Kochbuch: Das Geheimnis der vietnamesischen Küche | Kim Thúy

Kim Thúy ist eine Frau mit vielen Talenten. Sie wurde in Vietnam geboren; in den 1970er Jahren floh ihre Familie. Sie gelangtem mit dem Boot nach Indonesien, wo sie eine Zeit lang in einem Flüchtlingslager lebten und reisten dann weiter nach Montreal, wo Kim Thúy auch heute noch lebt. Sie hat Rechtswissenschaften und Übersetzung studiert und als Rechtsanwältin und Übersetzerin  gearbeitet. Einige Zeit führte sie ein kleines vietnamesisches Restaurant, und heute arbeitet sie als Schriftstellerin. Ihre Romane feiern internationale Erfolge und sind preisgekrönt.

Bevor ich zum Buch komme, noch ein paar Worte zu Kim Thúy. Ich hatte das das große Vergnügen, sie anläßlich einer Buchvorstellung kennenlernen zu dürfen, und ich bin heute noch hingerissen. Ich habe selten eine so mitreissende Perönlichkeit getroffen. Sie sprüht förmlich vor Begeisterung, Lebensfreude und Temperament und ist eine großartige Geschichtenerzählerin.

Jetzt aber zum Buch. Kim Thúy teilt darin mit uns die Rezepte ihrer Familie. Geordnet sind die Rezepte nach Grundlagen, Suppen, Nudelschalen und Kurzgebratenem, Gemüse, Frittiertem und Gebratenem, Schmorgerichten und Süßigkeiten. Ich habe da noch vieles auszuprobieren: die Suppe mit Fleisch-Garnelenbällchen zum Beispiel, den Tofu mit Zitronengras, den Wasserspinat-Salat mit Rindfleisch, die Schweinehackbällchen, die man mit Reispapier isst oder die Eisbananen. Im Grundlagen-Kapitel gibt es neben einigen Grundrezepten auch eine ausführlich bebilderte Warenkunde über Nudeln, Kräuter, Gemüse, Obst, Reispapier und die unentbehrliche Fischsauce.

Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren. Vieles davon steht auch nach einem langen Tag rasch auf dem Tisch. Für Gewürze und Kräuter ist aber natürlich der Gang in den Asia-Shop unvermeidlich.

Nun ist dieses Buch aber mehr als ein Kochbuch: Kim Thúy erzählt auch in ihrem Kochbuch Geschichten. Sie stellt uns ihre Mutter vor und ihre Tanten – jeder Frau ist ein Kapitel zugeordnet. Es gibt ein großformatiges Porträt jeder Frau und ihre Geschichte wird erzählt. Da gibt es zum Beispiel Tante 4, die 10 Jahre lang warten musste, bis sie ihrem Mann in die USA folgen konnte. Anfangs konnten die beiden noch nicht einmal telefonieren, denn die Beziehungen zwischen den USA und Vietnam waren gekappt. Ihr Mann fuhr nach Kanada, um ein viertelstündiges Telefonat mit ihr führen zu können.

Immer wieder gibt es auch Geschichten rund ums Essen: wir erfahren etwas über vietnamesische Frühstücksgewohnheiten, darüber, dass man in Vietnam seine Zuneigung nicht mit Worten ausdrückt, sondern über’s Essen, dass man Eis am liebsten in Brioche-Brötchen isst und vieles mehr. Was es auch noch gibt: Weintipps einer Sommelière und eine Playlist mit passender Musik zum Essen.

Noch kurz zum Äußeren: da ist ein großformatiges, schön gemachtes Buch. Es gibt viele Fotos, nicht nur vom Essen. Auch die vorgestellten Frauen sind schön portraitiert, und es gibt atmosphärische Bilder aus Vietnam, die das Fernweh wecken. Ich möchte noch die Schriftfarben hervorheben: grundsätzliche ein mattes Blau, Überschriften und Nummerierungen sind rot und Anmerkungen türkis. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr übersichtlich.

Zu Beginn eine Suppe: die Fischsuppe mit Tomate ist sehr einfach. Die für die Würze in der Basis sorgt Fischsauce, die Einlage sind in Fischsauce marinierter Fisch, etwas Tomate, Liebstöckel und Frühlingszwiebel –  schön leicht und aromatisch.

Keine vietnamesische Küche ohne eine Schale Nudeln! Es gibt da ein Grundrezept für garnierte Nudelschalen, also gegarte Reisnudeln, frische Kräuter, eingelegte Karotten, Gurkenstifte, verdünnte Fischsauce und Frühlingszwiebelsauce. Dazu gibt es Vorschläge für Toppings; ich habe mich für das Schweinefleisch mit Zitronengras entschieden. Es mag nach einer wilden Mischung klingen, aber die Schale war ausgewogen und genau richtig.

Auberginen sind in diesem Haushalt nicht so gern gesehen. Ich liebe sie, alle anderen eher nicht. Gegrillt auf vietnamesische Art gab es da aber gewisse Zustimmung :-). Die Auberginen werden im Ofen gegart, dann in Stücke geteilt und dürfen anschließend Bekanntschaft mit einer Sauce aus in Öl gegarten Frühlingszwiebeln und einer Fischsaucen-Vinaigrette machen. Die Vinaigrette besteht aus gleichen Teilen Fischsauce, Zucker, Limettensaft und Wasser. Ich hätte drin baden können und habe sie seither immer im Kühlschrank. (Der Kater findet Fischsauce übrigens auch super. Er war ein etwas zu treuer Gefährte in der Küche 😉 ).

Ich wollte unbedingt die gefüllten Betelblätter machen. Der Weg zu den Blättern war etwas schwierig, aber dann… die Blätter werden gefüllt mit Hackfleisch, dazu gesellen sich Erdnüsse und Sojasauce. Die leicht pfeffrig schmeckenden Blätter mit der Füllung und dem Fischsaucen-Dip, die hat es bestimmt nicht zum letzten Mal gegeben.

Keine Ahnung warum, aber ganz hinten im Küchenschrank lag eine Packung Tapioka. Und in der Tiefkühle ein Rest Kokosmilch. Perfekt für die Tapioka mit Kokosmilch und dem Topping aus Banane, Erdnuss und Sesam. Die war gut, aber geschmacklich wäre noch etwas mehr drin gewesen.

Fazit:

Wer in die vietnamesische Küche einsteigen möchte, wird an diesem Buch Freude haben. Es bringt uns nicht nur authentische Familienrezepte, sondern auch einen schönen Einblick in die Familiengeschichte der Autorin und in die tiefere Bedeutung des Essens in Vietnam. Die Rezepte sind größtenteils feierabendtauglich. Vegetarier werden allerdings nicht so sehr fündig.

  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3956142949
  • € 25,00

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