Kroatischer Apfelkuchen | Kolač od jabuke

Neulich stand ich beim Einkaufen vor den Äpfeln und bekam schlagartig Lust auf Apfelkuchen. Aber nicht auf irgendeinen Apfelkuchen.

Wir lebten früher mit meinen Großeltern unter einem Dach. In der großen Wohnung hatten meine Großeltern eine Wohnküche und ein Schlafzimmer. Zumindest in meiner Erinnerung ist es so, dass meine Großmutter nicht mehr viel kochte, meist wurde bei uns mit gegessen. Ich war noch ziemlich jung, als ich hin und wieder bei den Großeltern aß. Ich erinnere genau drei Gerichte: Reissuppe, süße Nudeln mit Nüssen und eben einen ganz bestimmten Apfelkuchen; alles leicht geprägt davon, dass meine Großeltern Banatschwaben waren, die erst im Laufe des 2. Weltkrieges nach Deutschland kamen.

Es war ein gedeckter, mit Apfelmus gefüllter Blechkuchen – ich habe ihn in sehr guter Erinnerung, aber das genaue Rezept hat meine Großmutter mit ins Grab genommen. Als ich nun vor den Äpfeln stand, fiel der Kuchen mir wieder ein und mir fiel außerdem ein, dass ich ja in dem schönen kroatischen Kochbuch* (zur Rezension bitte hier entlang) eben ein Apfelkuchenrezept eingemerkt habe, dass so ähnlich sein könnte wie das meiner Oma.

Das ist ein Kuchen mit einem einfachen gerührten Mürbteig, der mit einem rasch gekochten Apfelmus gefüllt wird. Der krümelige Teig mit der süß-säuerlichen Füllung hat uns sehr gut gefallen – und er kommt dem Kuchen meiner Oma recht nahe. Außerdem ist er ganz gut haltbar; er profitiert sogar davon, wenn er ein wenig durchziehen kann.

Zutaten:

Füllung:

  • 750 g Äpfel, eine säuerliche Sorte
  • 175 g Zucker (original: 225 g)
  • Saft von 1 Zitrone
  • 2 EL Amaretto (original Rum)
  • 1 TL gemahlener Zimt

Teig:

  • 375 g Mehl (ich hatte Dinkel 630), plus etwas zum Arbeiten
  • 1 EL Backpulver
  • 165 g Butter
  • 150 g Zucker, plus etwas zum Bestreuen (original: 165 g)
  • 2 Eier
  • Schalenabrieb von 1 Bio-Zitrone
  • 2 EL Amaretto (original: Rum)
  • 1/2 TL Salz

Arbeitsschritte:

Die Schale der Zitrone fein abreiben und beiseite stellen, den Saft auspressen.

Für den Teig Butter und Zucker mit den Quirlen des Handmixers schaumig rühren. 1 Ei und den Zitronenabrieb auf hoher Stufe einrühren, dann Mehl, Backpulver, Salz und Amaretto einarbeiten. Rasch zu einem Teig verkneten, in Frischhaltefolie packen und 1 h in den Kühlschrank stellen.

Inzwischen für die Füllung die Äpfel vierteln, entkernen und fein reiben; ich habe sie nicht geschält. Äpfel mit dem Zucker in einem Topf bei guter Hitze 5 min schmoren, dann Zitronensaft, Amaretto und Zimt einrühren. Vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

Den Ofen auf 190°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Eine Backform oder eine passende Auflaufform mit Backpapier auslegen. Ich hatte eine quadratische Springform von 24 x 24 cm, das kam gut hin.

Den Teig in zwei Hälften teilen und jede so ausrollen, dass sie in die Form passt. Eine Hälfte auf de Boden der Form legen und im heißen Ofen 10 min vorbacken; die zweite Hälfte währenddessen im Kühlschrank zwischenlagern. Das zweite Ei mit 2 EL Wasser verquirlen.

Form aus dem Ofen nehmen. Die Füllung auf dem vorgebackenen Boden verteilen. Die zweite Teigplatte darauf legen, mit der Eimischung bestreichen, mit etwas Zucker bestreuen, und mit einer Gabel Löcher in den Teigdeckel stechen. Kuchen im heißen Ofen weiter backen, bis die Oberfläche goldbraun ist; bei mir hat das ca. 25 min gedauert.

Vor dem Servieren auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.

12 Kommentare

  1. So einen ähnlichen Apfelkuchen gibt es auch in Ungarn, nur das im Mürbeteig Hefe statt Backpulver ist. Aber ich mag den auch sehr gerne und könnte den nach dem Rezept mal ältesten Tante auch mal wieder backen 🙂
    Darf ich fragen, wo Deine Großeltern genau herkamen?

    • Ich bin sicher, dass der Kuchen meiner Oma mit Backpulver war; wegen der Konsistenz. Hefemürbeig klingt aber gut, das muss ich mal probieren.
      Meine Großeltern lebten im südlichen Teil der Bukowina, also Rumänien. Ilișești, um ganz genau zu sein. Sie waren Banatschwaben und sprechen unter sich einen urigen Dialekt, den ich später im Studentenwohnheim bei Spätaussiedlern wieder gehört habe. Mein Vater als jüngstes Kind wurde noch in Rumänien geboren. Seine kulinarischen Erinnerungen sind nicht so toll – er hat noch heute, mit über 80 ein große Abneigung gegen Mais…

    • Ja, das ist schade. Aber sie kam aus dem letzten Jahrtausend, sie hat das aus dem Gedächtnis gemacht, und irgendwie hat damals auch keiner gefragt…

  2. Omas haben früher offenbar alle nach Gefühl gebacken (und gekocht sowieso), auch bei uns sind einige Rezepte verloren gegangen.
    Diesen tollen Apfelkuchen mache ich auch immer wieder gern, nur habe ich mittlerweile den Zucker in Teig und Fülle ganz radikal reduziert auf nur mehr jeweils einen guten Esslöffel…

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