Steirisches Wurzelfleisch

Die kulinarische Weltreise macht diesen Monat einen Sonderstopp – es geht um Urlaubserinnerungen.

Für dieses Jahr bin ich da ja raus; da sind wir nicht in den Urlaub gefahren. Schuld bin ich selbst; ich habe darauf bestanden, dass wir renovieren, anstatt wegzufahren. Das war nicht ganz so erholsam, aber dafür haben wir es jetzt wieder schön ;-).

Kulinarische Urlaubserinnerungen habe ich natürlich trotzdem genug. Und diesmal buddle ich ganz tief in der Vergangenheit. Urlaub war in meiner Kindheit eine Sache mit festgelegten Ritualen: im Winter zum Skifahren nach Südtirol, im Sommer zum Bergwandern nach Tirol. Immer der gleiche Ort, immer die gleiche Pension, immer die gleichen Menschen. Ich hatte davon irgendwann sehr die Nase voll und wäre zu gerne endlich mal ans Meer gefahren.

Irgendwann mal gab es dann doch Abwechslung. Immer noch Österreich, immer noch Bergwandern, aber diesmal in Altaussee. Dort hat es mir gefallen – immerhin gut genug, dass ich später auch mal alleine hingefahren bin und die damalige Winterlandschaft zum Wandern genutzt habe.

Ich bin damit nicht alleine – der Ort ist sehr beliebt; Tourismus hat da eine lange Geschichte.  Im klaren, kalten Wasser des Sees kann man gut schwimmen, die Wanderrouten sind reizvoll. Was mir abgesehen davon besonders gut gefallen hat, ist, dass der Ort eine lange Geschichte hat, was Kulturschaffende angeht. Schon Arthur Schnitzler verlebte seine Sommerfrische in Altaussee, Jakob Wassermann war so begeistert, dass er seinen Wohnsitz dorthin verlegte. Diese Tradition wird im Literaturmuseum aufrecht erhalten und auch einen Wanderweg, der den Spuren der Literaten folgt, gibt es.  Klaus Maria Brandauer übrigens lebt dort und auch Barbara Frischmuth.

Ach so, das Essen. Darum sollte es ja gehen. Ich hatte das in guter Erinnerung, egal ob es ein Fischessen mit tagesfrischem Fisch war einfach gut gemachte Hausmannskost. Was sich mir seinerzeit ins Gedächtnis gebrannt hat, war das steirische Wurzelfleisch. Ich habe tatsächlich nur einmal gegessen und noch nie gekocht, wollte aber immer mal. Und deshalb gibt es das jetzt.

Steirisches Wurzelfleisch ist im Grunde ein Eintopf: Schweinefleisch wird gegart, später gesellt sich feingeschnittenes Wurzelgemüse dazu. Wichtig ist, dass das Ganze mit Essig abgeschmeckt wird. Und beim Servieren reibt man ordentlich frischen Meerrettich darüber – das ist der letzte Schliff. Das Ganze hat etwas Ähnlichkeit mit Tafelspitz oder Krenfleisch, aber es wird eben Schwein verwendet.

Ich habe ein wenig herumgesucht und dabei ein Rezept gefunden, das Schweinebauch verwendet. Die Autoren sagen, dass das die klassische Version ist. Heutzutage nimmt man meist magereres Fleisch wie die Schulter, aber mir hat der Schweinebauch gut gefallen. Das Fleisch wird aufgrund des Fettanteils schön zart und auch die Schwarte ist nach der Garzeit weich. Und aromatisch ist der Bauch ja sowieso nicht zu übertreffen.

Für 8 Portionen:

  • 1,6 kg Schweinebauch, mit Schwarte, ohne Knochen
  • 1,2 kg Wurzelgemüse wie Sellerie, Petersilienwurzel, Karotte
  • 1 Zwiebel
  • 4 Zehen Knoblauch
  • 3 Lorbeerblätter
  • 4 Wacholderbeeren
  • 16 Körner schwarzer Pfeffer
  • Salz
  • 3-5 EL Weißweinessig
  • 1 kg Kartoffeln (ich hatte vorwiegend festkochende)
  • 1 Meerrettichwurzel
  • frisch gehackte Petersilie

Das Fleisch mit der Schwarte nach oben in eine ausreichend großen Topf geben und so viel Wasser angießen, dass Fleisch und Schwarte gerade bedeckt sind. Zwiebel ungeschält halbieren, Knoblauchzehen andrücken. Beides zusammen mit Lorbeer, Wacholder und Pfeffer zum Fleisch geben.

Salzen, alles zum Kochen bringen und bei milder Hitze 1 3/4 h köcheln lassen.

Ca. 45 min vor Ende der Garzeit die Kartoffeln schälen, in mundgerechte Stücke schneiden und in Salzwasser und etwas Kochflüssigkeit des Fleisches garkochen.

Das Wurzelgemüse schälen und in Stifte schneiden. Das Fleisch aus der Brühe holen und die Brühe durch ein Sieb abgießen, um die festen Bestandteile herauszuholen. Fleisch, Brühe und Wurzelgemüse wieder in den Topf geben und alles weitere 15 min köcheln lassen. Das Gemüse darf noch etwas Biss haben.

Das Fleisch aus der Suppe holen, in dicke Scheiben schneiden und wieder in die Suppe geben. Es ist wichtig, dass das Fleisch immer von Flüssigkeit bedeckt ist, damit es nicht austrocknet, deshalb habe ich diese Variante gewählt. Die Suppe mit Salz und Essig abschmecken.

Zum Servieren jeweils eine Scheibe Fleisch in einen tiefen Teller geben. Dann Gemüse und Kartoffeln dazu anrichten, etwas Brühe angießen und alles mit ein wenig Petersilie bestreuen. Meerrettich frisch darüber reiben.


