Ins neue Jahr mit Nigel Slater – Selleriesuppe mit Speck

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Herzlich willkommen in 2017! Na, seid Ihr alle gut rübergerutscht? Ich hoffe, niemand ist ausgerutscht 😉. Ok, übler Kalauer…

Wie auch immer – Euch allen ein glückliches, gesundes und friedliches 2017. Viel Freude, Tatendrang und Inspiration.

Habt Ihr über die Stränge geschlagen? Ich eigentlich nicht. Ein bisschen spät ist es geworden. Neujahr ist dieses Mal eher ein Tag zum gepflegten Herumdümpeln. An solchen Tagen essen wir gerne Suppe. Suppe wärmt wohlig den Bauch, macht satt, ist aber nicht zu schwer.

Das Rezept für diese Suppe ist aus Nigel Slaters Küchentagebuch*. Nigel startet mit dieser Suppe ins neue Jahr und wir tun es auch. Ich finde es witzig, dass er schreibt, dass es länger gedauert hat, bis Knollensellerie in Großbritannien akzeptiert wurde, denn mir ging es auch so. Dem Sellerie habe ich mich ursprünglich über Suppe angenähert – zu Beginn waren da aber noch viele Kartoffeln drin und Sahne.

Hier gibt es nur Sellerie – schön deftig durch Speck und Senf. Und bauchfüllend cremig ganz ohne Sahne. So gehen wir alle wohlig gestärkt ins Neue Jahr – und Ihr hoffentlich auch!

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Für 3 Personen:

  • 1 Zwiebel
  • 1 Stich Butter
  • 60 g Räucherspeck
  • 400 g Knollensellerie
  • 3 Zweige Thymian
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 2 TL Senf (ich hatte mittelscharfen mit Kräutern)
  • 1 /2 Bund Petersilie
  • Zwiebeln schälen und grob hacken.

Butter in einem großen Topf zerlassen und die Zwiebeln darin goldgelb anschwitzen. Währenddessen den Speck in Würfel schneiden. Zu den Zwiebeln geben und alles unter gelegentlichem Rühren braten, bis die Zwiebeln weich sind.

Nebenbei den Sellerie schälen und grob raffeln. Zu den Zwiebeln geben. Thymianblätter zupfen und ebenfalls zugeben. Brühe und 500 ml Wasser angießen, Deckel auflegen, alles aufkochen und 30 min köcheln lassen, dann den Senf einrühren. Suppe im Mixer oder mit dem Pürierstab pürieren. Alles mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Servieren die Suppe in Schalen schöpfen. Petersilie zupfen, hacken und die Suppe damit dekorieren.

Habt einen guten Start ins Jahr!

 

Zucchini mit Speck-Gremolata

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Das ist ein ganz einfaches Rezept aus Nigel Slaters “Eat“*, das mich nachhaltig beeindruckt hat. In all seiner Einfachheit schmeckt es dennoch grandios.

Nigel Slater teilt ein paar Gedanken mit uns zu diesem Gericht:

Die Semmelbrösel soll man nicht aus den Augen lassen, denn sie verbrennen sehr schnell. Unterschiedliche Sorten Brot benötigen mehr oder weniger Butter – also zusätzliche Butter bereit halten. Wenn die Brösel gebräunt sind, gleich in eine Schüssel umfüllen. Die Pfanne gründlich auswischen, bevor man die Zucchini brät, sonst brennen die restlichen Brösel an.

Variationen gibt es auch: etwas Basilikum verwenden, oder mehr Knoblauch. Vegetarier können den Speck durch Pilze ersetzen.  Oder man macht eine Tomaten-Gremolata, indem man statt der Zucchini halbierte Tomaten kurz anbrät. Ich könnte mir vorstellen, dass ein paar getrocknete Tomaten auch nicht schaden könnten 🙂

Jetzt aber zum Rezept; das reicht für 2 Personen:

  • 6 Scheiben Speck
  • Butter und Öl zum Braten
  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 2 gute Handvoll frische, weiche Semmelbrösel
  • einige Zweige glatte Petersilie
  • abgeriebene Schale einer Zitrone
  • 4 mittlere Zucchini
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle

Den Speck in breite Streifen schneiden. Rosmarinnadeln abzupfen und fein hacken. Knoblauch schälen und fein hacken. Petersilienblättchen abzupfen und ebenfalls fein hacken. Zucchini längs in dicke Scheiben schneiden.

