
Habt Ihr Neujahrsvorsätze? Dann gibt es hier ein bisschen Lesestoff für alle, die sich (mal wieder) gesündere Ernährung vorgenommen haben: man wird nicht jünger – das gilt auch für Jamie Oliver. Der wurde dieses Jahr 50 und hat das zum Anlaß genommen, sich Gedanken zu machen – über seine Gesundheit und die Möglichkeiten, diese möglichst lange zu erhalten. Nicht nur aus der Warte eines Koches heraus kommt der Ernährung da eine Schlüsselposition zu und Jamie Oliver hat seine Erkenntnisse und Rezepte nun in diesem Buch zusammengefasst.
Seine Rezepte hat er gegliedert in Ideen für Frühstück, Mittag und Abend, Aufwändigeres für das Wochenende, Süßes und Getränke. Die Rezepte setzen auf viel Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte und sind mit leicht erhältlichen Zutaten gut umsetzbar. Jamie Oliver legt ja Wert darauf, es den Leuten einfach zu machen – da fallen einige Ausreden weg, warum man sich nicht selbst an den Herd stellen kann. Und so hat er keine Scheu, auf vorbereitete Zutaten zurück zu greifen: Hülsenfrüchte (auch Linsen) kommen aus Dosen, es wird oft in der Packung erhältlicher vorgegarter Vollkornreis verwendet, geröstete Paprika aus dem Glas und auch TK-Gemüse hat seinen Auftritt. Das ist alles in Ordnung, nur über die Kartoffeln aus dem Glas, die für einen Kartoffelsalat verwendet werden, muss ich noch nachdenken. Mit dem letzten hier vorgestellten Buch von Jamie Oliver zum Thema einfache Küche war ich ja nicht so ganz glücklich, da blieb mir der Geschmack etwas auf der Strecke – das ist hier komplett anders; es hat Spaß gemacht zu kochen und zu essen; ich habe auch noch recht viele Marker im Buch kleben und freue mich auf rasch gefüllten Apfel zum Frühstück, Kichererbsen-Arrabiatta, Pilztopf mit Tofu und Klößchen und anderes mehr.
Kochbücher zum Thema gesundes Essen boomen ja gerade, und Jamie Oliver reiht sich da ein. Er ist allerdings nicht auf den „30-Pflanzen-pro-Woche“-Zug aufgesprungen. Er setzt statt dessen auf das ältere 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag – erhöht da aber auf sieben. Und so ist auch gleich bei jedem Rezept mit vermerkt, wie viele Portionen Obst und Gemüse man damit abdeckt.
Die Rezepte sind in typischer Oliver-Manier genau und gelingsicher formuliert und auch anfängertauglich. Manchmal musste ich aber schmunzeln – die Zubereitungszeiten wurden wohl sehr eifrig mitgestoppt – die Dampfbrötchen unten sollen in 48 min auf dem Tisch stehen und die Tomatensuppe in 29 min.
Das Buch beschränkt sich nicht auf Rezepte: es beginnt mit ausführlichen Tipps, wie man seine Vorratskammer bestücken soll und was für Gerätschaften man zum Kochen braucht (nicht viele). Um den Alltag zu erleichtern gibt es eine Liste mit Tipps und Tricks, die unaufwändig umsetzbar sind – das reicht von Einkaufsliste schreiben über mehr Vollkornmehl verwenden bis dazu, am Wochenende schon mal vorzukochen. Nicht bahnbrechend, wenn man sich mit Ernährung schon befasst hat, aber gute Tipps, wenn man gerade anfängt, Vorsätze in dieser Richtung umzusetzen. Und wer richtig loslegen will, findet einen zweiwöchigen Ernährungsplan mit den Rezepte aus dem Buch.
Kurz zum Äußeren: es macht Spaß, in dem Buch zu blättern. Das Layout ist übersichtlich; jedes Rezept hat eine Doppelseite bekommen, auf der sich Rezept und Food-Foto gegenüber stehen. Die Fotos hat David Loftus gemacht – sie sind aufs Wesentliche konzentriert und einfach schön.

