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Kochbuch: Orientalia | Sabrina Ghayour

Sabrina Ghayour ist in Teheran geboren und lebt heute in London. Sie hat ihre Liebe zum Kochen schon ganz früh entdeckt – nämlich, als sie im Alter von sechs Jahren ihr erstes Kochbuch geschenkt bekam. Natürlich hat sie eine Vorliebe für die persische Küche, aber im Grunde experimentiert sie gern mit den verschiedensten nahöstlichen Aromen und Kochstilen – seien es türkische, afghanische, arabische oder armenische Einflüsse. Sie hostete ursprünglich einen Supper-Club von Zuhause aus, aber inzwischen geht das alles viel weiter. Der Supper-Club zieht sein Kreise. Sie gibt außerdem nicht nur Kochkurse, sondern auch  tritt in BBC-Kochshows auf;  auch bei Events von Jamie Oliver hat sie ihren Platz. Mit der Berühmtheit kamen auch Kochbücher. “Orientalia” ist ihr drittes Buch.

Orient zum Anschauen

Ich fange mal von außen an: Ihr seht es ja am Cover-Foto, der erste Anblick entführt einen schon gleich in den Orient. Innen erwartet uns ein aufgeräumtes, freundliches Layout. Jedes Rezept hat eine Doppelseite bekommen – auf einer Seite gibt es Zutaten und Arbeitsanweisung, auf der gegenüberliegenden Seite das zugehörige Food-Foto. Bei den Rezepten stehen die Zutaten fett gedruckt in einer Spalte, die Arbeitsanweisung daneben. Das ist schön übersichtlich. Ich mag auch die Fotos – sie konzentrieren sich auf das Essen, schön in Szene gesetzt, aber nicht so, dass man die Gerichte zwischen den Requisiten  suchen müsste.

Das Leben ist ein Fest

Jetzt aber zu den inneren Werten: Sabrina Ghayour ist in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Festlichkeiten, zu denen ausgiebig getafelt wurde, eine große Rolle spielten. Und so liest sich das Inhaltsverzeichnis auch festlich – es gibt Rezepte für das Frühstück, den Wochend-Schmaus und Ideen für schnelle Festessen. Festessen für Vegetarier finden wir, Sommerfeste, leichte Festessen, Essen für besondere Anlässe und Comfort Food.

Die Rezepte sind reizvoll: das geht von einer Frittata mit Cheddar und Feta über Hähnchen-Shawarmas und orientalische Garnelen-Pasta bis hin zu Polentastäbchen, Auberginen mit geröstetem Sesam und Frühlingszwiebeln, einem Granatapfel-Rosenwasser-Dessert und Lammeintopf mit Pflaumen und Salzzitronen. Es ist tatsächlich für jeden Anlass und für jeden Gusto etwas dabei. Auch Vegetarier werden fündig, und zwar nicht nur in dem rein vegetarischen Kapitel.

Rezepte zum Schwelgen mit kleinen Tücken

Persische Rezepte in Reinkultur findet man hier nicht, dafür aber gut umzusetzende Ideen für jeden Tag und jeden Anlass, die alle einen gewissen Twist haben. Die Rezepte sind gut erklärt und alltagstauglich, oft gibt es auch zusätzliche Küchentipps. Außerdem gibt es verschiedene Menüvorschläge: einmal zu Beginn der einzelnen Kapitel mit Rezepten aus dem entsprechenden Teil und dann noch einmal am Ende des Buches; dort werden Menüs mit Gerichten aus verschiedenen Kapiteln vorgeschlagen. Und schließlich findet man in dem nach  Zutaten geordneten Register, was man sucht.