Den Speck in einer Pfanne leicht knusprig braten; wenn nötig Butter zugeben. Rosmarin und Knoblauch zugeben, kurz mitbraten, dann die Semmelbrösel einrühren. Unter Rühren braten, bis sie goldbraun sind und, wenn nötig, Butter zugeben. Gehackte Petersilie und und Zitronenabrieb einrühren, dann alles in eine Schüssel umfüllen und großzügig mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Pfanne auswischen. Zucchini in ein wenig Butter und Öl anbraten. Wenn sie glasig und weich sind, die Bröselmischung darüber streuen, alles vorsichtig erwärmen und servieren.

Lasst es Euch schmecken!

Kochbuch-Rezension: Eat – Das kleine Buch der Fast-Food-Küche * Nigel Slater

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An diesem regnerischen Pfingstsonntag ist doch Lesewetter, nicht wahr? Da lasse ich Euch mal eine Rezension da:

In Ruhe komplexe Gerichte kochen ist toll. Für mich aber nicht unbedingt immer die Realtät. Ich koche täglich für meine Familie, und nicht nur dann, wenn ich grade Zeit und Lust habe. Manchmal ist die Zeit knapp oder es herrscht familiäres Chaos – Essen will man ja aber trotzdem. Da ist es praktisch, wenn man auf einen Fundus an Rezepten zurückgreifen kann, die rasch und einfach zuzubereiten sind. Diesen Fundus liefert uns Nigel Slater.

Beim Auspacken des Buches habe ich mich erst mal gefreut, denn es ist sehr hochwertig aufgemacht: Leineneinband, Fadenheftung, Lesebändchen, mattes Papier, ruhiges Layout. Eine nette Bauchbinde gibt es auch, von der lächelt einen der Autor sympatisch an. Kleinformatig ist das Buch; es hat etwa die Größe eines kleinen Heftes, also DIN A 5. 600 Rezepte passen trotzdem rein, denn das Buch ist dick. Fotos gibt es auch – allerdings längst nicht von jedem Gericht. Die Fotos sind meist klein und neben dem Rezepttitel platziert.

Die Rezepte sind sehr umfangreich – 600 Stück an der Zahl. Unterteilt sind die Rezepte in die Kapitel: “Aus der Hand”, da gibt es Sandwiches und Burger, “In der Schüssel”; dort sind die Suppen vertreten. Anschließend folgen schnelle Gerichte “Aus der Pfanne” und “Vom Grill” in den Kapiteln “Auf dem Herd” und “Aus dem Schmortopf” finden wir Eintöpfe, Schmorgerichte, Risotti und Pastagerichte. “Im Ofen” und “Unter einer Kruste” – das ist selbsterklärend, oder? “Aus dem Wok” ist auch klar. “Auf dem Teller” meint Hauptmahlzeiten, ohne Beilagen auskommen und letzten Kapitel “In Dessertschälchen”, da gibt es Süßes.

Die Rezepte weisen eine große Bandbreite auf: Sandwich mit grünem Spargel, Hähnchen und Avocado, Misosuppe mit Rindfleisch und Grünkohl, Gebackene Rote Bete mit Tomatendinkel, Rübchen mit Pilzen und Orzo, überbackener Lachs mit Gurke, …..ich könnte noch lange weitermachen. Genügend Rezepte sind es ja. Die Rezepte sind ungewöhnlich strukturiert: Auf der jeweils rechten Seite steht ein ausführlicheres Rezept, auf der linken Seite des Buches entweder ein paar Gedanken zum Rezept oder Variationen des Themas: zum Beispiel gibt es eine Hühner-Grünspargel-Nudelsuppe, auf der gegenüberliegenden Seite finden wir dann kurz skizzierte Ideen für Hähnchenflügel-Miso-Bouillon und Grillhähnchen-Miso-Suppe. Alle Rezepte sind sehr knapp verfasst – es gibt eine kurze Liste der Zutaten ohne Mengenangaben; die genauen Mengen finden wir dann fett gedruckt im Rezept.