Wie immer reise ich in Begleitung. Schaut, mal welche kulinarischen Erinnerungen die Reisegesellschaft ausgepackt hat:

Küchenlatein: Quinoasalat mit Blaubeeren und Buchweizengrütze

Backmädchen 67: Türkisches Fladenbrot

Coffee2Stay: Red, White and Blue Cookies

Zimtkringel: Zigarrenbörek

Kleines Kuliversum: Pasta mit Zucchini-Pesto und Pistazien

Turbohausfrau: Humitas

The Road most travelled: Urlaubserinnerungen

Brittas Kochbuch: Espinacas con garbanzos und Papas arrugadas

Wallygusto: Kulinarische Rundreise durch Venetien und Südtirol

Fränkische Tapas: Kaninchen Alcazar

Chili und Ciabatta: Ossobucco di vitello

Volker mampft: Mangold-Salsicca-Tagliatelle und Palermo für Foodies

Bambooblog: China: Pilze als Healthfood

Silver Travellers: Rügen kulinarisch

Salzig Süß Lecker: Caprese in carozza

Brotwein: Crème Brûlée

 

Kartoffel-Crêpes mit Spinat und Hüttenkäse

Es ist ja leider oft so, dass traditionell ausgerichtete Kochbücher relativ fleischlastig sind. Das “Original Sacher Kochbuch“* ist da eine angenehme Ausnahme. Man findet bei den Suppen und Vorspeisen viel Fleischloses, und das Kapitel mit den vegetarischen Gerichten ist sehr reizvoll und nicht nur ein Alibi.

Mich haben gleich die Erdäpfel-Crêpes angelacht, die musste ich probieren. Ein bisschen tricksen musste ich auch, denn eigentlich sind sie mit Mangold und Sauerampfer gefüllt, ut Rezept kann man auch einfach nur auf Mangold zurückgreifen. Mangold ist super; in der Abokiste ist so oft Mangold, dass ich manchmal fast schon verzweifelt nach Rezepten suche. Aber diesmal nicht – diesmal gab es Spinat. Gut, dass die Crêpes auch mit Spinatfüllung schmecken….

Für 4 Portionen:

Crêpes:

  • 250 g Kartoffeln, mehlige Sorte
  • 130 g Mehl
  • 125 ml Milch
  • 4 Eier
  • Salz
  • Rapsöl zum Ausbacken

Füllung:

  • 500 g Spinat
  • 2 Schalotten
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 EL Butter, plus etwas zum Überbacken
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • frisch geriebene Muskatnuss
  • 250 g Hüttenkäse

Zum Servieren:

  • Parmesanspäne
  • Thymianblättchen

Zunächst die Kartoffeln in reichlich Salzwasser gar kochen, dann schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken.

Mehl, Milch und Eier in einer Schüssel verquirlen. Die Kartoffeln zugeben, alles gut vermischen und mit Salz würzen. Den Teig ca. 10 min ruhen lassen, dann Öl in einer Pfanne erhitzen und aus dem Teig dünne Pfannkuchen ausbacken. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Den Spinat putzen, waschen und in Salzwasser kurz blanchieren. Abtropfen lassen, alle Flüssigkeit gründlich herauspressen, dann grob hacken.

Schalotten und Knoblauch schälen und fein würfeln und in einer Pfanne in der Butter anbraten. Spinat zugeben und kurz mitbraten. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, in eine Schüssel geben und abkühlen lassen, dann mit dem Hüttenkäse vermischen und nachwürzen.

Ofen auf 200°C Ober- Und Unterhitze vorheizen und ein Blech mit Backpapier auslegen.

Auf jedes Crêpe etwas von der Spinatmischung geben, die Crêpes zu Dreicken falten und auf das Blech legen. Mit Butterflöckchen belegen und im heißen Ofen ca. 5 min überbacken.

Herausnehmen und gleich mit Parmesanspänen und Thymianblättchen bestreut servieren.


Steirischer Wurzelfisch mit Kümmelkartoffeln

Im Original heisst dieses Gericht auch dem Sacher-Kochbuch* “Steirischer Wurzelwaller”, denn es wird Wels verwendet. Ich habe keinen bekommen und bin auf Seehecht ausgewichen. Ich denke, man kann zur Not auch anderen weißfleischigen Fisch verwenden.

Der Fisch wird in einen säuerlichen Sud aus Fischfond, Weisswein und Essig pochiert und ist zart und saftig, der Sud schmeckt herrlich. Das Gemüse gart gleich mit in der Pochierflüssigkeit. Mich hat diese Zubereitung sehr an das Steirische Wurzelfleisch erinnert, dass ich schon seit langer Zeit mal kochen wollte – gut, habe ich eben mit Fisch angefangen, das Fleisch kommt später…

Es gibt Kartoffeln mit Kümmel  dazu; original werden die Kartoffeln nicht geschält. Ich hatte Lagerkartoffeln mit fester Schale; da war Schälen die bessere Wahl.


Für 4 Personen:

Für den Fisch:

  • 1 kleine Zwiebel
  • 100 ml trockener Weißwein
  • 100 ml Weißweinessig
  • 200 ml Fischfond
  • Salz
  • 1 TL Zucker
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 Zweig Thymian
  • 2 Gewürznelken
  • 1 Karotte
  • 100 g Knollensellerie
  • 100 g Lauch
  • 5 weißfleischige Fischfilets zu je 150 g; original Wels, ich hatte Seehecht
  • 1 EL kalte Butter
  • 1/2 Zitrone, der Saft

Zusätzlich:

  • 1 kg Kartoffeln, am besten kleine, dünnschalige
  • 1 EL ganzer Kümmel
  • frisch geriebener Meerrettich

Zwiebel schälen und fein hacken. Wein, Essig und Fischfond erhitzen, Zwiebel, Thymian, Nelken, Lorbeer und Zucker zufügen und alles zugedeckt 10 min simmern lassen.

Karotte und Sellerie schälen, Lauch putzen und waschen und alles in feine Streifen schneiden.

