
Viele – und ich zähle mich durchaus dazu – kennen die spanische Küche nur aus den Restaurants der vom Tourismus geprägten Küstenregionen. Paella, Tortilla und die zahlreichen Varianten an Tapas und Pinchos stehen stellvertretend für eine mediterrane Küche, die nicht ganz die Raffinesse der französischen und die Beliebtheit der italienischen erreichte, was auch historisch zu erklären ist, vor allem durch die dominante Rolle der katholischen Kirche. Aber das ist ein anderes Thema.
Land und Meer bieten Köstlichkeiten jeglicher Art, aber man sollte nie vergessen, mit wieviel Mühsal diese gewonnen wurden. Entsprechend ist die traditionelle spanische Küche eher von der Armut der Bauern und Fischer bestimmt, eher von Gemüse wie Kartoffeln, Reis und Kichererbsen als von teurem Schinken oder seltenen Meeresfrüchten.
Die australische Köchin Emma Warren lernte Spanien und seine Küche kennen, indem sie auf Bio-Bauernhöfen arbeitete und anschließend ihre Kochausbildung in Barcelona vervollständigte. Ihr Buch hat sie sinnvoll nach naheliegenden Themenbereichen gegliedert. Los geht es mit Tapas wie eingelegte Sardellen, Makrelen in Escabeche und Patatas Bravas.
Es folgen typische Sommergerichte wie gefülltes Gemüse, diverse Paella-Varianten, aber auch Erdbeeren mit Pfeffer und Balsamessig. Dann wendet sich die Autorin einfachen Mahlzeiten für jeden Tag zu. Die Gemüsesuppe und die Pilztortilla zählen dazu, den Entenbraten finde ich hier eher fehl am Platz. Kapitel mit Salaten, sonntäglichen Gerichten und Rezepten für den Winter folgen, bevor Süßigkeiten den Schluss bilden.
Mir hat die Auswahl der Speisen ausgesprochen gut gefallen. Da ich inzwischen meine Abneigung gegen Fisch abgelegt habe, bin ich hier voll auf meine Kosten gekommen und habe viele Anregungen aufgenommen.
Zum Layout kann ich nicht allzuviel sagen, da mir der Verlag nur eine PDF-Datei zur Verfügung gestellt hat. Die Gestaltung macht einen guten Eindruck, vor allem die stimmungsvollen Fotos animieren zum sofortigen Nachkochen.
Die Rezepte sind meist leicht zu realisieren, allerdings mitunter zeitaufwendig. Ich habe deshalb das ein oder andere Mal Abkürzungen gewählt.
Ausprobierte Rezepte:

Tumbet de verduras – Gemüse aus dem Tonbräter:
Dieses Gericht musste unbedingt nachgekocht werden, schon allein, weil ich aus einem Urlaub eine dieser wunderschönen Tonschalen mitgebracht habe. Zunächst werden Kartoffeln, Zucchini und Auberginen in der Pfanne angebraten, dann auf Tomatensauce im Tonbräter übereinander geschichtet und schließlich im Ofen gebacken. Sehr fein.

Acelgas con garbanzos – Kichererbsen und Mangold
Dieses Gericht steht für eine unkomplizierte Alltagsküche. Schnell gemacht und sättigend, sollte man es dennoch nicht geringschätzen. Knoblauch, Fenchelsamen, Zimt und Piment sorgen für das gewisse Etwas.

Empanadas – Teigtaschen
Hier werden zwei Varianten angeboten. Eine mit einer Füllung aus Lammfleisch, Wurst, Speck und Erbsen. Ich habe mich jedoch für die mit Gemüsefüllung entschieden, die aus Mangold, Blumenkohl und Artischockenherzen besteht. Das Ergebnis ist köstlich.

Suquet de pescado – Katalanischer Fischeintopf
Für mich war dieses Rezept das absolute Highlight im Buch. Kartoffelstücke werden erst in Tomatensauce gegart, die mit Fischbrühe, Sherry und Brandy angereichert wird. Dann müssen Fisch und Meeresfrüchte nur kurz im Sud ziehen, bis sie gar sind.

Tarta de queso – Käsekuchen
Gewiss, dieser einfache Käsekuchen kann es nicht ganz mit dem berühmten baskischen aus San Sebastian aufnehmen. Da er ohne Teig auskommt, braucht er nicht viel Zeit. Eier, Ricotta, Sahne, Zucker und noch etwas Zitronenabrieb – mehr braucht es nicht. Uns hat er gut geschmeckt.
Fazit:
Wer sich für die spanische Küche interessiert, aber mehr sucht als die bekannten Speisen aus den Touristenhochburgen, wird hier fündig. Deshalb eine eindeutige Empfehlung.
- Verlag: ars vivendi
- Sprache: Deutsch
- Gebundenes Buch, 271 Seiten
- ISBN 978-3-7472-0702-4
- € 32,00
