Norwegische Hackbällchen mit Rahmkohl

Hackbällchen und Skandinavien, das ist ja ein Klassiker. Und auch Norwegen hat sein Hackbällchen-Gericht. Nevada Berg* erzählt, dass die Bällchen so beliebt sind, dass sie Anwärter für die Wahl zum Nationalgericht waren.

Die Hackbällchen-Rezepte in Skandinavien ähneln sich natürlich, aber Fleischsorten und Würzung sind dann doch unterschiedlich. Hier wird mit Muskatnuss und gemahlenem Ingwer gewürzt; das ist schön. Ungewöhnlich ist die Herstellung der Masse – der Teig wird in der Küchenmaschine bearbeitet, bis er Brät ähnelt. Das macht die Bällchen schön weich. Gebunden werden sie mit Ei und Speisestärke. Saftig sind sie auch; sie werden nur kurz angebraten und dann in der Sauce fertig gegart.

Traditionell serviert werden die Bällchen mit Salzkartoffeln – bei uns gab es Kartoffelpüree – mit Rahmkohl und Preiselbeeren; manchmal auch mit Erbseneintopf.

Norwegische Hackbällchen mit Rahmkohl

Der skandinavische Klassiker in der norwegischen Version

Gericht Hauptgang
Länder & Regionen Norwegen
Keyword Hackbällchen
Portionen 6 Portionen

Zutaten

Hackbällchen:

  • 680 g Hackfleisch; ich hatte gemischtes
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1/2 TL frisch gemahlene Muskatnuss
  • 1/2 TL gemahlener Ingwer
  • 1 kleine rote Zwiebel
  • 3 EL Kartoffelstärke
  • 1 Ei, Größe L
  • 240 ml Milch
  • neutrales Öl zum Braten
  • Preiselbeeren zum Servieren

Sauce:

  • 6 EL Butter
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 80 g Weizenmehl
  • 1 l Fleischbrühe

Rahmkohl:

  • Salz
  • 700 g Kohl; ich hatte Wirsing
  • 60 g Butter
  • 60 g Weizenmehl
  • 500 ml Milch
  • frisch gemahlene Muskatnuss
  • Pfeffer aus der Mühle

Anleitung

  1. Für die Hackbällchen die Zwiebel schälen und fein hacken. 

  2. Das Fleisch in der Küchenmaschine (Flachrührer) mit Salz, Pfeffer, Ingwer und Muskatnuss vermengen. Die Zwiebel zugeben, dann die Kartoffelstärke und schließlich Ei und Milch. Weiterrühren, bis eine glatte Masse entstanden ist.

  3. Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen. Mit einem Löffel Bällchen von der Fleischmasse abstechen und portionsweise von allen Seiten braun anbraten. Beiseite  stellen. 

  4. Für die Sauce die Butter in einem großen Topf schmelzen lassen. Das Mehl einrühren und einige Zeit braten, bis es bräunt. Die Brühe langsam unter Rühren angießen und salzen, die Fleischbällchen zugeben und alles bei milder Hitze 15 min köcheln lassen.

  5. Inzwischen den Kohl putzen und kleinschneiden. In Salzwasser kochen, bis er weich ist. Abgießen.

  6. Butter im selben Topf schmelzen. Mehl einrühren und ca. 2 min mitbraten. Milch unter Rühren angießen, mit Salz und Muskatnuss würzen und köcheln lassen, bis alles eindickt. Den Kohl unterheben, alles mit Salz und Pfeffer abschmecken.

  7. Zum Servieren Fleischbällchen mit Sauce, Kohl und Preiselbeeren auf Tellern anrichten. Bei uns gab es Kartoffelpüree dazu. 

Kochbuch: North Wild Kitchen | Nevada Berg

Auch dieses Buch hier stand ja auch meiner Geschenktipp-Liste für Weihnachten. Und ich spoilere mal – was Länderküche angeht, ist das für mich DAS Kochbuch des Jahres.

Nevada Berg  ist Amerikanerin. Aufgewachsen ist sie in Utah mit verwandtschaftlichen Wurzeln in Colorado und mit dem Gefühl einer gewissen Rastlosigkeit und einer Liebe für die Berge. Der Liebe wegen zog sie mit ihrem norwegischen Mann nach Norwegen  – und dort legte sie ihre Rastlosigkeit ab und wurde richtig heimisch. Sie gründete ihren Blog über die norwegische Küche – und daraus ist nun dieses Buch entstanden.

Ich war sehr neugierig auf dieses Buch. Wir sind einmal durch Norwegen gereist und wir haben dieses Land geliebt – sowohl die spektakuläre Landschaft als auch die entspannten, offenen Menschen. Was uns nicht so angesprochen hat, waren Lebensmittelauswahl und Küche. Wir waren im Mai da und es gab Rüben. Und Kraut. Ok. Und Fisch. Wir waren nicht überzeugt.

Also, schauen wir mal, ob sich das jetzt geändert hat. Ich fange mal von außen an – genau wie die norwegische Landschaft ist das Buch sehr, sehr schön: Mattes, leicht grau getöntes Papier, Fadenheftung, ein ruhiges, übersichtliches Layout und viele schöne, atmosphärische Fotos. Es gibt wunderbare Landschaftsfotos und die Foodfotos sind meist ganzseitig und wunderbar auf das Essen fokussiert.

