
Wer hier schon länger mitliest, für den ist Hans Jörg Bachmeier kein Unbekannter – und er ist es ja auch sonst nicht. Nach einer Ausbildung im elterlichen Betrieb und Stationen unter anderem bei Alfons Schuhbeck, Heinz Winkler und Eckart Witzigmann betreibt er heute in der Nähe des Viktualienmarktes sein Restaurant„Bachmeier Genussfreuden„ – und wer Glück hat, kann ihn morgens auf dem Markt beim Einkaufen treffen. Seine Kochsendung „Einfach. Gut. Bachmeier“ läuft bereits seit mehr als 10 Jahren im Bayerischen Fernsehen.
Dieses Buch hier fasst die Rezepte aus der neuen Staffel zusammen. Hans Jörg Bachmeier kommt ursprünglich aus Niederbayern. Seine Küche ist also bayerisch geprägt; sie ist gehoben, aber gleichzeitig entspannt; er legt dabei großen Wert auf hochwertige Grundzutaten und saisonale Küche.
Andere Perspektiven sind immer spannend, und so könnte Ihr heute auch gleich noch lesen, was Bushcook und Leselust und Löffel zum Buch sagen.
Ich hatte die Freude, bei der Kochbuchvorstellung dabei sein zu dürfen und lasse Euch mal ein paar Eindrücke hier (die Hundedame war der heimliche Star des Nachmittags…):








Jetzt aber zum Buch: die Rezepte sind klassisch sortiert nach Vorspeisen, Fleischgerichten, Fischgerichten und Vegetarischem. Außerdem gibt es Gebäck und süße Hauptspeisen und natürlich Nachtisch. Die Rezepte sind breit aufgestellt – es gibt Dinge, die relativ schnell und einfach auf dem Tisch stehen, aber auch Gerichte die etwas mehr Einsatz und Zeit verlangen. Im Prinzip ist das ein Buch über bayerische Küche, – es gibt Pichelsteiner, Schweinsbraten und Rornudeln, aber hin und wieder scheinen italienische oder andere internationale Einflüße durch wie bei den Linguine mit Parmesansauce und Salbei, bei der Lammschulter mit Puntarelle und Polenta oder bei den bayrischen Ramen. Das grobe Thema ist Comfort Food (er spricht dabei von Soul Food) – so eine richtig klare Linie konnte ich dazu nicht erkennen, aber ob ein Essen ein Wohlfühlessen ist, wird ja auch sehr individuell empfunden.
Die Rezepte sind durchaus auch mal gehobener, aber immer meist nachvollziehbar beschrieben, wenn auch gerne mal etwas kurz gefasst. Das Layout ist übersichtlich: es ist zweispaltig nach Zutaten und Arbeitsanleitung und besonders praktisch ist, dass es durch Überschriften getrennte Zutatenlisten für die verschiedenen Komponten der Gerichte gibt.
Jedes Rezept hat ein – meist ganzseitiges – Foto bekommen, das der Arbeitsanleitung auf einer Doppelseite gegenüber steht. Das Foodstyling hat Hans Jörg Bachmeier selbst gemacht und die Fotos sind ohne großes Drumherum auf das Essen fokussiert – so mag ich das.
Es ist ja schon eine kleine Tradition – Hans Jörg Bachmeier beschränkt sich in seinen Büchern nicht auf Rezepte, er macht auch immer gerne kleine Ausflüge mit uns; diesmal fährt er über Land und stellt uns die Menschen und Betriebe vor, bei denen er gerne seine Lebensmittel kauft; den Müller, den Fischer, die Metzgerin. Und ein Kapitel ist dem Teufelsrad auf der Wiesn gewidmet, zu dessen Betreibern er ein besonderes Verhältnis hat – da wurde auch ein Rezept beigesteuert.
Schon mal ausprobiert:

Für die Linsen-Graupen-Pflanzerl werden eingeweichte rote Linsen mit Kokosmilch püriert und mit gegarten Graupen, Pilzen und Knoblauch zu Pflanzerl verarbeitet. Dazu gibt es einen frisch, mit Limette gewürzten Schmand-Dip. Ich habe da etwas gekämpft und aus der halben Zutatenmenge doppelt so viele Pflanzerl gemacht wie im Rezept angegeben, und das war gut so, denn die Pflanzerl sind recht kompakt und sättigend. Dem Salat habe ich eine Vinaigrette spendiert statt nur Kürbiskernöl.

Reisfleisch ist ein schwieriges Rezept, weil für mich mit einem ganz bestimmten Kindheitsgeschmack verbunden. Diese Version hier ist etwas modernisiert und anders – sie wird unter anderem mit einer Chili-Salsa mit Kürbiskernöl serviert – und genau deswegen sehr gut.

Die Erbsensuppe mit gebackenem Ei ist schön locker (dank geschlagener Sahne, die untergehoben wird)und aromatisch. Dazu gibt es Knusper in gleich drei Varianten: Speck, Croutons und als mein Highlight das gebackene Ei, das erst pochiert, dann paniert und frittiert wird.

Nach der Suppe gab es Nachtisch – die bayrische Creme hat eine wunderbar luftige Konsistenz und das Rhabarber-Kompott ist genau richtig dazu.

Kein bayerisches Kochbuch ohne Knödel-Rezepte: in diesem Fall Spinatknödel, die auf einem Linsenragout serviert werden. Die Knödel haben gut gehalten und waren trotzdem locker und mit dem Linsenragout ist das ein schönes vegetarisches Hauptgericht.
Fazit:
Das ist ein Buch mit einer guten Bandbreite an Rezepten, die gehoben und doch schörkellos sind und sich gut zuhause umsetzen lassen. Mich freut, dass die traditionelle bayrische Küche hier behutsam modernisiert und frischer und leichter gestaltet wird.
- Herausgeber: Gräfe und Unzer
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
- ISBN: 978-3758902772
- € 30,00

