Kochbuch: Kohlrouladen und Krautwickel | Petra Kolip

Krautwickel – das war früher zuhause der Klassiker: Weißkohlrouladen, gefüllt mit einer Hackfleischmasse. Das war’s. Aber das Thema Krautwickel ist ja viel, viel variantenreicher – sowohl, was die Hülle angeht als auch bezüglich der Füllung. Und genau damit befasst sich dieses Buch.

Geschrieben hat das Buch Petra Kolip.  Sie ist Professorin für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Bielefeld. Schon als Kind schon liebte sie Kohlrouladen – und in diesem Buch hat sie ihre Liebe so richtig ausgelebt.

Ich fange ja immer gerne von außen an: vor mir liegt ein sehr hübsch gestaltetes Hardcover. Besonders ins Auge sticht mir die Farbgestaltung – die ist einfach toll. Es sind immer wieder Seiten in kräftigen, aber ruhigen Grün-, Rot- und Gelbtönen hinterlegt und diese Farben wiederholen sich auch in den Überschriften. Die Textseiten sind auch oft mit  farbigen Grafiken hinterlegt, die Kohlköpfe darstellen. Genauso schön anzusehen sind auch die Fotos – großformatig, ein wenig moody, und schön auf’s Essen fokussiert.

Jetzt aber ran an die Krautwickel – davon gibt es nämlich richtig viele. Thematisch geordnet sind die Rezepte nach Kohlrouladen mit Fleisch, solchen mit Fisch und Meeresfrüchten, vegetarischen Kohlrouladen und Rouladen mit einer Hülle aus Mangold, Salat und Ähnlichem. Ich habe da noch so ein paar Zettel kleben – die Wirsingrouladen mit Hackfleisch und getrockneten Tomaten müssen hier noch auf den Tisch, genau wie die Tomatensauce gegarten Zuger Kohlwickel, die japanischen Kohlrouladen,  die Fischröllchen mit Curry und Zitronengras oder die Maschi kromb, ägyptische Weißkohlröllchen mit Bulgur und vielen Kräutern. Wer einen Blick auf einige Rezepte riskieren will: Petra Kolip hat sogar eine Website zum Thema Kohlrouladen eingerichtet.

Es ist ja nun so, dass man für Kohlrouladen in aller Regel keinen ganzen Kohlkopf braucht – man hat also Reste. Auch das wurde berücksichtigt; es gibt ein ganzes Kapitel zu diesem Thema: Chips aus Kohl, Tartes, Eintöpfe, man wird gut fündig.

Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut: auf der Seite findet man die farblich abgesetzte Zutatenliste, daneben die durchnummerierte Arbeitsanleitung. Zubereitungs- und Ruhezeiten sind auch immer angegeben. Oft gibt es auch zusätzliche Küchentipps.

Und bevor es an die Rezepte geht, finden einige sehr ausführliche einleitende Kapitel: es gibt Wissenwertes über Kohl – wusstet Ihr zum Beispiel, dass die Pflanze aus dem Mittelmeerraum stammt? Außerdem werden die verschiedenen Sorten portraitiert. Und damit Kohlroulade und Krautwickel auch wirklich gelingen, gibt es ein sehr ausführliches Kapitel darüber, was man bei der Zubereitung unbedingt beachten sollte. Der Anhang punktet mit Informationen zu Saatgut, Veranstaltungen und Museen rund um den Kohl – und mit einem Register, in dem man findet, was man sucht.

Sarma wollte ich schon lange machen, aber wie das so ist – immer ist irgendwas. Als Hülle verwendet werden Blätter von sauer eingelegten ganzen Kohlköpfen; zu kaufen gibt es den Kohl in türkischen und osteuropäischen Lebensmittelgeschäften. Hier werden sie gefüllt mit einer Mischung aus Hackfleisch, Speck, Brötchen und Reis und dann in Tomatensauce gegart. Die säuerliche Hülle in Kombination mit der herzhaften Füllung und der Tomatensauce ist toll; allerdings werde ich die Sarma beim nächsten Mal länger garen; die Hülle war noch sehr fest.

Ich gestehe, Wirsing ist eine meiner liebsten Hüllen für Krautwickel – da lassen sich die Blätter so schön vom Kopf trennen – und ich mag den Geschmack und die Farbe. Hier bekommt der Wirsing eine Fülle aus Basmati, roter Bete und Feta – das ist unbedingt wiederholenswert.

Vom Wirsing blieb eine Menge übrig – und der Rest landete in dieser feinen Quiche. Der Boden besteht aus einem Hefeteig mit einem kleinen Anteil Polenta und Joghurt; und der Belag bekommt einen Guss aus Schmand, Milch und Eiern.

Die Spitzkohlroulade Finkenwerder Art ist gefüllt mit Scholle, Krabben und Speck – eine tolle Abwandlung des Klassikers, und die zarten Spitzkohlblätter passen super dazu.

Fazit:

Wer bisher der Meinung war, dass Kohlrouladen lediglich ein deftiges Winteressen sind, der wird hier eines Besseren belehrt. Petra Kolip präsentiert eine Auswahl an Krautwickeln, wie sie vielfältiger nicht sein könnte. Die Rezepte sind gelingsicher, die Zutaten problemlos zu beschaffen. Toll finde ich auch den ausführlichen Grundlagenteil und das Kapitel mit der Resteverwertung.

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Hädecke Verlag 
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3775007788
  • 28,00

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