Die Rezepte sind logisch gegliedert und funktionieren. Das ist aber nicht alles. Immerhin ist das Buch ja von Nigel Slater. Und der kann  – abgesehen vom Kochen – vor allem Eines: Schreiben. Und vom Essen schwärmen. Auch hier macht es wieder riesigen Spaß, im Buch zu schmökern und sich gemeinsam mit Nigel Slater zu begeistern. Eine schöne Lektüre.

Wir haben nicht nur gut gegessen, sondern ich hatte auch eine sehr entspannte Zeit in der Küche:

mangold, kokos, shrimps

Zuerst gab es ein Curry mit Mangold (original: Pak Choi),  Garnelen und Kokosmilch. Nachdem die Paste aus Zitronengras, Kurkuma, Knoblauch, Korianderstängeln und etwas Chili gemixt und der Mangold geschnitten ist, gibt es nicht mehr viel zu tun. Ich konnte entspannt die neuesten Neuigkeiten aus der Schule mit den Kindern diskutieren und danach stand ein würziges, cremiges Curry auf dem Tisch.

zucchini mit Speck-gremolata

Die Zucchini mit Speck-Gremolata haben uns auch gefallen: Speck knusprig braten, Brotbrösel rösten, Knoblauch, Zitronenabrieb und Petersilie dazu, das Ganze über gebratene Zucchini-Scheiben servieren. Einfach und gut.

lammhaxe, wurzelgemüsestampf

Warum sollten geschmorte Lammhaxen unter “Fast Food” fallen? Immerhin brauchen sie ihre Zeit. Aber nachdem das Gemüse angebraten und die Lammhaxen mit in den Bräter gewandert sind schmort das Essen im Ofen allein vor sich hin. Und nach 1 1/2 Stunden muss man nur noch die Sauce abgießen und das Gemüse stampfen und schon hat man einen herzhaften Braten.

hühnchen mit tomatensauce und mozzarella

Vom Hühnchen mit Tomatensauce und Mozzarella gibt es kein Foto im Buch – und nach dem Kochen war mir auch klar, warum 🙂 . Ihr müßt mir jetzt einfach glauben, dass unter dem Mantel von Sauce und dem Mozzarella-Häubchen eine Hühnchenbrust steckt. Für das Gericht wird eine Tomatensauce gekocht, das Hühnchen wird damit bedeckt. Darauf kommt Mozzarella; gegart wird im Ofen – einfach und gut.

apfel-kartoffel-püree, blutwurst, rosenkohl

Das nächste Gericht hat mich ein wenig an das klassische Himmel und Erd erinnert – ein Kartoffel-Apfel-Püree mit gebratener Blutwurst. Nigel Slater nennt das ganze “eine Wolke aus Kartoffeln und Äpfeln”….gut, ganz so wolkig war es bei mir dann doch nicht. Ich musste Rosenkohl dazu haben – das hat gut gepasst. Hier geht es zum Rezept.

backkartoffeln mit käse und blumenkohl

Blumenkohl in Käsesauce – mag ich immer. Kartoffeln auch. Für die Backkartoffeln mit Käse-Blumenkohl werden große Kartoffeln gebacken und ausgehöhlt. Gefüllt werden sie in mit in Milch gegartem Blumenkohl. Darauf kommt ein Häubchen aus dem gegarten Innenleben der Kartoffeln, Blumenkohl-Milch und Parmesan (ok….ich habe Cheddar genommen). Himmlisch!

hühnchen mit lauch und fenchel

Das Hühnchen mit Lauch und Fenchel ist ein klassisches Eintopfgericht: Das Fleisch wird angebraten, dann mit Fenchel, Lauch und Brühe geschmurgelt. Für Aroma sorgen Zitronenabrieb und -saft und sowie gehackte Petersilie. Gut und alltagstauglich.

