
Bevor ich das Buch in die Hand nehme, gehen meine Erinnerungen zurück zu Impressionen vergangener Reisen. Es sind allesamt Eindrücke, die nicht so schnell verblassen. An Städte wie Sevilla, Cordoba, Granada, auch weniger berühmte wie Tarifa mit seiner Aussicht auf das nahe Afrika und seiner Altstadt, die schon ein wenig marokkanisch anmutet. Oder an Sanlucar de Barrameda, von wo Kolumbus aufbrach, um einen neuen Kontinent zu entdecken und Magellan zu seiner Fahrt rund um den Globus. Jene Zeit war aber nicht nur eine des Aufbruchs – kurz vorher war das Kapitel der Mauren zu Ende gegangen und die Juden vertrieben worden, sofern sie nicht ihren Glauben leugneten.
Alle diese Ereignisse haben auch kulturell und kulinarisch Spuren hinterlassen, womit ich nun endlich beim Kochbuch von Maria José Sevilla angekommen bin. Die Autorin kann auf eine lange abwechslungsreiche Karriere als Köchin zurückblicken, mit Stationen in Großbritannien und den USA, mit Kochbüchern und TV-Sendungen. Andalusien kennt sie nicht nur so en passant, sie besitzt dort auch ein Haus.
Ihr Kochbuch hat sie ganz klassisch gegliedert – Tapas, Gebäck, Gemüse, Fisch, Fleisch, Nachspeisen. Die einzelnen Gerichte werden jeweils kurz vorgestellt, oft mit einem persönlichen Bezug. Selbst wenn mal zwei Rezepte sich eine Seite teilen müssen, gibt es doch für jedes ein Foto. Überhaupt macht das Buch von den Abbildungen her einen äußerst gelungenen Eindruck – auch die Fotos von Land und Leuten sind sehr stimmungsvoll.
Auch die Auswahl der Rezepte hat mich überzeugt. Eine gute saisonale Mischung ist entstanden. Die zahlreichen Sommergerichte habe ich etwas wehmütig hintangestellt. Aber auch die Rezepte für die kältere Jahreszeit haben ihren Reiz. Vieles hat mich zum Nachkochen animiert. Die Zutaten und Zubereitungen dürften kaum Probleme bereiten, von dem ein oder anderen Meeresgetier vielleicht mal abgesehen.
Dies ist nicht gerade ein Kochbuch für Vegetarier und auch an Öl wird nicht gespart, aber das sollte man in der mediterranen Küche auch nicht erwarten. Hin und wieder habe ich es mir einfacher gemacht, mal weil es nicht anders ging (bei Fisch der Griff zu Tiefkühlprodukten) oder aus Zeitgründen z.B. Kichererbsen und gegrillte Paprika aus dem Glas genommen. Ich denke, das ist okay, solange Qualität und Charakter des Gerichts nicht darunter leiden.
Nun warte ich auf den Sommer und auf Gerichte wie Gazpacho, Salmorejo und Rezepte mit Tomaten, Zucchini und Auberginen.
Ausprobierte Rezepte:

Buñuelos de bacalao – Kabeljaukrapfen
Normalerweise wird für derartige Gerichte Stockfisch verwendet, der erst lange gewässert werden muss, um dem Kabeljau das Salz zu entziehen. Ohne einen solchen hierzulande nicht so leicht beschaffbaren Bacalao kann man sich damit behelfen, das Fischfilet selbst zu entwässern, indem man es mit Salz bedeckt und einen Tag lang im Kühlschrank Flüssigkeit ziehen lässt. Dann das ausgetretene Wasser entfernen und den Fisch zerpflücken. Nun mit gestampften Kartoffeln (vielleicht weniger als im Rezept vorgesehen) und Petersilie mischen, zu Klößen formen und in der Pfanne braten. Etwas Aufwand, der sich aber bezahlt lohnt.

Potaje de garbanzos con espinacas – Kichererbsen und Spinat
Ein Eintopf für die kalte Jahreszeit, der satt und zufrieden macht. Und schnell auf dem Tisch steht, wenn man gegarte Kichererbsen nimmt. Gewürfelte Tomaten, Knoblauch, Kreuzkümmel und süßes (wer mag geräuchertes) Paprikapulver sorgen für einen authentischen Geschmack.

Cazuela de fideos con almejas y gambas – Fadennudeln mit Muscheln und Garnelen
Da ich keine Muscheln zur Verfügung hatte, wohl aber gegarten Oktopus, kamen dessen Tentakel in diesen maritimen Eintopf, der vergessen lässt, dass man ihn nicht in einem Tapas-Lokal verspeist. Im Original werden die Muscheln und Garnelen separat gekocht und ihr Sud aufgefangen. Hinzu kommt noch ein Sofrito aus Tomaten, einer Paprika, Knoblauch und süßem Paprikapulver. Da es gerade keine aromatischen Tomaten gab, habe ich lieber gute Dosenware genommen.Die Fadennudeln (oder in Stücke zerbrochene Spaghettini) werden nun im Sud der Meeresfrüchte gegart. Dann noch die Muscheln und Garnelen hinzufügen und alles erhitzen und genießen.

Ensalada de naranja, miel y aceite de oliva – Orangensalat mit Honig und Olivenöl
Gleich zwei Orangensalate bietet die Autorin an – einen herzhaften mit gesalzenem Kabeljau, Zwiebeln und hartgekochten Eiern und einen ganz einfachen, für den die Orangen in dünne Scheiben geschnitten und dann mit Olivenöl und Honig beträufelt werden. Zuletzt noch ein paar Minzeblätter darüber. Eine feine Alternative zu unserem sizilianischen Salat mit Kapern, Sardellen und Oliven.

Empanadillas de atún – Teigtaschen mit Paprika, Zwiebeln und Thunfisch
Bei diesen Teigtaschen hat mir der Teig gefallen, der sehr gut zu verarbeiten ist. Er ist schnell zusammengeknetet und lässt sich nach einer kurzen Ruhephase ohne zu kleben ausrollen.
Die Füllung besteht aus gebratener Paprika und Zwiebeln, dazu kommt dann noch Thunfisch aus der Dose. Ich habe wohl den Teig nicht dünn genug ausgerollt, denn es blieb reichlich Fülle übrig, mit der ich dann köstliche Frikadellen machte.
Wer Zeit sparen möchte, kann auch geröstete Paprika aus dem Glas nehmen.
Diese Empanadas wird es sicherlich noch öfter geben.

Tortas de aceite y anis – süßes Anis-Olivenöl-Gebäck
In Spanien habe ich dieses dünne und knusprige Gebäck lieben gelernt, besonders das auch noch hübsch verpackte von Ines Rosales. Man kann die Tortas inzwischen auch bei uns kaufen, allerdings zu einem heftigen Preis.
Dabei lassen sie sich leicht backen. In den Teig kommt Anis, Sesam, Zimt, Olivenöl und vor allem ein gehöriger Schuss Anislikör (ich habe Pastis genommen, Ouzo geht genauso).

Pinchitos morunos – maurische Fleischspieße
Die kräftige Marinade mit Cumin, Koriander und Zimt verleiht den Lammfleischstücken einen orientalischen Touch. Wer sie wie ich im Airfryer grillt, sollte die angegebene Zeit verkürzen.
Fazit:
Ein Buch, das Spaß macht zum Nachkochen und um Reisepläne zu schmieden.
• Verlag: Gerstenberg
• Sprache: Deutsch
• Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
• ISBN: 978-3836922098
• € 30,00