So, jetzt aber zum Inhalt  – noch was anderes als Kraut und Rüben? Schon mal vorweg – ja. Und wie. Nevada Berg hat ihr Buch in verschiedene Themenkreise unterteilt: da geht es zunächst um Dinge, die man in der Natur sammeln kann. In Norwegen gilt ja das Jedermanns-Recht –  man darf im Freien campen und man darf ernten; für den eigenen Bedarf. Man hat großen Respekt vor der Natur, nimmt nur das, was man gerade braucht und achtet darauf, der Natur nicht zu schaden. Ich bin heute noch beeindruckt davon, wie gut das funktioniert – wenn die Menschen wandern gehen und Picknick machen, nehmen sie ihren Müll ganz selbstverständlich wieder mit nach Hause und entsorgen ihn dort. Vergleicht das mal mit hier. Aber das ist ein anderes Thema. Es geht in diesem Kapitel um Lebensmittel die man sammeln kann, und entsprechend gibt es zum Beispiel Kartoffelsalat mit Sauerampfer oder Porridge mit Fichtenspitzen.

Dann geht es ans Wasser – es gibt ja genügend Gewässer in Norwegen und Fisch ist allgegenwärtig. Wir haben ihn seinerzeit oft sogar geschenkt bekommen – es gibt einfach genug. Der Fisch muss haltbar gemacht werden, und so gibt es Rezepte wie heiß geräucherte Makrele oder Bacalao, aber auch Fischburger oder Ofenlachs mit Gurkensalat.

Was mir wirklich neu war, war die Wertigkeit von Milchprodukten in Norwegen – das entsprechende Kapitel hat mich richtig gepackt; überschrieben ist es mit “Almwirtschaft”. Da gibt es selbstgemachte Butter, auch aus Sauerrahm, Rommegrøt-Eis und selbstgemachten Sauerrahm.

Um landwirtschaftliche Produkte geht es im nächsten Kapitel – es wird viel Obst angebaut, und auch Viehzucht hat Tradition. Entsprechend finden wir Lamm-Kohl-Eintopf ebenso wie Birnenkuchen. Und auch die Jagd hat Tradition in Norwegen; es ist eine Mischung aus dem Bedürfnis, sich selbst zu versorgen und der Freude, an der frischen Luft zu sein. Das Kapitel ist ein wenig schwierig, denn Elch und Co. sind hier ja eher nicht aufzutreiben.

Die Winter sind lang in Norwegen (für mich ein echtes Argument, die Auswanderungspläne dann doch aufzuschieben), da ist eine gut bestückte Vorratskammer Gold wert. Es gibt Kartoffel-Fladenbrot, verschiedenes Pökelfleisch vom Lamm, oder Dinge, die sich aus dem Vorrat herstellen lassen wie einen Erbsensuppen-Wrap.

Das ist ja schon ganz schön lang geworden…es gibt noch Essen,  das man am Lagerfeuer zubereitet  – ja Stockbrot oder über dem Feuer gebrühter Kaffee, aber auch Forelle vom Hozbrett oder Hot Dogs in spannenden Varianten. Und schließlich wird noch gebacken – Waffeln, Lefse, Kartoffelfladenbrot.

So, gut jetzt. Die Rezepte sind ordentlich strukturiert und funktionieren. Manchmal bilden die Zutaten eine Grenze – aber Nevada West erklärt auch, wie man Moltebeeren, Elchfleisch und anderes gut ersetzen kann; dazu gibt es am Anfang des  Buches nützliche Hinweise. Es gibt zu jedem Rezept einige persönlich geschriebene einführende Worte, und auch zu jedem Kapitel gibt es eine kleine Vorrede, in der man Interessantes über Norwegen und seine Esskultur erfährt. Abgerundet wird alles durch ein ausführliches Rezept-Register.

Schon mal ausprobiert:

Brunost – ist nicht jedermanns Sache, ich weiß. Meine aber schon. Ich habe diesem karamellisierten Käse in Norwegen zu essen bekommen und fand ihn toll; konnte ihn aber bislang hier nicht auftreiben. Um so größer war die Freude, ein Rezept zu finden. Brunost ist im Prinzip Resteverwertung aus der Käseherstellung: die anfallende Molke wird so lange eingekocht, bis sie dick und zäh wird und karamellisiert.

Die Hühnersuppe hat uns begeistert: im Grunde ist es eine normale Suppe, gekocht aus Huhn und Suppengemüse; sie ist dann aber sehr mild, weil sie noch mit Sahne verfeinert wird. Und der Knackpunkt sind die Klösschen: schön weich und mit einer ordentlichen Portion Kardamom.

Mit Pfannkuchen kriege ich die Kinder immer. Die norwegische Variante wird mit Backpulver gemacht und erinnert ein wenig an Pancakes. Als Flüssigkeit wird Kefir verwendet; das ist sehr apart.

Wir hatten Brotnotstand; ich hatte vergessen, Sauerteig anzusetzen. Das Mehrkornbrot ist rasch gemacht und mit seinem Anteil an Haferflocken, Gerste und Roggen schön herzhaft.

Fleischbällchen, klar. Aber anders: Das Fleisch wird eher wie Brät gemixt, dadurch werden die Bällchen schön weich. Sie werden angebraten, dann in der Sauce fertig gegart, sind also richtig schön saftig. Dazu gibt es Rahmkohl und Preiselbeeren.

Fazit: Dieses Buch bietet einen tollen Zugang zur norwegischen Küche; mir ist jetzt klargeworden, wie facettenreich sie ist. Auch die Mischung ist spannend – es gibt althergebrachte Klassiker, Rezepte die erst seit neuerer Zeit zur norwegischen Kochkultur gehören und auch Gerichte, bei denen Nevada Berg aus klassischen Zutaten etwas Neues geschaffen hat. Abgerundet wird alles durch schön erzählte Geschichten und eine wunderbare Bildsprache.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Prestel Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3791384177
  • 30,00