
Die erste Reise, die ich alleine unternahm, führte mich in die Bretagne – das ist lange her, aber seither liebe ich diesen Landstrich und seine Menschen. Da ist es nur konsequent, dass ich an einem Genussbuch, das sich mit dieser Gegend befasst, nicht vorbei komme.
Die Reise- und Kulinarikjournalistin Verena Carola Mayer teilt meine Faszination. Für ihr Buch hat sie die Bretagne bereist und nimmt uns nun mit in die Landschaften und Restaurants und zu Erzeuger*innen und Handwerker*innen.
Ihre Reise hat sie nach Départements geordnet: Ille-et-Villaine, das Tor zur Bretagne mit der Hauptstadt Rennes, Côtes d’Armor mit der berühmten rosa Granit-Küste, Finistère, das schon lange nicht mehr das Ende der Welt ist, und Morbihan ganz im Süden.
Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Einführung über die Besonderheiten der jeweiligen Region; danach werden die Restaurants und die Menschen, die hinter ihnen stehen, vorgestellt und zum Abschluß gibt es noch Service-Teil mit Tips für Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten und weitere Restaurants; einen weiteren Serviceteil mit Geschichten über Inseln, Märkte und mehr findet man am Ende des Buches – und ein lesenswertes Kapitel über die berühmte bretonische Butter.
Die Rezepte sind Restaurant-Rezepte und einige davon nicht so leicht in der heimischen Küche umsetzbar. Wer sich bretonische Hausmannskost erhofft, wird nicht fündig, es ist meist eher der Fine-Dining Bereich. Bretonische Regionalküche wird trotzdem serviert, denn die Basis der Rezepte ist eine produktorientierte Küche: Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Fisch und Meeresfrüchte, wie man sie in der Bretagne anbaut und fängt.
Im übrigen ist das ein sehr hochwertig gestaltetes, großformatiges Coffee-Table-Book mit quadratischem Format, Fadenheftung und Lesebändchen. Und mit so vielen Fotos, dass man von einem Bildband sprechen kann. Andrea di Lorenzo hat Landschaften, Menschen und Mahlzeiten atmosphärisch eingefangen; in diesem Buch zu blättern, weckt auf der Stelle Reiselust und Sehnsucht.
Ausprobiert:

Für den Lauch mit Miso-Vinaigrette, confiertem Ei und Kräutersalat nach einem Rezept von „Les Jardins de la Matz“ wird zunächst ein Lauchöl hergestellt und Eigelb in Sojasauce eingelegt. Danach wird der Lauch blanchiert, das Dressing gerührt und alles auf dem Teller zusammengefügt. Der Lauch mit dem cremigen Ei voller Umami, dazu der Salat und das aromatische Öl, das ist eine tolle Kombination.

Buchweizen ist auch jenseits von Galettes ein wichtiger Bestandteil der bretonischen Esskultur. Für dieses Brot wird er eingeweicht, glatt püriert und mit etwas Salz zum Fermentieren beiseite gestellt. Das Ergebnis ist ein lockeres Brot mit einer feuchten Krume.

Nochmal Buchweizen – diesmal in Cookies. Neben Buchweizenmehl und Schokolade ist auch gerösteter Buchweizen in den Cookies, das gibt eine schöne Konsistenz.

Das ist eigentlich dreierlei von der Karotte; das Signature-Dish von Samuel Selosse aus dem La Table d’Asten: ein Püree, das im Kühlschrank fest wird und als kleines Rechteck auf dem Teller landet. Darauf geriebene, knusprig gebratene Karotten mit Kräutern und drumherum sollte eigentlich eine aufgeschäumt Sauce aus gegarten Karotten, Karottensaft und Butter sein; die war bei mir aber leider trotz großzügiger Zugabe von Karottensaft zu dick und eher ein Püree, das sich dann auch nicht aufschäumen ließ – geschmacklich gab es aber nichts auszusetzen.
Fazit:
Wer die Bretagne liebt, kommt hier auf seine Kosten: man bekommt einen kulinarischen Reiseführer, der es einem erlaubt in wunderschönen Bildern zu schwelgen, ausgewählte Restaurants und ihre Gerichte kennenzulernen, viel über die bretonische Esskultur und ihre Lebensmittel zu erfahren und Reisetipps auch abseits der ausgetretenen Pfade zu bekommen.
- Herausgeber: Callwey Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 240 Seiten
- ISBN: 978-3766728616
- € 45,00
