Tradition und Moderne in der Pfistermühle

München hat seine Traditionsgaststätten. Die Pfistermühle  am Platzl ist eine davon. Ursprünglich wurde sie am alten Hof als Hofmühle betrieben – der Name weißt darauf hin, dass das vermahlene Getreide dort auch gleich zu Brot verbacken wurde – , nach einem verheerenden Brand wurde sie dann im 16. Jahrhundert an der Stelle wieder aufgebaut, an der sie auch heute noch zu finden ist. Nach einer wechselvollen Geschichte ist die Pfistermühle seit 1988 ein Restaurant.

In diesem Jahr hat man sich entschlossen, nicht nur das Gebäude zu renovieren, sondern gleichzeitig  auch das gastronomische Konzept zu überarbeiten. Auf beiden Gebieten hat man eine sanfte Modernisierung vorgenommen. Was die Inneneinrichtung angeht, hat man sich entschlossen, den ursprünglichen Stil beizubehalten, aber alles etwas lichter und heller zu gestalten. So wurden beispielsweise die dunklem Wandverkleidungen nicht entfernt, sondern gelaugt und wiederverwendet. Die Inneneinrichtung hat man durchdacht und detailreich gestaltet, so erinnern zum Beispiel Lampenschirme aus alten Mehlsäcken an die Herkunft des Gebäudes als Mühle.

Und das Essen? Man hat sich gehobene bayerische Küche auf die Fahnen geschrieben, mit einem Fokus auf regionale Produkte. Und man erinnert immer wieder an die Herkunft des Gebäudes als Mühle und Bäckerei.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Einladung bekommen habe, einen Abend in der Pfistermühle zu verbringen und den Köchen über die Schulter zu schauen; aber da gab es ein Wort in der Einladung, das mich geradezu magisch anzog und zwar… “Brotkonzept”. Man bezieht drei Sorten Brot von der Brotmanufaktur Schmidt, die dann im Restaurant aufgebacken werden – und das ist verdammt gutes Brot. Ich bin da ja heikel, aber in diesem Falle musste ich mich daran erinnern, dass es auch noch etwas anderes zu essen gibt. Auch durch die Gerichte zieht sich Brot als Leitfaden, sei es als Sud, als Brösel  – irgendwo ist immer eine Reminiszenz.

Was natürlich auch lockte, war ein Blick in die Küche. Der Reihenfolge nach seht Ihr auf den Fotos Kürbis mit Vanille und Affilia-Kresse, eine konfierte Lachsforelle aus regionaler Zucht in einem Brotsud mit Schinken und Petersilienöl und eine  – ebenfalls regional erzeugte – Entenleber mit Portweingel, Feigen und Bitterschokolade. Was Ihr nicht seht, sind die spannenden und lustigen Gespräche mit den Köchen 😉.

Natürlich gab es einen Einblick in die Speisekarte:

Getrüffelte Kartoffelsuppe|Trüffelschnee|Petersilienöl|Trüffelkartoffel

In Orangenbutter gebratenes Saiblingsfilet|Geschmorter Topinambur|Babyspinat|Safran-Vanilleschaum

Pfistermühlenweihnachtsmüsli|Joghurt|Beeren|Glühweinsorbet

Ich mochte diese modern interpretierte Version der klassisch bayerischen Küche. Mir hat besonders gut gefallen, dass man wirklich sehr stark auf regionale Produkte zurückgreift und gleichzeitig immer wieder Verweise auf die Tradition des Lokals als Mühle und Bäckerei einbaut.

Noch ein kurzer Blick in die Küche bei laufendem Betrieb….

Und dann machen wir noch einen Abstecher in die Bar. Der Familie Inselkammer, die die Pfistermühle betreibt, gehört nämlich auch das Platzl Hotel, und selbstverständlich gibt es da eine Hotelbar.

Auch hier liegt man Wert auf Regionalität.  Auf das Konto des Bartenders Daniel Bruns gehen nicht nur der Hausaperitif “Spatzl”, ein Spritz mit selbst angesetztem Orangen-Chili-Likör, Chocolate Bitter und Riesling Sekt, sondern auch einige Neuinterpretationen klassischer Cocktails mit Spirituosen aus der Region – für einen entspannten Ausklang des Abends ist also gesorgt.

