
Pilze mag ich sehr – früher hatten wir die Tradition, dass ich mit meinem Vater oder Großvater zum Sammeln losgezogen bin und unsere Beute landete dann mittags auf dem Esstisch. Irgendwann zog ich dann mit einer Freundin los, und wir waren so stolz auf unseren Korb voller Pfifferlinge. Bis uns eine ältere Dame anhielt und meinte, wir sollten die Pilze lieber nicht essen. Wir hatten da etwas verwechselt und falsche Pfifferliinge geerntet; die sind leider weniger bekömmlich. Seither kaufe ich lieber selbst und überlasse das Sammeln denen, die sich auskennen.
Wer auch Pilze mag, ist Emilié Franzo. Sie betreibt zwei Cafés in Paris, ist Kochbuchautorin und Marketingberaterin für Food-Produkte – und einen Foodblog hat sie auch. Ihre Begeisterung für Pilze teilt sie mit uns in diesem Buch, schauen wir mal rein.
Die Autorin beginnt mit einer ausführlichen Warenkunde: von Zuchtchampignon über Steinpilze, Pfifferlinge, Trüffel, Seitlinge bis zu Shiitake, Enoki und noch vielen mehr hat jede Sorte eine Doppelseite bekommen. Es gibt ein Foto, eine Übersicht über Sorten, Saison, Aussehen, Geschmack, Einkauf, Lagerung und Verwendung in der Küche.
So gerüstet, gehen wir an die Rezepte: da gibt es schnelle Gerichte wie Misosuppe mit Pilzen und Kokosmilch, Geschmortes wie Hähnchen in Sahnesauce mit zweierlei Pfifferlingen, Comfort Food wie Rigatoni mit Champignons und Bratwurst, Fingerfood wie Tostadas oder Samosas, kalte Gerichte und Gästetaugliches wie Kartoffelpüree mit Trüffel. Die Rezepte haben immer einen eigenen Dreh und das Probieren macht Freude.
Die Rezepte sind gut gegliedert und – bei mir bis auf einen Ausreisser – gut umsetzbar. Immer wird auch beschrieben, wie viele Menschen satt werden und wieviel Zeit man für die Vorbereitung und das Garen einplanen sollte. Meist werden eine oder mehrere Pilzsorten verwendet, welche, findet man am oberen Seitenrand in einer kleinen Grafik, das ist schön übersichtlich. Was es nicht gibt, sind Austauschoptionen, das habe ich ein wenig vermisst, da greift man dann eben auf die Profile aus der Warenkunde zurück. Was es auch noch gibt, ist ein nach Zutaten geordnetes Register, in dem man findet, was man sucht.
Kurz noch zu den äußeren Werten: da punktet das Buch mit einem ruhigen Layout in gedeckten Farben. Jedes Rezept hat eine Doppelseite bekommen, bei der sich Rezept und das entprechende Foto gegebenüber stehen. Die Fotos sind hüsch arrangiert, aber nicht übermäßig verspielt.

Das Pilzcurry fußt auf grüner Currypaste, Kokosmilch und reichlich Knoblauch. Es ist schnell gemacht und bringt ordentlich Schwung mit. Bezüglich der Pilze ist man flexibel: ich hatte Austernpilze, Enoki, Shimeiji und Kräuterseitlinge; nur allzu instensive (und kostspielige) Pilze wie Steinpilze würde ich nicht verwenden; dazu ist die Currysauce zu intensiv.

Die eingelegten Pilze sind rasch gemacht und dank frischen Kräutern, Knoblauch und Chiliflocken schön würzig.

Die Kürbislasagne mit getrockneten Steinpilzen ist schön aromatisch und glänzt mit ein paar guten Ideen – so kommt an die Béchamelsoße eine gute Portion des Pilz-Einweichwassers. Mit den Schichten habe ich mich aber schwer getan, denn das verwendete Kürbis-Ricotta-Püree und auch die Béchamel waren sehr fest, letztere sogar, obwohl ich deutlich weniger Mehl und mehr Flüssigkeit verwendet habe, als im Rezept angegeben.

An die Pilz-Bolognese kommt mit Ausnahme von etwas geschälter Tomate und ein wenig Nudel-Kochwasser keinerlei Flüssigkeit – und das funktioniert und gibt einen herzhaften Pilzgeschmack.

Hier gesellt sich zur Polenta eine kräftige Sauce mit Pilzen und Tomate, zusätzlich sorgt Burrata für etwas Schmelz – das war sehr fein.
Fazit:
Das ist ein schönes Buch für Pilzliebhaber*innen solche die es werden wollen. Dafür sorgen nicht eine gute Bandbreite an Rezepten, sondern auch die aufschlußreichen Hintergrundinformationen.
- Herausgeber: Dorling Kindersley Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
- ISBN: 978-3831051724
- € 24,95

Das ist ein Buch, dass durchaus hier einziehen könnte. Ich sammel selbst und manchmal fehlt die Inspiration.
Frohes Fest noch für Dich! 🎅🎄
Susanne
Zum Selbst Sammeln fehlen mir ganz entschieden die Kenntnisse – und der Mut.
Dir auch schöne Feiertage, liebe Susanne.