Sud durch ein feines Sieb in einen breiten Topf abgießen, Gemüsestreifen hineingeben und alles erneut aufkochen. Fischfilets zugeben und alles bei schwacher Hitze 10 bis 15 min garziehen lassen.

Kartoffeln waschen, bei Bedarf schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. In Salzwasser zusammen mit dem Kümmel weich garen. Abgießen und kurz ausdampfen lassen.

Fisch aus dem Sud heben und warm halten. Sud aufkochen, die kalte Butter nach und nach einrühren. Sud mit Zitronensaft und Salz abschmecken.

Zum Servieren die Fischfilets auf Tellern anrichten, etwas Sud und Wurzelgemüse dazugeben und Meerrettich darüber reiben. Kartoffeln dazu reichen; wer mag kann sie noch etwas zusätzlichem Kümmel bestreuen.


 

Kochbuch: Das Original Sacher Kochbuch

Eine österreichische Woche hatte ich versprochen – und hier kommt das zweite Buch für diese Woche:

Seit 1876 schon gibt es das Hotel Sacher, und inzwischen ist es sowohl Institution als auch Mythos. Natürlich kann man dort nicht nur stilvoll übernachten, sondern auch sehr gut essen. Es gab schon einige Kochbücher, die sich mit den dort servierten Speisen beschäftigen – und nun war es Zeit für ein neues Buch.

Ich fange mal von außen an – das Buch ist hochwertig aufgemacht, es macht Spaß, darin zu blättern: Fadenbindung, Lesebändchen, ein hübsches Layout in gedeckten Farben; grün zieht sich als Thema durch das Buch.  Es gibt sehr viele Bilder – ich mag die Foodfotos, die sind ganz auf das Essen konzentriert und ohne Schnickschnack. Darüber hinaus gibt es viele atmosphärische Fotos aus dem Hotel. Aufgelockert wird alles zusätzlich durch hübsche, aber unaufdringliche Ziergrafiken.

Jetzt aber zu den inneren Werten, den Rezepten. Die sind geordnet nach der klassischen Speisefolge: Vorspeisen, Suppen, Fleisch, Fisch, Vegetarisches und Desserts. Die Rezepte sind vielfältig und unterschiedlich. Es gibt Klassiker wie Rinderbrühe und klassische Suppeneinladen (Frittaten, Grießnockerl und anderes), Wiener Schnitzel oder Szegediner Gulasch, aber auch Modernes wie Hechtfilet mit Limettenpolenta, Gartenkräutern und Beeren oder Frittierte Weinbergpfirsiche mit Orange-Beeren-Dipp. Manches ist einfach herzustellen, wie die Bärlauchknödel in Gorgonzolasauce oder die Felchen auf Champagnerkraut, für anderes muss man etwas mehr Aufwand betreiben wie für das Rinderfilet “Colbert” mit konfierten Kartoffeln oder den Wiener Fischbeuschel.

Die Rezepte sind klassisch aufgebaut: jedes hat mindestens eine Doppelseite bekommen, wobei auf der einen Seite das Rezept zu finden ist und auf der gegenüberliegende Seite ein ganzseitiges Foto des Gerichts. Die Zutatenlisten sind am Rand zu finden, die Arbeitsanweisung steht daneben. Wenn ein Gericht aus mehreren Komponenten besteht, sind diese in der Zutatenliste deutlich voneinander getrennt. Was ich toll finde ist, dass es immer wieder zusätzliche Küchentipps und kleine Bonusrezepte und -ideen gibt. Abgerundet wird alles durch einen österreichisch-deutschen Küchendolmetscher und ein ausführliches, nach Zutaten und Gerichten geordnetes Register.

Nun beschränkt das Buch sich nicht auf Rezepte  – man findet immer wieder interessante, schön bebilderte  Reportagen; nicht nur über das Hotel, seine Restaurants, seine Gäste und seine Angestellten und  natürlich über Küchenchef und Patissier, sondern auch über die verwendeten Lebensmittel und ihre Hersteller.

Fangen wir doch mit einem Klassiker an – Rouladen. Bestrichen mit Senf, belegt mit rohem Schinken, gefüllt mit Karotte, Petersilie und Ei. Das hat uns gut gefallen – und erst die Sauce…

Für den Fisch im Wurzelsud werden Fischfilets in einem Sud aus Fischfond, Essig und Weißwein zusammen mit Wurzelgemüse pochiert. Serviert wird alles mit Meerrettich Kümmelkartoffeln – toll. Der Sud ist ausgewogen, der Fisch zart. Eigentlich sollte es Wels sein, ich musste leider ausweichen.

Nicht gerade typisch österreichisch sind die Brownies: Erdnuss-Brownies mit einem schönen Anteil an Erdnusscreme und Erdnüssen, dazu eine Mousse aus Banane und Schlagrahm; eine tolle Kombination. Original gehört noch eine mit Sichuan-Pfeffer gewürzte gebackene Banane dazu, sicher toll, für uns als Nachtisch aber etwas zu viel.

Die Stosuppe besteht aus Sauermilch, ersatzweise Dickmilch, Brühe und Sauerrahm. Kümmel spielt eine gewisse Rolle, und ein Topping aus Schwarzbrot-Croutons gibt Konsistenz. Ebenso einfach wie köstlich.

Die vegetarischen Rezepte im Buch sind gut ausgewählt und reizvoll. Ich habe die gefüllten Erdäpfelpfannkuchen ausprobiert: Im Pfannkuchenteig aus Mehl, gegarten Kartoffeln und Ei steckt eine Füllung aus (original) Mangold, Sauerampfer und Hüttenkäse. Ich habe auf Spinat zurückgegriffen.

