmort mit Sojahack, Gemüse und Kidneybohnen, so entsteht deftige Hausmannskost. Dazu gibt es cremige Polenta.

Das ist eine Suppe aus roten Linsen, reichhaltig dank Gemüse und Kartoffeln und mit einem schönen Curry-Aroma. Auch das Topping aus gerösteten Zucchini und Karotten hat uns gefallen.
Fazit:
Hüttenküche mal anders – deftig, aber vegan und mit viel Herz auf den Tisch gebracht. Man möchte sich gerne dazu setzen, nicht nur zum Essen, sondern auch für die Geschichten und um die Atmosphäre zu genießen.
- Verlag: Pichler Verlag
- Sprache: Deutsch
- Flexocover, 224 Seiten
- ISBN: 978-3-222-14059-4
- € 28,00
