Ein Messebesuch – und steirisches Chili

Vergangene Woche war es einmal mehr so weit: Messezeit in München. Parallel zur riesigen Heim- und Handwerk fand die sehr viel kleinere, übersichtlichere  – und für mich sehr viel interessantere – Food and Life statt*.

Bei der Food and Life geht es ums Genießen – zahlreiche Produzenten und Manufakturen aus vielen europäischen Ländern stellen ihre Produkte vor. Man schlendert zwischen den Ständen lang, probiert hier etwas, fragt dort nach. Natürlich kann man auch einkaufen – und die Konditionen sind größtenteils verlockend günstig. Am Ende der Besuche war mein Rucksack voll und mein Geldbeutel leer.

Das Aussteller-Programm ist breit gefächert: Gewürze und Kräuter, Essig und Öl, Fleisch, Fisch, Wurst und Käse, Brot und süßes Gebäck, Feinkost, Tee und Kaffee, alkoholische Getränke von Wein über Bier bis hin zu Gin und Whiskey, aber auch Reformprodukte und Veganes. Es gab viel zu sehen, zu schmecken und zu fragen.

Natürlich gibt es die Stände der großen bekannten Hersteller – die Gewürzstände von Herrmann bescherten mir ein Déjà Vu mit dem Tollwood-Festival oder der Auer Dult, so sehr gleichen sich Aufmachung und Optik der Stände, denen man nirgendwo so richtig entkommt. Auch bekannte Größen wie Nordsee, die Molkerei Berchtesgadener Land, die Molkerei Andechser Natur oder die Hofpfisterei sind natürlich vor Ort.

Viel interessanter – jedenfalls für mich – sind die vielen kleinen Aussteller, die man nicht bei jeder Gelegenheit trifft. Ich kann hier nicht alle Stände aufzählen, die ich besucht habe, es sind einfach zu viele wunderbare Dinge zu finden: der Käsehimmel zum Beispiel. Leider verkauft die Firma nur auf Messen. Ich werde wohl bis nächstes Jahr warten müssen, bis wieder etwas von der Schwarzen Perle in meinen Kühlschrank wandert – ein lange gereifter Käse, der aber cremig ist. Oder die schönen Öle von Schätzl – das Mohnöl musste mit. Froh war ich auch, wundervolle Nüsse und naturbelassene Trockenfrüchte zu finden. Ich höre mal auf, meine Einkäufe aufzuzählen, irgendwann soll der Artikel ja auch ein Ende nehmen. Bloß den Schoko-Chili-Senf von Weber, der uns in nächster Zeit so manche Soße verfeinern wird, den kann ich nicht unerwähnt lassen.

Besonders gut gefallen hat mir der Slow Food Markt. Ganz im Sinn der Organisation gab es dort viele hochwertige Waren aus traditioneller Herstellung zu entdecken. Die Käferbohnen, die ich unten im Rezept verarbeitet habe, kommen aus dieser Ecke der Messe. Beeindruckt haben mich auch Kammermeiers schärfste Saucen – Frau Kammermeier sammelt heimische Wildfrüchte und kocht daraus Saucen und Dipps, die es in sich haben. Und dass ich mich bei Madavanilla mit Vanille, persischem Safran und anderen wunderbaren Gewürzen eindecken musste, steht ja wohl außer Frage.

Natürlich gab es auch es auch  eine verlockende Menge an interessanten Kochshows und Workshops. Gerne hätte ich welche besucht – leider hat ein fieser Magen-Darm-Virus, der nicht bis zum Ende der Messe warten konnte, meine Familie lahmgelegt; und so wurde daraus leider nichts.  Schade, denn Kochshows mit Otto Koch oder Hans Jörg Bachmeier hätten mich ebenso interessiert wie die kulinarischen Traditionen Bulgariens oder der Vortrag von Slow Food zur Rettung der Münchner Brotzeitsemmel.  Auch die Seminare zu Rohmilchkäse, zu verschiedenen Salzsorten oder zu Räucherfisch habe ich so leider verpassen müssen. Aber nächstes Jahr, bestimmt!

Gegen Mittag wird es immer recht voll in der Halle C3 – denn man nicht nur verkosten, sich informieren und einkaufen, sondern man kann auch essen. Entlang der langen Tafel, die die Halle der Länge nach durchmisst, gibt es jede Menge Leckereien zu probieren, was auch von den Besuchern der Heim und Handwerk gerne genutzt wird.

Die Bilder geben Euch einen Einblick. Sie wurden freundlicherweise vom Messebetreiber GHM  zur Verfügung gestellt.

Das Tolle an solchen Messen ist, dass man auch über das über eine oder andere Produkt stolpert, dass man sonst nicht ohne weiteres findet. Käferbohnen zum Beispiel. Zuletzt habe ich die gekauft auf dem wunderbaren Naschmarkt in Wien; das ist einige Jährchen her und war auf unserer Hochzeitsreise. Seither wollte ich immer wieder mal gerne welche haben, aber wenn ich etwas fand, dann höchstens Dosenware. Die getrockneten Bohnen habe ich also mit Wonne eingepackt.

Stellt sich nur noch die Frage – was tun damit. Beim Googlen stieß ich auf steirisches Chili – das ist doch mal was 🙂 Die Rezepte habe ich links liegen gelassen – hier ist meine Variante. Ich habe die Kidneybohnen durch Käferbohnen ersetzt, Kürbis als Gemüse verwendet und dem Chili ein Topping aus gerösteten Kürbiskernen verpasst.

steirisches chili

Für 4 Hungrige:

  • 250 gr. Käferbohnen
  • 1 kleiner Hokkaido-Kürbis (ca. 500 gr. Fruchtfleisch)
  • 500 gr. Rindfleisch (Schulter ist gut)
  • 1 große Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 EL Tomatenmark
  • je nach Konstitution und Schärfe 2-3 rote getrocknete Chilies
  • Olivenöl zum Anbraten
  • 400 gr. Tomaten (Dose)
  • 1 TL Rohrohrzucker
  • 500 ml Rinderbrühe
  • Salz, Pfeffer
  • 100 gr. saure Sahne
  • 50 gr. Kürbiskerne

Am Vorabend die Käferbohnen einweichen; das dauert etwa 12 Stunden.

Das Fleisch würfeln; Zwiebel und Knoblauch abziehen und fein hacken.

Etwas Olivenöl in einem großen Bräter erhitzen. Das Fleisch darin rundherum anbraten, bis es appetitlich gebräunt ist, dann Zwiebeln und Knoblauch zugeben und weiterbraten, bis sie glasig sind. Tomatenmark einrühren und kurz mitrösten. Dann Chilies zerbröseln und dazugeben, Tomaten, Zucker, Kreuzkümmel und Rinderbrühe zugeben, aufkochen, Käferbohnen abgießen, zugeben und alles ca 45 min kochen lassen. Ab und zu umrühren und nötigenfalls etwas Wasser angießen.

Inzwischen den Kürbis schälen (nicht nötig, mir aber lieber) entkernen, und in mundgerechte Würfel schneiden. Zum Chili geben und weitere 45 min köcheln lassen.

Nach Ende der Kochzeit das Chili mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken.

Für das Topping die Kürbiskerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten, dann grob hacken.

Zum Anrichten das Chili auf Teller geben, einen Klecks Sauerrahm darauf geben und mit den gerösteten Kürbiskernen bestreuen.

* Ich habe vom Messebetreiber GHM freundlicherweise ein Dauerticket zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen herzlichen Dank! Der Artikel ist natürlich trotzdem ohne Einfluß von außen entstanden und spiegelt meine Meinung wider.