Vermutlich ist das jetzt überraschend 😉 –  ich finde auch dieses Buch von Nigel Slater wieder toll. Ich mag die Rezepte und ich mag den Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Inzwischen habe ich ein Exemplar einer Freundin geschenkt – und auch die ist glücklich mit dem Buch.

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3832194895
  • 24,99

Kartoffel-Apfel-Püree mit gebratener Blutwurst und ofengeröstetem Rosenkohl

apfel-kartoffel-püree, blutwurst, rosenkohl

Schnell nochmal Rosenkohl, bevor es keinen mehr gibt. Schuld daran ist eine Freundin, die neulich so schwärmte von Rosenkohl, der mit Orangensaft und Honig im Ofen geröstet wird. Gerade, dass ich noch ein Netz der kleinen Röschen auftreiben konnte, um mir eine entsprechende Variante auszudenken.

Wenn Ihr keinen Rosenkohl mehr bekommt, dann merkt Euch das Rezept für die nächste Saison, denn das ganze schmeckt grandios. Ich finde ja sowieso, dass Gemüse unheimlich gewinnt, wenn man es im Ofen röstet. Und hier werden die Röstaromen noch ein wenig gepusht vom Honig, der karamellisiert und von der fruchtigen Orangennote.

Zum Rosenkohl gab es ein einfaches Kartoffel-Apfel-Püree und gebratene Blutwurst nach einer Idee von Nigel Slater*. Der wartet in seinem neuen Buch mit Ideen für die schnelle Küche auf. Und so war das auch – ein entspannt zubereitetes Abendessen, das man auch nach einem hektischen Tag noch wunderbar hinkriegen kann. Das Ganze hat mich etwas an das klassische Himmel un Ääd erinnert. Klickt mal auf den Link – es gibt Wikipedia auf Kölsch 🙂

Ach so…..es gibt natürlich keinen Zwang, unbedingt Blutwurst zu verwenden…ich mag sie halt. Gute Bratwürstchen passen garantiert auch. 😉

Für 2-3 Personen:

Für den Rosenkohl:

  • 500 gr. Rosenkohl
  • Saft und Schale einer kleinen Orange
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 EL flüssiger Honig
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle

Für Püree und Blutwurst:

  • 250 gr. Kartoffeln, eine eher festkochende Sorte
  • 250 gr. säuerliche Äpfel (ich hatte Braeburn)
  • Butter zum Braten und für das Püree
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • ca. 300 gr. Blutwurst

Für den Rosenkohl den Ofen auf 200°C vorheizen. Die Röschen waschen, putzen und längs (also von Stielansatz zu Spitze) halbieren. Röschen in eine Auflaufform geben. Mit Orangensaft und -schale, Olivenöl und Honig gründlich vermengen, salzen und in den heißen Ofen geben. Ca. 30 min backen, dann mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für das Püree die Kartoffeln schälen und würfeln. In wenig Salzwasser gar kochen. Dann das Wasser abgießen und die Kartoffeln mit der Gabel zerdrücken. Dabei Butter einarbeiten – wir wollen eine geschmeidige Masse.

Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Spalten schneiden. In einer Pfanne in etwas Butter  weich dünsten. Wenn sie gar sind, ebenfalls mit einer Gabel zerdrücken. Dann die Äpfel  – wieder mit der Gabel – unter die Kartoffelmasse ziehen und alles mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Von der Blutwurst muss man nur die Haut abziehen, sie in Scheiben schneiden und sie dann  knusprig ausbraten. Nigel Slater empfiehlt, feste Wurst in der Pfanne zu braten und weiche im Ofen. Meine erwies sich beim Braten als weicher als gedacht….ich stand knapp vor einem Gemetzel. Ich denke, es ist keine schlechte Idee, Blutwurst einfach immer im Ofen zu garen – mache ich jedenfalls beim nächsten Mal 🙂

Zum Servieren gegarten Rosenkohl, Püree und Wurst auf warmen Tellern anrichten.

Lasst es Euch schmecken!

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Orangenmarmelade-Eis mit Schokosplittern

eis mit orangenmarmelade

Dieses Eis taucht im Kapitel “Auch die Orangenmarmelade aufbrauchen” auf. Nigel Slaters Kühlschrank quillt über vor offenen Marmeladengläsern – allein drei Gläser Orangenmarmelade sind es.

