Kochbuch: Mamusia | Olia Hercules

Heute möchte ich Euch ein Kochbuch vorstellen, das schon länger in meinem Bücherregal wohnt; ich habe seit vielen Jahren das englischsprachige Original. Die deutsche Ausgabe wurde nun überarbeitet und neu aufgelegt – und ein Teil des Verkaufserlöses geht an das Hilfsprojekt der Autorin für die Menschen in der Ukraine – ein guter Anlass, ein paar Worte über das Buch zu verlieren:

Olia Hercules wurde in der Ukraine geboren, wo auch ein großer Teil ihrer Familie heute noch lebt. Sie selbst lebt nun in London und verdient ihr Geld als Kochbuchautorin. Mit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine geriet diese Tätigkeit erst mal in den Hintergrund, Olia Hercules beschäftigt sich sehr engagiert damit, den Menschen in der Ukraine zu helfen; unter anderem sammelt sie Geld über Kochevents.

Olia Hercules begann 2014 mit dem Sammeln ukrainischer Rezepte. Damals marschierte Russland auf der Krim ein und Olia Hercules hatte Angst, dass die Kochkultur ihrer Heimat in Vergessenheit geraten könnte; das war auch der Ausgangspunkt für dieses Buch.

Die Rezepte sind unterteilt in Suppen und Eintöpfe, Brot und herzhaftes Gebäck, Gemüse, Klöße, Nudeln und ähnliches, Fleisch und Fisch, Eingemachtes für den Vorrat, Konfitüre und Kompott sowie Süßes und Getränke. Olia Hercules hat Familienrezepte gesammelt, und weil ihre Familie nicht nur aus der Ukraine kommt, findet man auch das eine andere Rezept aus anderen Gegenden, zum Beispiel Armenien oder Moldawien. Die meisten Rezepte sind ganz klassisch gehalten, aber manchen hat sie doch einen eigenen Twist gegeben; so wird das Gemüse für den Salat Winegret nicht gekocht, sondern im Ofen geröstet.

Die Rezepte sind solide Hausmannskost mit frischen, gut erhältlichen Zutaten. Und sie sind so niedergeschrieben, dass es beim Nachkochen keine Hindernisse gibt.

Davon abgesehen ist das auch ein sehr persönliches Buch. Zu jedem Rezept gibt es eine kurze Vorrede, und so erfahren wir nicht nur viel über die ukrainische Esskultur, sondern auch über das persönliche Leben der Autorin und ihrer Familie. Der persönliche Charakter wird auch durch die vielen Bilder unterstrichen – da gibt es nicht nur hübsche, aufgeräumte Food-Fotos, sondern auch viele stimmungsvolle Bilder aus der Ukraine.

Ich habe früher schon ein bisschen was ausprobiert aus dem Buch:

Berliner Kekse heißt das im Buch – bei mir sind es die Blättrigen Kekse mit Skyr. Ich kann sie wärmstens empfehlen – aber Obacht! Suchtgefahr!

Da fällt mir auf, wie lange Olia Hercules in diesem Haushalt schon eine feste Größe ist. Die Wareniki gab es 2016 anläßlich einer Fußball-WM. Ihr könnt sicher sein, dieses Jahr gibt es nix zur WM. Außer vielleicht einem wütenden Rant.

Für die Rezension habe ich mich ein bisschen tiefer in die Materie gestürzt. Leider hat im Laufe des Kochens mein Fotoapparat den Geist aufgegeben, die meisten Bilder sind mit dem Smartphone gemacht, das fand ich etwas schwierig. Geschmeckt hat es aber trotzdem:

Der Wespennestkuchen besteht aus einem Hefeteig, der mit Butter, gehackten Nüssen und Zucker gefüllt und zu Schnecken aufgerollt wird. Er landet erstaunlicherweise ohne jede Gehzeit im Ofen – das würde ich beim nächsten Mal anders machen, ich hätte mir meinen Kuchen etwas fluffiger gewünscht.

Das sind Nudli, also Dampfnudeln. Kurzer Rezeptitel, aber es geht um geschmorte Rippchen und Kartoffeln, die dann noch ein Topping aus Teigschnecken aus einen Teig aus Weizenmehl, Natron und Kefir bekommen – das ist ein sensationelles Winter-Wohlfühlgericht.

Das ist eine Pilzsuppe mit Buchweizen: die Brühe wird auf der Basis von getrockneten Steinpilzen gekocht, dazu gesellen sich frische Pilze, Buchweizen und Kartoffeln. Mollig und wohltuend.

Winegret ist ein Klassiker aus der alten UdSSR. Drin sind Rote Bete, Kartoffeln und saure Gurken. Olia Hercules röstet das Gemüse im Ofen statt es zu kochen – und hat meine volle Zustimmung dafür.

Diese mit Feta und Frühlingszwiebeln gefüllten Fladen sind im Grunde ein griechisches Rezept – unter osmanischer Herrschaft gab es auf der Krim viele griechische Gemeinden. Wie auch immer – die Fladen fanden hier breite Zustimmung.

Das ist Rassolnyk, eine deftige Suppe mit Fleisch (ich hatte Querrippe), Graupen und saueren Gurken. Nicht nur die Gurken landen in der Suppe, sondern auch etwas von der Einlegeflüssigkeit und das alles zusammen ergibt eine wirklich wohltuende Suppe, an der einfach alles zusammenpasst.

Fazit:

Die ukrainische Küche gewinnt gerade sehr an Bekanntheit – und das zu recht; sie ist abwechslungsreich, bodenständig und unverfälscht setzt auf frische Zutaten. Olia Hercules ist eine wunderbare Botschafterin für diese Kochkultur – die Rezepte machen ebenso viel Freude wie die sehr persönlich erzählten Hintergrundgeschichten.

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