Fazit:

Das Buch enthält nicht nur Klassiker, sondern auch sehr viele neue Rezepte, und so mancher Klassiker wurde an die sich ändernde Zeit angepasst. Man bekommt einen schönen Einblick in die moderne österreichische Küche. Nicht alle Rezepte sind für jeden Tag geeignet, für manches braucht man etwas mehr Zeit oder aufwändigere Zutaten. Kochanfänger werden sich ein wenig schwer tun mit dem Buch. Was noch erwähnt werden muss, ist, dass auch Vegetarier problemlos fündig werden; vegetarische Gerichte gibt es nicht nur in dem entsprechenden Kapitel, sondern auch bei den Suppen und Vorspeisen. Zusätzlich Freude machen die schönen Einblicke in das Hotelleben des Sacher.

Gefüllter Kohlrabi nach Lisl Wagner-Bacher

Das ist ein Gericht aus der Rubrik “Schnelle Küche” in Lisl Wagner-Bachers Buch*. Der Kohlrabi hat mich sehr angelacht. Und beim Lesen des Rezepts habe ich dann ein bisschen die Stirn gerunzelt – wie, schnelle Küche?

Das Gericht hat schon ein paar Komponenten mehr, so etwas wie “Fünf Zutaten” oder “30 Minuten” kann man getrost vergessen. Es werden Kohlrabis ausgehöhlt, die Zutaten für die Füllung gegart, eine Sauce hergestellt und es gibt noch frittierte Kohlrabistäbchen auf den Teller. Blitzküche ist es nicht.

Aber feine Alltagsküche, wir waren jedenfalls hingerissen. Ich habe für Euch auf die Uhr geschaut –  eine gute Stunde, dann stehen die Kohlrabi auf dem Tisch. Und es lohnt sich.


Für 4 Portionen:

Gefüllter Kohlrabi:

  • 8 sehr kleine Kohlrabi
  • 100 g gewürftelte Karotten
  • 100 g Erbsen
  • 160 g Kochschinken
  • 1 EL Butter
  • etwas Gemüsebrühe zum Aufgießen
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • Butterschmalz zum Anbraten
  • 100 g Ricotta
  • 1 EL geriebener Parmesan
  • Butterflöckchen

Panierte Kohlrabistreifen:

  • 1 kleiner Kohlrabi
  • Salz
  • etwas Mehl
  • 1 Ei
  • Semmelbrösel
  • Öl zum Frittieren

Schinkenfond:

  • 70 g Butter
  • Abschnitte vom Schinken
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 1 Kartoffel, gekocht und zerdrückt
  • Salz

Für die gefüllten Kohlrabi die Kohlrabi schälen und dann aushöhlen. Das Aushöhlen geht mit einem Kugelausstecher am besten, aber ein Kaffeelöffel tut es auch. Das Innere des Kohlrabi in kleine Würfel schneiden.

Ausgehöhlte Kohlrabi, das Innere der Kohlrabi, Kartoffeln und Erbsen jeweils getrennt voneinander in Salzwasser bissfest kochen. Abgießen und beiseite stellen.

Schinken in feine Würfel schneiden, Abschnitte für die Sauce beiseite legen.

Schinkenwürfel in Butterschmalz anrösten. Erbsen, Kohlrabi und Kartoffelwürfel  dazu geben. Butter zugeben, mit ein wenig Brühe aufgießen, kurz köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Kohlrabi jeweils mit etwas Ricotta, dann mit der Kohlrabimasse füllen. Parmesan darüber streuen und Butterflöckchen aufsetzen. In eine Auflaufform geben und den Backofengrill vorheizen.

Für die Sauce 50 g Butter langsam erwärmen, bis sie braun wird; dann hat man Nussbutter.

In der restlichen Butter die Schinkenabschnitte anbraten, mit Gemüsebrühe aufgießen, dann die zerdrückte Kartoffel zugeben und alles erwärmen. Mit dem Stabmixer aufmixen,bis die Sauce bindet, dann mit der Nussbutter verfeinern.

Die gefüllten Kohlrabi im Ofen überbacken, bis die Oberfläche leicht bräunt.

Inzwischen für die Kohlrabistäbchen den Kohlrabi schälen und in sehr feine Stäbchen schneiden. Kurz in Salzwasser blanchieren, dann gut abtropfen lassen und trocken tupfen.

Mehl in eine Schale geben und leicht salzen. Ei in einer zweiten Schale verquirlen und ebenfalls leicht salzen. Semmelbrösel in eine dritte Schale geben.

Zum Panieren die Kohlrabistäbchen erst in Mehl, dann in verquirltem Ei und schließlich in Semmelbröseln wälzen.

Kohlrabistreifen in Öl knusprig braun frittieren und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Sauce nochmals mit dem Stabmixer aufmixen.

Zum Servieren gefüllten Kohlrabi mit etwas Sauce und Kohlrabistäbchen auf Tellern anrichten; restliche Sauce dazu reichen.


Wachauer Weinsuppe mit Chili und Strauben nach Lisl Wagner-Bacher

Das ist einer der Restaurant-Klassiker, den Lisl Wagner-Bacher in ihrem Buch* vorstellt. In der Wachau, in der Lisl Wagner-Bacher zuhause ist, gibt es hervorragende Weißweine; klar dass diese dann nicht nur getrunken, sondern auch zum Kochen benutzt werden.

Hier wandert Weißwein in eine samtige, cremige Suppe, die mit Safran und Chili gewürzt wird. Die Suppe ist recht rasch gemacht; man muss lediglich darauf achten, dass sie bei der Legierung mit Ei nicht mehr kocht. Und es ist ja klar – die Suppe schmeckt so gut wie der Wein, den man für sie verwendet.

Zur Suppe gibt es Strauben, das sind kleine ausgebackene Küchlein oder Stangen aus Brandteig. Klassischerweise sind sie eine Süßspeise, in die Suppe kommt  aber natürlich eine herzhafte Version. Das Rezept läßt die Wahl, ob man die Strauben frittiert oder im Ofen bäckt; ich habe den Ofen gewählt.