Ein paar Schönheitsfehler gibt es aber doch, finde ich: da wären zum einen die Mengenangaben. Da muss man sich bei Portionsgrößen und Zutatenmengen öfter mal auf sein Gefühl verlassen. Was mich immer wieder verwundert hat, ist die Menge an Salzzitronen, die verwendet wird – so finde ich 8 Salzzitronen auf 800 g Fleisch, 6 davon für 2 Köpfe gebratenen Blumenkohl oder 4 auf 500 g Räucherlachs durchaus …. sagen wir mal….sportlich. Vielleicht ist das Ganze auch ein Zutatenproblem; das ist nämlich mein zweiter Kritikpunkt. Wir sprechen von orientalischer Küche, das man da nicht ohne gewisse Kräuter und Gewürze auskommt, ist ja klar. Dennoch hätte in Glossar und vielleicht ein Hinweis auf Bezugsquellen dem Buch gut zu Gesicht gestanden, denn Zutaten wie Rosen-Harissa, die dauernd verwendet wird, wilder Thymian oder griechisches Basilikum sind für manchen vielleicht doch erklärungsbedürftig.

Schon mal ausprobiert

Zum Start habe ich mir 2 Gerichte aus unterschiedlichen Kapiteln herausgesucht, die aber gut zueinander passen: die in Joghurt, Harissa und Koriandergrün marinierte und dann gebratene Hähnchenbrust kommt aus der Sparte “leichte Festessen” und die gerösteten Safrankartoffeln für besondere Anlässe passen hervorragend dazu.

Ofengemüse kann ich eigentlich immer essen. Gerne werden hier auch Reste aus der Abokiste im Ofen gegart, wenn es an anderen Ideen fehlt. Das hier ist die Luxusversion: zu vorgegarten Kartoffeln, Paprikaschoten und roten Zwiebeln gesellen sich noch Bratwürste. Serviert wird alles mit Joghurt und Chilisauce – wir haben sonst nichts dazu gebraucht.

Diese kleinen Quiches bergen in ihrer Hülle aus Filoteig vorgegarten Blumenkohl, Thymian, Sahne und Feta. Sie sind rasch gemacht, hübsch anzusehen und schmecken toll; Blumenkohl und Käse, das ist ja eine sichere Bank. Das Rezept verwendet einen ganzen Blumenkohl – bei mir war das viel zu viel für die 12 Muffin-Förmchen.

In meiner Abokiste sind regelmäßig Karotten; also – immer. Nicht immer bekomme ich die auch verarbeitet und freue mich also über neue Ideen. Dieser Dipp hier aus Karotten und Walnüssen, gewürzt mit Ingwer, Koriandergrün und Orange, ist so eine Idee. Das Ganze geht nicht nur als Dipp, sondern macht sich auch gut als Brotaufstrich, finde ich.

Pastizi sind kleine mit Erbsen gefüllte Blätterteigtaschen. Die Füllung wird mit Curry gewürzt; das hat uns geschmeckt. Sabrina Ghayour verwendet Erbsen aus der Dose – Kapuzinererbsen sollen es sein. Da wäre es nähere Erklärung nett gewesen; ich habe statt dessen eben Tiefkühlerbsen verarbeitet.

Fazit: 

Das ist ein sehr charmantes Kochbuch; Sabrina Ghayours Begeisterung für Kochen und Essen spricht aus jeder Seite.  Die Rezepte orientieren sich an der persischen Küche, haben immer einen netten Twist und sind alltagstauglich. Auch Vegetarier werden problemlos fündig. Bei der verwendeten Zugaben und den Mengenangaben muss man etwas Phantasie und Eigeninitiative mitbringen.

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Hölker Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3881171731
  • 26,95

7 Kommentare

  1. Orientalisch kommt bei mir immer gut an, und deine Vorstellung, wie immer hervorragend, führt mich in Versuchung. Muß ich halt wieder mal was aussortieren.

    1. Tschuldigung…ich fürchte aber, ich habe noch ein paar in der Pipeline…
      Wobei, Kaukasis ist doch wirklich ein Schätzchen, oder?

  2. Liebe Susanne,
    köstliches gemacht aus diesem Buch und das macht sehr neugierig. Ich habe ja Persiana von Sabrina Ghayour und jetzt überlege ich was gibt es hier vieles neues. Aber was mich ganz neugierig gemacht hat ist “Rosenblüten-Harissa” na das werde ich gleich mal nachmachen :). Dir liebe Grüße
    Ingrid

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