
Wer kennt das nicht – nach einem anstrengenden Arbeitstag hat man oft keine Lust mehr, Zeit in der Küche zu verbringen. Imbissstände bieten da ein willkommenes Angebot. Heute sind das nicht selten Foodtrucks, früher waren das entweder einfache Stände, mit Planen gegen Wind und Wetter geschützt, oder Karren, die durch die Straßen gezogen wurden. In Korea heißen diese einst primitiven Imbisse Pojangmacha oder kurz Pocha und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.
Su Scott hat bereits mit ihrem ersten Kochbuch „Zu Tisch in Korea“ viel Lob geerntet. Mit ihrem neuen Buch knüpft sie daran an. Wieder präsentiert sie bis auf einige Fleischgerichte eher einfache Rezepte, die den Speisen der Pocha nachempfunden sind. Die Zutaten sind zumindest in asiatischen Lebensmittelgeschäften leicht zu beschaffen, vielleicht abgesehen von Dingen wie Perillablättern und die Reiskuchen Tteokbokki, die aber immer öfter als Tiefkühlware zu finden sind. Wer ohnehin gerne asiatisch kocht, wird die meisten Zutaten bereits vorrätig haben, sei es Sojasauce, Gochujang oder geröstetes Sesamöl. Die Rezepte sind dann, weil übersichtlich beschrieben, relativ leicht zu verwirklichen.
Da ich schon etwas Erfahrung mit Kimchi und co. habe und in den Tiefen des Kühlschranks noch ein großes Glas inzwischen unbestimmbaren Alters gefunden habe, war ich dankbar für entsprechende Anregungen. Sowohl die Pfannkuchen als auch das Rezept mit Udon-Nudeln haben richtig gut geschmeckt, selbst mit meinem optisch nicht mehr so überzeugenden Kimchi.
Die Süßkartoffelnudeln hingegen waren für mich etwas schwieriger zu beschaffen. In der Zubereitung brauchen sie ein wenig länger bis sie gar sind, unterscheiden sich aber von den bekannteren Glasnudeln nicht wesentlich. Geschmack bekommen sie eigentlich nur durch ihr soßiges Ambiente.
Highlights waren für mich das Bibimbap mit Räucherlachs und vor allem Gochu Chamchi Mayo Deopbap, Reis mit würziger Thunfisch-Mayonnaise. In beiden Rezepten ergänzen sich die für Korea typischen Aromen – Gochugaru und Gochujang (Chiliflocken bzw. -Paste), Sojasauce, brauner Zucker, unterstützt durch geröstetes Sesamöl, Ingwer und Worcestersauce.
Überzeugt hat mich auch die optische Qualität des Buches. Mit Fotos, auch vom städtischen Leben und dem Treiben auf den Märkten, wird nicht gegeizt. Wer wie ich noch nie in Korea war, könnte nun leicht einen gewissen Drang verspüren, dies nachzuholen.
Das Register hingegen ist zwar durchaus hilfreich, aber ein Korrekturlesen hätte ihm gut getan.

Kimchi-Pfannkuchen:
Pfannkuchen mit Kimchi sind in koreanischen Kochbüchern immer wieder zu finden. Kein Wunder, sind sie doch schnell gemacht und umgehend mit Wohlbehagen und zunehmendem Sättigungsgrad verspeist. Leider ist es mir noch nicht gelungen, die Pfannkuchen konstant knusprig hinzubekommen.

Tteokbokki in Öl mit Chili Crisp und Honig:
Tteokbokki werden hier und auch anderswo mit Reiskuchen übersetzt, was den unbedarften Leser eher auf eine falsche Fährte führt. Mir fällt auch keine bessere Bezeichnung ein, aber ich fand die Umschreibung unserer japanischen Nachbarin treffend, die sie als etwas dickere Udon-Nudeln interpretierte. Das Ausprobieren bescherte uns ein durchaus köstliches Ergebnis. Nur in Sachen Knusprigkeit ist noch Luft nach oben.

Bibimbap mit Räucherlachs:
Wer die koreanische Küche mag, wird bestimmt schon mal Bibimbap probiert haben. Diese Variante hat uns sehr gut gefallen. Reis, Räucherlachs, Zwiebeln, Algen und Kresse als Basis und dazu ein feines Dressing mit Ingwer, Gochujang, Zucker und Sesamöl. Das wird es sicherlich häufiger bei uns geben.

Süßkartoffelnudeln mit Gemüse:
Die Süßkartoffelnudeln haben mich neugierig gemacht. Sie ähneln nach dem Kochen
Glasnudeln, nur brauchen sie länger, bis sie gar sind. Als Gemüse sind Karotten, Chilis und vor allem Shiitakepilze vorgesehen. Knoblauch, Sojasauce, geröstetes Sesamöl, Mirin und Zucker sorgen für den Geschmack. Gefehlt hat mir nur etwas Säure, aber ein Löffel Reisessig hinein und das Gesamtergebnis stimmt und schmeckt.

Eingelegter Rettich mit Kurkuma:
Ich hatte beim foodsharing einen kleinen, schon ziemlich lätscherten Rettich bekommen. In Bayern wird ja gerne Rettich gegessen, nur sind die oft riesig, zu groß für unseren Bedarf. Dieser nun sollte eingelegt werden und dank Kurkuma die typisch gelbe Farbe bekommen. Ich war wohl etwas zu ungeduldig, jedenfalls beschränkte sich die Färbung auf das Äußere. Das hat dem Geschmack des Salats natürlich nicht geschadet. Gochugaru, brauner Zucker, Essig und geröstetes Sesamöl sorgen für ein feines Aroma.

Reis mit würziger Thunfisch-Mayonnaise:
In ihren Vorbemerkungen gibt Su Scott allerlei Anregungen, wie man dieses Gericht variieren und auf welche Weise man es verspeisen kann, in ein Algenblatt gewickelt oder zwischen Brotscheiben. Ich habe das alles ignoriert und war von der in der Zubereitung geschilderten einfachen Version hinlänglich begeistert.

Udon-Kimchi-Pfanne mit Butter:
Nun ja – mein Kimchi war nicht das frischeste, sah eher bräunlich aus und auch die Geschmacksprobe hat mich nicht zu begeisterten Kommentaren verführt. Aber genau so sollte er laut Su Scott sein. Und siehe da – Butter, Knoblauch, Sojasauce, Zucker und Mirin haben mein scheintotes Uraltkimchi in eine ungeahnt köstliche Dimension gebeamt. Und das ganz ohne Perillaöl, das ich nirgendwo auftreiben konnte.

Wursthäppchen mit würziger Sauce:
Welches Kind kann hier widerstehen? Würstchen mit Ketchup, aber hier asiatisch inspiriert und dank spezieller, aber einfacher Schnitttechnik (sogar ich habe das hinbekommen) auch optisch überzeugend.
Fazit:
Meine lange Liste der ausprobierten Rezepte dürfte allein dafür sprechen, wie angetan ich von „Pocha“ war. Klare Empfehlung!
- Herausgeber: Gräfe und Unzer
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
- ISBN: 978-3758901423
- € 30,00