Vorspeise für 4 Personen:

Strauben:

  • 250 g Milch
  • 125 g Butter
  • 10 g Zucker
  • Salz, Muskat
  • 190 g Mehl
  • 4 -5 Eier
  • ggf. Öl zum Frittieren

Suppe:

  • 1/2 l Rinderbrühe
  • 1/2 l Weißwein
  • 12 Fäden Safran
  • 3 Eigelb
  • 1/4 l Schlagsahne
  • 1 Chilischote
  • 1 Prise Zimt
  • 1 Prise Zucker
  • Salz, Pfeffer aus Mühle
  • 1 EL eiskalte Butter

Zunächst zu den Strauben: wenn sie im Ofen gebacken werden sollen, den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein bis zwei Bleche mit Backpapier auslegen.

Milch mit Butter, Salz und Muskat aufkochen. Das Mehl in einem Schwung hineinschütten und mit einem Kochlöffel so lange rühren, bis sich ein Kloß bildet und sich am Topfboden eine weiße Schicht bildet.

Teig abkühlen lassen, dann nach und nach die Eier einrühren. Der Teig soll gerade so fest sein, dass es sich gut in einem Spritzbeutel verarbeiten lässt.

Teig in einen Spritzbeutel mit Sterntülle füllen und entweder kleine Röschen oder längliche Formen auf die Bleche dressieren und alles im heißen Ofen 5 bis 7 min goldbraun backen. Oder Teig in erhitztes Öl geben, goldbraun frittieren und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Für die Suppe den Safran mit etwas Salz mörsern.

Rinderbrühe, Wein und Safran aufkochen.

Die Eigelbe mit der Sahne gut verquirlen. Suppe von der Hitze nehmen und die Sahnemischung einrühren.

Die Chilischote halbieren, entkernen und fein hacken. Suppe mit Chili, Salz, Zimt, Zucker und Pfeffer abschmecken.

Die Butter in die Suppe geben und alles mit dem Stabmixer aufmontieren.

Zum Servieren einige Strauben in Teller geben und die Suppe von der Seite vorsichtig angießen.


Kochbuch: Meine österreichische Küche Lisl Wagner-Bacher

So, vorbei ist es mit der ruhigen Zeit. Diese Woche starte ich durch und stelle Euch zwei Bücher vor, die sich mit der österreichischen Küche befassen. Den Anfang macht Lisl Bacher-Wagner:

Lisl Wagner-Bacher wurde in die Gastronomie hineingeboren. Ihre Eltern betrieben eine Backhendlstation und hatten den Gasthof, den sie anfangs nur in der warmen Jahreszeit geöffnet hatten. Später dann wurde das Landhaus Bacher nicht nur als Filmkulisse berühmt. 1979 übernahm Lisl Wagner-Bacher den Betrieb und stellte sich in die Küche. Am Anfang musste sie noch bei ihrer Mutter nach Rezepten nachfragen, aber schon bald war die Küche des Bacher berühmt und es gab viele Auszeichnungen. 2010 hat Lisl Wagner-Bacher das Zepter in der Küche an ihren Schwiegersohn Thomas Dorfer weitergegeben.

Mir ist Lisl Wagner-Bacher gleich beim Lesen ihres Vorwortes richtig sympathisch geworden. Das liegt unter anderem daran, dass sie erzählt, warum sie unbedingt den elterlichen Betrieb übernehmen wollte: ihre Eltern sollten nicht ohne hineinzukönnen vorbeigehen müssen, verpachten kam deshalb nicht in Frage. Und es liegt auch daran, dass sie in der Küche das Feld geräumt hat solange ihr Schwiegersohn, der Küchenchef sie “noch lieb hat”, und natürlich auch an ihrer Sammelleidenschaft für Kochbücher.

So, jetzt aber zum Buch. Das klingt jetzt etwas pathetisch und verfrüht, aber es ist eine Art kulinarisches Vermächtnis. Lisl Wagner-Bacher teilt mit uns nicht nur Gerichte, die im Restaurant seit Jahrzehnten Klassiker sind, sondern auch Mahlzeiten, die sie gerne für ihre Familie kocht.

Es beginnt mit Rezepten, die seit Jahrzehnten die Gäste im Restaurant glücklich machen – so wie das Kaviar-Ei, das als Signature Dish gelten darf, oder die Erdäpfeltascherl mit Zucchini, die Lisl Wagner-Bachers Interpretation der Kärntner Kasnudeln sind.

Ein Kapitel ist schnellen Gerichten gewidmet – wobei schnell nicht anspruchslos meint, sondern einfach, dass Arbeitsgänge wie Saucen ansetzen wegfallen. Es gibt eine knusprige offene Krautlasagne oder Saibling mit einem Püree aus Ofenkartoffeln und dazu Lauch.

Lisl Wagner-Ba ist ja ein Familienmensch. Sie hat fünf Enkel, und nachdem sie sich aus der Restaurantküche zurückgezogen hat, verbringt sie gerne Zeit mit ihren Enkeln und verwöhnt sie auch kulinarisch. Zum Beispiel mit Kalbsgulasch mit Nockerln oder mit Wraps, die asiatisch inspiriert gefüllt werden.

Und es gibt Menüs – für jede Jahreszeit eines. Und ein Kapitel mit Ideen für Familiensessen; wobei da wirklich Essen mit der Großfamilie gemeint ist und nicht einfach ein Abendessen im engen Familienkreis: Spargelessen gibt es da, Rindfleischessen oder Fondue.

Auch Mehlspeisen finden wir, in eigener Interpretation; so wird aus dem Millirahmstrudel ein Auflauf mit Beeren. Und auch über die Landesgrenzen hinaus wird geschaut – so darf zum Beispiel Miso  einen Saibling  mit Chinakohl würzen oder es gibt Lammrücken mit Harissa und Fregola Sarda.