Der Couscous mit Lachs glänzt mit einer Menge Gemüse – teils gegart, teils roh mariniert, einer schönen Würze, einer Joghurtsauce mit Basilikum und gebratenem Lachs – schnell und fein.

Es macht keinen Spaß, morgens im stockdunklen sein Frühstück zu fotografieren, aber gut: da gibt es ein Basisrezept für Overnight Oats. Für das Rezept wird Banane mit Milch püriert und Apfel gerieben; darin werden dann die Haferflocken eingeweicht. Und es gibt Abwandlungen: das hier sind Tiramisu-Oats. Dafür werden die eingeweichten Haferflocken mit Espresso verrührt, mit Joghurt geschichtet und mit Backkakao bestreut – schmeckt, tut gut und macht wach.

Morgens erst mal Wasser trinken ist eine gute Idee. Hier ist das Wasser aufgepeppt: Apfelessig, Ingwer, Minze, Kurkuma und etwas Cayennepfeffer werden in Eiswürfelformen eingefroren. Morgens einfach mit kochendem Wasser übergießen, und schon hat man ein gutes Hallo-Wach-Getränk und tut gleichzeitig ein bisschen was für den Nährstoffhaushalt.

Diese Tomatensuppe bezieht ihren Kick aus Gochujang – das wärmt wohlig. Es gibt Reisnudeln und Tofu als milde Einlage, die angenehm satt macht.

Für die an Baozi angelehnten Dampfbrötchen wird ein einfacher Backpulverteig mit in Hoisin-Sauce gewürztem Gemüse gefüllt, dazu gibt es marinierte Karottenstreifen und mehr Hoisin-Sauce. Der Teig hat mich nicht überzeugt; er geht zwar schnell, aber die Konsistenz wird mit zusätzlicher Hefe besser.

Die wohltuende Kichererbsensuppe ist eher ein dicker Eintopf – mit Kichererbsen, Kartoffeln, Blumenkohl und Kokoscreme und gut gewürzt mit Currypaste, Ingwer und Knoblauch.

Es ist nicht unbedingt nötig, aber ich habe die Proteinbrötchen zur Suppe serviert. Mit Weizenvollkornmehl, Nüssen, Ei und Hüttenkäse sind das richtige Kraftpakete. Im Gegensatz zu den Dumplings von oben wird hier beim Teig mit Hefe und Backpulver gearbeitet. Das Backpulver würde ich beim nächsten Mal weglassen. Es spart keine Zeit und die Konsistenz der Brötchen wird leider etwas kuchenartig.

Mit jeglichen Abwandlungen von Bolognese kann ich am Esstisch immer punkten. Diese hier kommt mit relativ wenig Fleisch aus, dafür sind aber Bohnen drin und eine gute Menge Gemüse – Comfort Food, und dazu noch vollgepackt mit Nährstoffen.
Fazit:
Wer einen Kickstart für gesunde Ernährung möchte, wird hier fündig – die Rezepte sind unaufwändig und machen Spaß – ganz undogmatisch. Man muss aber ehrlich gesagt den Fokus gar nicht so sehr auf das „Gesunde“ legen – ich sehe hier einfach ein alltagstaugliches Buch mit kreativen Rezepten für alle möglichen Lebensituationen von Frühstück über Familienessen bis hin zu Gästetauglichem, und das alles frisch, aromatisch und ausgewogen. G
- Herausgeber: Dorling Kindersley Verlag
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
- ISBN: 978-3831052301
- € 32,00

Ja, ja, schon seine 30-Minuten-Gerichte waren nur zu schaffen, wenn man jemanden zusätzlich hätte, der einem zur Hand ging 😉
Das habe ich nicht ausprobiert; meine Prioritäten liegen woanders 😉.