Ich hatte großen Spaß an diesem Abend – und gut gegessen habe ich auch. Das moderne, aber gemütliche Ambiente und die frische, bayrisch inspirierte Küche haben mir gut gefallen.  Wer also in München ist und gehobene bayerische Küche in entspannter Atmosphäre  genießen will, der ist in der Pfistermühle am richtigen Platz.

Restaurant Acetaia – München Neuhausen

Essen gehe ich eher selten, meist wird zuhause gekocht. Und wenn, dann landen wir mitsamt unserem Nachwuchs gerne in eher einfachen Restaurants wie dem zuverlässigen Italiener um die Ecke. Das muss nicht schlecht sein, aber auch nicht unbedingt vorstellenswert.

Aber neulich ist es mir einmal richtig toll ergangen, und das wollte ich mit Euch teilen. Vielleicht ist es ja auch ein guter Tipp für den einen oder anderen Münchner unter Euch.

Das Acetaia ist ein sehr schönes Restaurant im Stadteil Neuhausen, ganz nah am Nymphenburger Kanal. Die Einrichtung besticht durch Jugendstil-Ambiente. Abends, im Dunklen, sieht das beleuchtete Gebäude ein wenig verwunschen aus. Es gibt 40 Sitzplätze, also ein schöner Platz, um ohne Trubel zu sitzen und sein Essen zu genießen. Dazu trägt auch der nette Service bei, der unaufdringlich ist, aber immer da, wenn man etwas braucht.

Acetaia – der Name kommt kommt daher, dass man im Restaurant eine besondere Beziehung zu Aceto Balsamico traditionale die Modena pflegt. Mit dem im Holzfass gereiften Essig werden dort gerne die Speisen verfeinert. Wer Geschmack daran gefunden hat, kann auch etwas Essig für zuhause kaufen.

Die Einrichtung des Restaurants ist tradionell: dunkle Holztäfelung, hohe Schränke, in denen Weinflaschen präsentiert werden, Mosaikboden, Kronleuchter. Die Küche ist nicht ganz so tradionell, wie das Ambiente es vermuten läßt: es gibt italienische Küche, aber modern, hochwertig und gerne auch mal eigenwillig interpretiert.

Die Karte wechselt, ich zeige Euch mal unser Essen an diesem Abend. Die Fotos müsst Ihr bitte entschuldigen, die sind mit dem Smartphone gemacht.

bavette

Rinderbavette mit Meerrettich, Äpfeln und Orangenmayonnaise – das ist ein schöne kontrastreiche Einstimmung: samtige Mayonnaise, knusprig frittierte Zwiebelringe, frische Apfelstifte.

ravioli

Frische Schafkäseravioli mit Butter, Majoran und Aceto Balsamico Tradiotionale: das ist sozusagen das Markenzeichen des Restaurants; diese Ravioli findet man immer auf der Karte. Der Teig war wunderbar dünn. Abgerundet wird das Gericht durch den Essig, den das Lokal seinen Namen verdankt.

fisch

Wolfsbarsch, Petersilienwurzeln, Löwenzahn-Ricotta: der Fisch war wunderbar auf der Haut knusprig gebraten. Petersilienwurzel und Löwenzahnricotta harmonieren toll; die Petersilienwurzeln haben mir gut gefallen, und das, obwohl ich sie als pure Gemüsebeilage eigentlich etwas schwierig finde.

panettone

Panettone-Lasagne mit Orangengelée auf italienischer Meringue: das war sozusagen der Grund unseres Hierseins. Von alleine bin ich nämlich nicht auf das Lokal gekommen. Das Ganze war ein Panettone-Dinner, ausgerichtet für Bauli von der Gourmet-Connection. Dorothée war eingeladen und ich durfte sie begleiten. Wir waren sehr gespannt, was mit dem Panettone passieren würde. Der Koch hat die Herausforderung angenommen und dieses sensationelle Dessert kreiert. Vielen Dank an alle für den den schönen Abend! Ein Tipp für die Süßschnäbel: die Lasagne soll bis Weihnachten dauerhaft auf der Karte zu finden sein….

  • Restaurant Acetaia
  • Nymphenburger Str. 215, München
  • Tel. 089/13 92 90 77
  • info@restaurant-acetaia.de
  • Mo – So 12 – 14.30 h & 18.30 – 22.30 h, Sa 18.30 h – 22.30 h