Die Rezepte sind breit gefächert.  Vom Restaurant-Klassiker bis zum österreichischen Familienessen ist alles dabei; und es trägt immer die persönliche Handschrift von Lisl Wagner-Bacher. Im Großen und Ganzen sind die Rezepte gut nachkochbar, wobei es da natürlich sowohl nach Arbeitsaufwand als auch nach Zutaten Abstufungen gibt –  da liegt für die Restaurant-Rezepte die Latte zwangsläufig höher als bei den Gerichten, die für die Enkel gekocht werden. Die Rezepte sind manchmal ein bisschen knapp formuliert – dass man zum Beispiel Gnocchi besser auf einer bemehlten Arbeitsfläche formt, das sollte man wissen, das wird nämlich nicht erwähnt. Bei den Zutaten wird auf Qualität geachtet, gleichzeitig ist aber alles gut beschaffbar.

Abgeschlossen wird der Rezeptteil durch ein Kapitel mit Grundrezepten, ein Österreichisch-Deutsches Glossar und ein alphabetisch geordnetes Rezeptregister. Und zu den meisten Rezepten gibt es auch noch zusätzliche Küchentipps.

Ich habe noch gar nichts zur äußeren Erscheinung gesagt: vor mir liegt ein hochwertig aufgemachtes Hardcover mit Fadenbindung und Lesebändchen und einem hellen rückhaltenden Layout. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto; auch die Fotos sind hell gehalten. Hübsch gestylt ist alles, aber nicht überstylt. Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut: die Zutaten stehen in einer Spalte am Rand, die Arbeitsanleitung daneben. Die Überschriften sind farblich abgehoben.

Ein Rezept aus dem Enkel-Kapitel sind die Gnocchi mit Schinken-Sauce. Das gefällt nicht nur Lisl Wagner-Bachers Enkeln, sondern es kam auch hier gut an. Die Gnocchi sind weich und fluffig und die Sauce aus Kochschinken, Rinderbrühe und Sahne tut ihr Übriges. Das Ganze erinnert etwas an die Schinkennudeln meiner Kindheit – nur besser.

Die Landhaustorte hat mich angelacht. Wie man deutlich sehen kann, ist Kuchen backen nicht meine Paradedisziplin; ich glaube, ich überlasse das beim nächsten Mal einfach meiner Tochter. Also, das ist ein Biskuit mit Kakao und Marzipan, bestrichen mit einer Creme aus Sahne und weißer Schokolade. Sieht bei mir nicht schön aus, was aber im Nu weggefuttert.

Aus der Rubrik “Schnelle Küche” stammt der gefüllte Kohlrabi. Das ist jetzt nicht direkt ein 30-Minuten-Rezept, es hat schon ein paar Komponenten und eine gute Stunde muss man investieren. Aber dafür hat man dann einen schön gefüllten Kohlrabi mit einer feinen Sauce und frittierten Kohlrabistäbchen. Für ein Alltagsessen wirklich schön.

Im Winterteil der Jahreszeitenmenüs gibt es einen Plätzchenteller. Also, es gibt zwei  – einmal klassische Weihnachtsplätzchen und einmal salzige Kekse. Ich bin ja eher Team herzhaft, und so musste ich unbedingt die salzigen “Rumkugeln” ausprobieren: Eine Masse aus Trockenpflaumen und Nüssen, gewälzt in ausgebratenem, zerkleinertem Speck. Sagen wir mal so….Pflaumen im Speckmantel waren gestern….

Die Wachauer Weinsuppe ist ein Restaurant-Klassiker; sie wird mit Weißwein, Rinderbrühe und Sahne gekocht und bekommt ihren Kick durch Safran und Chili. Dazu gibt es Strauben, kleine Küchlein aus Brandteig.

Fazit:

Das Buch präsentiert eine große Spannweite der österreichischen Küche – vom Gulasch bis zur Mehlspeise, von Alltagsessen bis hin zur gehobenen Küche, von schnellen Gerichten bis hin zum Menü ist alles dabei. Die Rezepte greifen auf die klassische österreichische Küche zurück, tragen aber gleichzeitig die ganz persönliche Handschrift von Lisl Wagner-Bacher. Die Es wird auf gut erhältliche  Zutaten zurückgriffen; die Anforderungen an den Koch sind unterschiedlich. Insgesamt sollte man aber etwas Kocherfahrung mitbringen.

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Brandstätter Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3710602559
  • 35,00

Semmelstrudel

semmelstrudel

Bisher sind übrig gebliebene Semmeln hier meist in Semmelknödeln gelandet, hin und wieder auch in einem Semmelschmarrn. Für die Rezension des Strudelbuches* habe ich einen mit Semmeln gefüllten Strudel ausprobiert und als süßes Hauptgericht serviert. Was soll ich sagen – mein Nachwuchs hat jetzt ein neues Lieblingsgericht.

Die Hülle besteht aus einem gezogenen Strudelteig mit Eigelb-Anteil; die Füllung – na, eben aus Semmeln, Zucker, Zimt, geriebenen Mandeln und im Original auch noch aus Rosinen. Mit Rosinen kann ich hier nicht punkten, ich habe sie weggelassen.

Für 2 Strudel:

Teig:

  • 200 g Mehl (Weizen 405)
  • 1 Prise Salz
  • 2 EL Öl
  • 1 Eigelb
  • ca. 80 ml Wasser, lauwarm
  • 70 g geschmolzene Butter zum Bepinseln

Füllung:

  • 6 Semmeln
  • 50 g Butter
  • ca. 200 ml Milch
  • 100 g Zucker
  • Zimt
  • 50 g geriebene Mandeln
  • 50 g Rosinen (wer mag)

Guss:

  • 250 ml Milch
  • 20 g Zucker

Für den Teig ist es wichtig, dass alle Zutaten Zimmertemperatur haben, also rechtzeitig bereit stellen.

Mehl, Salz, Öl, Eidotter und Wasser mischen. Den Teig mindestens 5 min kräftig kneten, er muss weich und elastisch sein. Dann zu einer Kugel formen, mit ein wenig Öl bestreichen, mit Frischhaltefolie abdecken und mindestens 30 min ruhen lassen.

