
Nachdem mich das Erstlingswerk von Lazaros Kapageoroglou so begeistert hat, war ich natürlich gespannt auf den Nachfolger. Diesmal widmet er sich nicht den Grundlagen der griechischen Küche und auch nicht dem Essen, wie man es aus dem Restaurant kennt, sondern er reist mit uns durch die Esskulturen der griechischen Inselwelt.
Diese Küche ist nicht einheitlich, sondern hat in jeder Inselgruppe eine eigene Identität: auf den Inseln des Ionischen Meeres ist die Küche italienisch geprägt; da gibt es zum Beispiel Sofrito, das ursprünglich aus Venedig kommt oder ein Dessert auf der Basis von Polenta. Auf Kreta liebt man Olivenöl, seine Wildkräuter und Getreide – eines der bekanntesten Gericht ist Dakos, der Gerstenzwieback, der eingeweicht und mit Tomaten serviert wird. Auf den Sporaden isst man gerne Pflaumen, besonders beliebt ist geschmorte Ziege mit Pflaumen. Die Kykladen sind bekannt für ihre Kapern und speziell Santorini für seine Tomaten, die auch als Tomaten-Keftedes auf den Tisch kommen. Die Dodekanes-Inseln (am bekanntesten ist Rhodos) sind die Brücke zum Orient, man würzt gerne mit Zimt und Kreuzkümmel. Die Nordost-Ägäis schließlich ist bekannt für Ouzo und Mastix, letzteres würzt Milchreis, Filoteigröllchen und auch Eiscreme. Lazaros Kapageoroglu nimmt uns mit auf alle diese Inseln und stellt in einem letzten Kapitel noch klassische Rezepte vor, die sich keiner bestimmten Insel zuordnen lassen, weil man sie überall gerne isst.
Die Rezepte sind gut nachvollziehbar erklärt und in funktionieren gut in der heimischen Küche, auch wenn manche Anleitung etwas kurz gefasst ist. Wenn man von bestimmten Käsesorten absieht, sind auch die Zutaten leicht erhältlich; beim Käse wird aber oft auch passender Ersatz angegeben.
Aber in dem Buch geht es um mehr als bloße Rezepte: Lazaros Kapageoroglu erzählt zu jeder Inselgruppe Geschichten und bringt uns ihre kulinarische und kulturelle Identität nahe. Er weiß zu jedem Gericht etwas zu erzählen und man merkt den Erzählungen deutlich an, dass dieses Buch ein Herzensprojekt ist und wie nahe der Autor den Menschen steht, von denen er erzählt.
Das sieht man auch, wen man durch das Buch blättert: Lazaros Kapageoroglou ist über die Inseln gereist und hat nicht nur mit Menschen gesprochen und gekocht, sondern auch fotografiert; nicht nur die gekochten Gerichte, sondern auch Menschen, Lebensmittel und Landschaft – er nimmt uns so wirklich mit auf die Reise. Und wer noch ein wenig tiefer eintauchen will in das Lebensgefühl der Inseln findet am Anfang des Buches über QR-Codes Playlists mit griechischer Musik.

Die Augenbohnensuppe aus Ikaria ist ein einfaches Gericht mit Augenbohnen, frischem Gemüse, Olivenöl und Kräutern – aromatisch und wohltuend.

Das ist Kormos Mosaiko on der Insel Patmos, eine Art griechischer „Kalter Hund“ auf der Basis von Butter, Kakao, zerbröselten Butterkeksen und gehackten Walnüssen. Geschmacklich war der eine richtige Leckerei, aber leider hat er nicht richtig zusammengehalten; wir haben eher Brösel genascht.

Bauernsalat ist ja ein bekannter Klassiker. Diese Version aus Santorini enthält zusätzlich Kapern für extra viel Geschmack.

Kritharaki in frischer Tomatensauce mit gerösteter Zucchini und Feta sind ein griechischer Klassiker: Tomatensauce wird gekocht, da hinein kommen die Kritharaki und darauf kommen die Zucchini und etwas Feta.

Für das Sofrito von den Ionischen Inseln wird Rindfleisch (in meinem Fall falsches Filet) in einer Sauce aus Weißwein, Essig und Knoblauch geschmort. Sehr fein, allerdings würde ich beim nächsten Mal mehr Flüssigkeit verwenden; wir hätten mehr Sauce vertragen können.

Zum Sofrito gab es die klassischen Zitronen-Kartoffeln. Hier wird zusätzlich mit etwas Senf gewürzt, das hat uns gut gefallen.

Pitarakia sind mit Käse und Zwiebeln gefüllte, frittierte Teigtaschen von den Kykladen. Mit hat besonders der Teig gefallen: mit dem ließ sich wunderbar arbeiten und er wurde beim Frittieren schön blättrig.

Pastitsada ist ein Schmorgericht von der Insel Korfu: Hühnchen wird in einer speziell gewürzten Tomatensauce geschmort und auf gegarten Makkaroni serviert – sehr gut! Aber die verwendete Würzmischung Speciérico musste ich googlen, da verrät der Autor das Rezept nicht und wie viele Makkaroni in der von ihm verwendeten Packung sind bleibt auch sein Geheimnis.
Fazit:
Dieses Buch hebt sich ab aus der Masse der Bücher, die sich mit griechischen Küche befassen. Es werden nicht nur Rezepte vorgestellt, in denen man auch dann noch Neues findet, wenn man schon Bücher über die griechische Küche im Regal hat, sondern es wird auch ein Lebensgefühl transportiert und man kann eintauchen in die Esskulturen der griechischen Inseln und in die Geschichten der Menschen, die sie leben.
- Herausgeber: AT-Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 232 Seiten
- ISBN: 978-3-03902-274-8
- € 35,00

Das Buch klingt wirklich schön und die Gerichte ansprechend! Ich werde dabei ziemlich wehmütig, weil eine Reise nach Griechenland bei uns momentan nicht in Sicht ist…