
Die Bücher von Hugh Fearnley-Whittingstall sind feste Größen in meinem Regal – ich greife immer wieder gerne auf sie zurück. Wenn ich planlos bin, bei ihm werde ich gut fündig. In den letzten Jahren hat HFW den Fokus immer mehr auf eine vollwertige, eher vegetarische Ernährung gelegt, teils aus gesundheitlichen, teils aus ökologischen Gründen, und zumindest mit dem letzten Buch von ihm, das ich hier vorgestellt habe, auch bewiesen, dass das nicht zu Lasten des Genusses gehen muss.
Dies hier ist eine Fortsetzung des Konzeptes, es geht um Ballaststoffe. Was gerade so hip und teilweise auch etwas übertrieben als „fibermaxxing“ gehandelt wird, sollte in einem normalen Rahmen eigentlich selbstverständlich sein: Ballaststoffe, das klingt erst mal unsexy, aber sie sind mehr als Ballast. Grob gesagt sprechen wir von Pflanzenfasern, die nicht verdaut werden können. Sie wandern durch unseren Verdauungstrakt und werden dann wieder ausgeschieden. Früher wußte man, dass Ballaststoffe unseren Darm in Bewegung halten und für eine gute Verdauung sorgen, heute aber weiß man mehr. Ballaststoffe haben auch großen Einfluß auf unsere Darmbakterien, wirken entzündungshemmend und immunstärkend und vorbeugend gegen Diabetes – ein Mangel an Ballaststoffen ist also die Ursache vieler Gesundheitsprobleme in unserer westlichen Gesellschaft. Empfohlen wird die Aufnahme von mindestens 30 g Ballaststoffen am Tag, die durchschnittliche Aufnahme liegt aber nur bei 18 g.
In schnellebigem Fast Food und oft auch im Kantinenessen sind Ballaststoffe also eher Mangelware. Sie stecken in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Nüssen und Saaten. Gut zu wissen, jetzt müssen wir das nur noch ins tägliche Leben integrieren. Und da hat HFW einen Ansatz gewählt, der uns das leicht machen soll: er setzt auf Gemüse. Basis der Rezepte sind 12 gängige Gemüsesorten, die überall erhältlich sind und die jede*r kennt – das soll es uns einfach machen, mehr Ballaststoffe in unsere täglichen Mahlzeiten zu integrieren, ohne dass das Gefühl aufkommt, es könnte kompliziert sein. Je ein Kapitel ist also Erbsen, Karotten, Kohl, Bohnen, Blumenkohl, Lauch, Pilzen, Tomaten, Linsen, Spinat, Zuckermais und Brokkoli gewidmet.
Bevor es an die Rezepte geht, gibt es für jedes Gemüse eine kurze warenkundliche Einfürung inklusive Tips für Einkauf und Vorbereitung. Die Rezepte sind dann bunt gemischt – von Salaten über Hauptgerichte oder Ideen für das Frühstück ist alles dabei. Grundsätzlich sind die Rezepte vegan, bei vielen gibt es aber Tipps, wie man sie erweitern oder Zutaten austauschen kann – zum Beispiel die Pasta mit Bohnencreme, die statt mit getrockneten Tomaten und Hefeflocken auch mit Speck und Käse auf den Tisch kommen kann oder die Kokossuppe, die man nicht nur mit gebratenem Tofu erweitern kann, sondern auch mit knusprig gebratenen Fleischresten. Auch sonst gibt es bei den meisten Rezepten einiges an Variatiosnmöglichkeiten.
Auch wenn die Zutatenlisten oft nicht kurz sind, sind die Rezepte alltagstauglich und pragmatisch, aber keinesfalls langweilig, uns hat alles geschmeckt und zufrieden gestellt. Die Rezepte sind gut gegliedert und schlüssig erklärt; so ist das Nachkochen ist nicht schwierig und gelingt auch Menschen mit weniger Übung. Wer wirklich Ballaststoffe und auch Pflanzenpunkte zählen möchte, findet bei jedem Rezept einen entsprechenden Hinweis.
Was die Zutaten angeht, gibt es am Anfang des Buches auch eine kurze Einführung, die sich nicht nur damit beschäftigt, mit welchen Lebensmitteln außer den verwendeten Gemüsen man sein Ballaststoffkonto noch aufmöbeln kann (nicht Haferflocken, Obst oder Vollkornprodukte, sondern auch Kaffee und Popcorn, hurra!), sondern auch mit Geschmackszutaten; das dann auch mit kleinen Tipps wie man sich für den Alltag zum Beispiel einen Vorrat an Ingwer-Knoblauch-Paste anlegen kann.
Ausprobiert:

Es gibt Aroma-Kompositionen, die einfach immer zuverlässig funktionieren – eine davon ist Kokosmilch, Fischsauce und Limette wie in dieser Kokossuppe mit Erbsen und Nudeln. Das schwierigste am Rezept ist es, die Vollkorn-Reisnudeln aufzutreiben, aber dann steht in 15 min eine aromatische, wohltuende Suppe auf dem Tisch.

Das Karottencurry mit Cashews holt aromatechnisch das Beste aus den Karotten heraus. Kokosmilch macht es schön cremig und rote Linsen für Sättigung. Allerdings würde ich beim nächsten Mal weniger Flüssigkeit nehmen (oder mehr Linsen), denn das Curry ist etwas suppig ausgefallen.

Das ist Vollkornpasta mit Bohnencreme; ich hatte Butterbohnen. Die Bohnen werden samt Flüssigkeit verwendet, Hefeflocken sorgen für ein leicht käsiges Aroma und getrocknete Tomaten für Geschmackstiefe – ein echtes Wohlfühlessen.

Für die Brokkoli-„Käse“-Nudeln landen Vollkornnudeln und gegarter Brokkoli in einer Béchamel-Sauce. Für den käsigen Geschmack sorgen auch hier Hefeflocken.

Hier werden Gnocchi aus dem Kühlregal mit gegarten Bohnen (original schwarze Bohnen, ich hatte Schwarzaugenbohnen) und einer guten Menge Kirschtomaten gebraten; dazu gibt es noch frittierte Kapern – alltagstauglich und gut.

Das sind gut mit Zitrone abgeschmeckte rote Linsen, die mit gebratenen Knoblauch-Pilzen serviert werden. Eine schöne Kombination, die man aber gleich auf den Tisch bringen sollte – bei mir musste das Ganze etwas zu lange auf Publikum warten und war dann etwas trocken; das Rezept kann nichts dafür.
Fazit:
Das Buch zeigt, dass es ebenso einfach wie genussvoll sein kann, sich ballaststoffreich zu ernähren. Hugh Fearnley Whittingstall feiert alltägliche Gemüsesorten verwendet sie für alltagstaugliche Gerichte, die Spaß machen und zufrieden stellen.
- Herausgeber: AT-Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe 272 Seiten
- ISBN: 978-3039023196
- € 36,00

Ich fand sein „Täglich vegetarisch“ Buch schon toll.
Die Pasta mit Bohnencreme klingt nach meinem. Mittagessen für heute 🙂