Inzwischen für die Füllung die Semmeln in Würfel schneiden. Butter in einer Pfanne erhitzen und die Semmeln darin anrösten. Dann mit der Milch übergießen, Zucker, Zimt und Mandeln zugeben und alles gut durchmischen. Zum Abkühlen beiseite stellen.

Ofen auf 160°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Zum Teig Ausziehen ein großes Tuch auf die Arbeitsfläche legen und mit Mehl bestreuen. Den Teig erst ganz dünn ausrollen, dann mit den bemehlten Handrücken unter den Teig greifen und den Teig vorsichtig von innen nach außen in alle Richtungen ganz dünn ausziehen. Hier ist ein kleines Video zur Illustration:

Die dicken Teigränder abschneiden und den Teig halbieren. Den Teig mit der zerlassenen Butter bestreichen. Die Füllung auf den beiden Teighälften jeweils in einem schmalen Streifen verteilen, dabei 3 cm Abstand zum Rand lassen. Die Strudel mit Hilfe des Tuches einrollen und die seitlichen Enden nach unten einschlagen.

Eine passende Auflaufform mit Backpapier auslegen. Die Strudel hineinlegen und im heißen Ofen 20 min überbacken.

Milch und Zucker gut verquirlen, die Mischung über die Strudel gießen und alles in weiteren 25 min fertig backen.

Ich habe Apfelkompott dazu serviert; Vanillesauce würde aber auch gut passen.

 

Souffléstrudel mit Zucchini und Käse

zucchini-kaese-strudel

Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass hier in München gestern Abend einiges los war. Das Einkaufszentrum, in dem geschossen wurde, liegt ganz in unserer Nähe. Es war ein glücklicher Zufall, dass ich da gestern Abend nichts zu erledigen hatte. Und ein noch viel glücklicherer Zufall, dass keines von unseren Kindern auf die Idee gekommen war, dort eine Runde bummeln zu gehen. Es ist ein sehr seltsames Gefühl, wenn so etwas Grauenvolles in unmittelbarer Nähe stattfindet. Fast surreal.

Ich habe kurz darüber nachgedacht, ob ich Euch heute überhaupt etwas zu Essen auf den Tisch stellen soll. Ja, soll ich. Ich möchte nämlich mein Leben nicht von Mutlosigkeit oder Angst bestimmen lassen. Was auch los ist in unserer Welt – lasst uns mit etwas Schönem gegensteuern. Und wenn es nur ein Strudel ist.

Also, auf diesen Strudel war ich ziemlich gespannt – Souffléteig als Strudelhülle, ob mir das wohl gelingen würde? Nun, es gelang. Und es schmeckte.

Dieser feine Strudel aus dem “Großen Strudelbuch“* setzt auf eine gut abgeschmeckte Füllung aus Zucchini und Champignons. Eingehüllt wird das Ganze von einem Souffléteig, der ebenfalls mit Parmesan gewürzt ist.

Der Strudel kann als Hauptgericht gegessen werden; in kleineren Portionen ist er aber auch eine schöne Vorspeise. Tomatensoße passt gut dazu, finde ich.

Für den Teig:

  • 30 g Butter
  • 30 g Mehl
  • 250 ml Milch
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • Muskat
  • 60 g Parmesan, frisch gerieben
  • 5 Eier (Größe L)

Für die Füllung:

  • 300 g Zucchini
  • 1/2 TL Salz
  • 150 g Champignons
  • 1 Schalotte
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 30 g Butter
  • 2 EL Thymianblättchen, gehackt
  • 2 EL glatte Petersilie, gehackt
  • 2 Eier (Größe L)
  • 20 g Butter, geschmolzen
  • 50 g Parmesan, frisch gerieben

Zunächst den Teig zubereiten: dafür den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Die Butter in einem Topf schmelzen, das Mehl einrühren, kurz anrösten, dann nach und nach die Milch aufgießen und unter ständigem bei niedriger Hitze 2 min köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen, dann in eine Schüssel umfüllen, den Parmesan einrühren und alles kurz abkühlen lassen.

Die Eier trennen. Eiweiß mit einer Prise Salz zu steifem Schnee schlagen. Die Eigelb nach und nach in die Käsesauce rühren, dann den Eischnee unterheben.

Die Masse mit einer Teigkarte gleichmäßig auf ein mit Backpapier belegtes Backblech streichen. Im heißen Ofen in ca. 20 min goldbraun aubacken.

Dann die gebackene Soufflémasse auf einen Bogen Backpapier stürzen. Das mitgebacken Papier liegt jetzt oben, es wird vorsichtig abgezogen. Die Masse mit Hilfe des darunter liegenden Papiers der Länge nach locker einrollen und so mindestens 20 min auskühlen lassen.

Jetzt zur Fülle: dafür die Zucchini in kleine Würfel schneiden, mit dem Salz vermischen und in einem Sieb etwas Wasser ziehen lassen. Dann mit Küchenpapier die überschüssige Flüssigkeit abtupfen.

Schalotte und Knoblauch schälen und fein hacken. Champignons putzen und ebenfalls fein würfeln.

Butter in einer Pfanne erhitzen und Schalotte, Knoblauch und Pilze darin anbraten, dann die Zucchini zugeben. Mit Thymian würzen und alles 10 min bei ordentlicher Hitze braten. Von der Hitze nehmen und komplett auskühlen lassen.

Die Eier schaumig schlagen, dann mit der Zucchinimasse und der Petersilie vermischen.

Jetzt den ausgekühlten Teig vorsichtig auseinander rollen, die Füllung gleichmäßig darauf verteilen, dann mit Hilfe des Papiers wieder der Länge nach einrollen.

Strudel mit Backpapier auf ein Backblech heben. Mit flüssiger Butter bepinseln und mit Parmesan bestreuen und im heißen Ofen 25-30 min backen.

 

Kochbuch: Das große Strudelbuch * Irmtraud Weishaupt-Orthofer

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Meine Vorliebe für Kochbücher ist ja bekannt. Inzwischen ist das Probekochen für Rezension auch irgendwie Teil des Alltags geworden. Rezepte im Buch und Vorratslage werden abgeglichen, und los geht es. Wenn hier kein Buch liegt und dann auch noch kein Gemüse verarbeitet werden muss, das müßig rumliegt, stehe ich tatsächlich hin und wieder ratlos da mit der ganzen freien Auswahl. Und ich gestehe, manchmal benutze ich die Rezensionen, um etwas dazuzulernen. Diesmal zum Beispiel:

Ich mag ja Strudel gern….habe aber auch eine natürliche Trägheit, die mich bisher daran gehindert hat, mich mit Strudeln näher zu befassen. Teig dünn ausziehen und so…aber jetzt. Da gibt es ja das Strudelbuch, eine Art Best of Strudel der Zeitschrift Kochen & Küche (die man wohl eher in Österreich kennt). Guckt mal:

Das Buch ist ein großformatiges, solide gemachtes Hardcover mit übersichtlichem, bodenständigem Layout. Das Papier ist leicht gemustert und erinnert an Stoff. Von jedem Strudel gibt es ein schön anzusehendes Foto, das ohne viel Drumherum das Essen in den Mittelpunkt stellt. Und die Rezepte sind übersichtlich in Spalten eingeteilt.

Und der Inhalt? Das Ganze beginnt (nach dem Vorwort) mit einem ausführlichen Grundlagenteil. Es werden die verschiedensten Teige vorgestellt: gezogener Strudelteig, Blätterteig, Plunderteig, Germ(Hefe)teig, Mürbteig und einige Varianten. Danach geht es an die Rezepte, unterteilt in pikante und süße Strudel und in andere Rezepte aus Strudelteig. Die Rezeptideen sind vielfaltig: da gibt es Fischfilets im Zucchini-Strudelblatt, Lungenstrudel oder Forellen-Blunzen (Blutwurst)-Strudel im pikanten Teil. Bei den süßen Strudeln darf natürlich der Wiener Apfelstrudel nicht fehlen es gibt aber auch Schusterstrudel mit Nudelfülle, Mini-Milchrahmstrudel oder Pflaumen-Polenta-Strudel. Das letzte Kapitel befasst sich eher mit Kleinteilen: Äpfel im Schlafrock, Spargel im Strudelteig-Stanitzel(Tütchen), Strudelbonbons mit Weintrauben oder Strudelteigkörbchen mit Faschiertem(Hackfleisch).

Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren. Und da gibt es noch ein paar Extras: bei den Grundrezepten gibt es erhellende Step-by-Step-Fotos für die einzelnen Arbeitsschritte. Zusätzlich wartet noch ein QR-Code, der zu einem Video führt, in dem man sich die Zubereitung nochmal genau ansehen kann. Das ist wirklich praktisch. In den Rezepten werden teilweise gekaufte Teige verwendet; die kann man ja durch die Selbstgemachten aus dem Grundrezepte-Teil ersetzen. Ein wenig schade ist, dass da der Hinweis fehlt, wieviel Teig man herstellen muss. Umgekehrt gibt es nämlich Hinweise, durch wieviel gekauften Teig man den selbst Hergestellten ersetzen kann. Eine Übersicht über Mehltypen in Österreich und Deutschland und ein Österreichisch-Deutsches Glossar vervollständigen das Ganze. Ein Register gibt es leider nicht.

zucchini-kaese-strudel

Angefangen habe ich mit mit einem Käsestrudel mit Zucchinifüllung. Die Hülle besteht aus einem Souffléeteig, der mit Parmesan angereichtert wird. In die Füllung kommen Zucchini, Champignons und nochmal Parmesan. Das hat wunderbar geschmeckt. Das Rezept hat gut funktioniert – ich war zufrieden mit dem ersten Strudel.

Vom Rhabarberstrudel gibt es kein  Foto. Das Rezept  hat funktioniert. Eigentlich  wird gekaufter  Teig verwendet; ich habe statt dessen  das Grundrezept für gezogenen  Strudelteig benutzt. Das hat gut geklappt. Leider habe ich mal wieder das Rezept  nicht gut gelesen. Ich habe zu viel  Füllung  in den armen Teig gepackt, weswegen  der Strudel recht malträtiert aus dem Ofen kam. Geschmeckt hat er aber so gut, dass mein Mann alles weggefuttert hatte, als ich mich endlich überwinden  konnte, das Malheur abzulichten.

kartoffel-linsenDer Kartoffel-Linsen-Strudel war richtig klasse – der Teig liess sich gut ausziehen, die Füllung schön herzhaft, der Dipp dazu frisch und aromatisch.

semmelstrudel

Meine Tochter ist ein großer Fan von Kohlehydraten – und jetzt hat sie ein neues Lieblingsgericht: den Semmelstrudel. Strudelteig, gefüllt mit Semmeln, Nüssen und eigentlich auch Rosinen, die ich weggelassen habe. Im Ofen wird das Ganze mit gesüßter Milch überbacken. Der Strudelteig ist mit Eigelb und liess sich gut ausziehen.

Fazit: Wenn man tiefer in die Welt des Strudels einsteigen will, dann ist dieses Buch das geeignete Werkzeug. Es gibt eine große Vielfalt, sowohl an Strudelteigen als auch an den eigentlichen Rezepten. Alles ist gut erklärt und funktioniert. Ich werde nun bestimmt öfter mal strudeln, ich habe meine Trägheit überwunden. Und: normalerweise sage ich dazu nichts, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist beeindruckend. Ihr bekommt für kanpp 15 € ein solide gemachtes, vernünftig ausgestattetes Hardcover.

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Stocker
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3702015978
  • 14,95