Nun, ich habe auch ziemlich viel Orangenmarmelade. In der letzten Saison habe ich einen großen Vorrat gekocht. Nicht, dass die Marmelade unbedingt weg müßte, aber die Kombination hat mich gereizt – Marmelade im Eis konnte ich mir nicht so richtig vorstellen. Außerdem schreibt Nigel Slater, dass die Marmelade bewirkt, dass das Eis dauerhaft cremig bleibt. Das mußte ich probieren.

Und es stimmt, ganz ohne “Tricks” wie Glokusesirup oder Invertzucker ist das Eis wunderbar cremig und läßt sich direkt aus der Tiefkühle zu schönen Kugeln formen. Das ist aber gar nicht mal das Wichtigste – das Eis ist auch geschmacklich ein Knaller: süß und bitter wie die Marmelade – und natürlich passen die Schokosplitter hervorragend dazu.

Also los:

  • 500 gr. Sahne
  • 4 Eigelb
  • 2 EL brauner Zucker
  • 400 gr. bittere Orangenmarmelade
  • 100 gr. bittere Schokolade

Die Schokolade grob hacken.

Die Sahne in einem Topf zum Kochen bringen. Eigelb und Zucker in einer hitzebeständigen Schüssel weißschaumig rühren. Dann langsam die heiße Sahne einrühren.

Die Mischung zurück in den Topf geben, dann bei niedriger Temperatur rühren, bis die Mischung andickt. Die Masse unter Rühren abkühlen lassen; das geht am besten, wenn man den Topf in ein Spülbecken mit kaltem Wasser stellt.

Wenn die Eiercreme abgekühlt ist, die Marmelade einrühren. Die Masse in die Eismaschine füllen und nach Herstelleranleitung gefrieren lassen. Nach ca. 2/3 der Gefrierzeit die Schokosplitter zur Eismasse geben und fertig gefrieren lassen.

Rezension: Nigel Slater – Küchentagebuch

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“Obwohl ich nie vergesse, dass es beim Kochen meist darum geht, nach einem Arbeitstag etwas auf den Tisch zu bringen, sehe ich nicht ein, warum das nicht gefeiert werden sollte.”

Als Nigel-Slater-Groupie habe ich mich ja schon hier geoutet. Nachdem mich das Obst- und das Gemüsebuch begeistert haben, war ich natürlich gespannt auf das  neu erschienene Küchentagebuch.

Und da wäre es – hochwertig gestaltet wie seine Vorgänger, beeindruckt es mit einem Leineneinband auf dem vorderen Cover, mattem grauen Papier, auf dem die Augen sich ausruhen können und einem praktischen Lesebändchen. Die Fotos von Jonathan Lovekin sind schlicht und ergreifend schön – unabhängig davon, ob Gerichte abgelichtet werden, Küchenutensilien oder der Blick in den Garten. Wohl sind sie dunkel gehalten, aber ich mag die Atmosphäre, die sie schaffen.

Das Buch ist tatsächlich aufgebaut wie ein Tagebuch; auch wenn es nicht für jeden Tag einen Eintrag gibt. Es gibt eine Einleitung, die durch eine Überschrift ein Motto bekommt. Kostprobe gefällig? Hier sind ein paar Überschriften aus dem Monat Februar. Da gibt es “Der Nachtisch der Verzweifung”, “Der alte Wok”, oder “Zitronen in der Klemme”. Dann erzählt Nigel Slater aus seinem (Küchen)leben, gefolgt von Rezepten, die zum Thema passen. Es gibt nicht für jeden Tag ein Rezept, manchmal lesen wir auch einfach eine Geschichte.

Wie schon bei den Vorgängern gesagt – ich mag es, wie Nigel Slater schreibt. Ich habe ja immer irgendwo mindestens ein Kochbuch liegen, in dem ich schmökere. Meinst bleiben sie in Wohnzimmer oder Küche. Dieses nicht – es ist überall mithin gewandert, auch als Gute-Nacht-Lektüre auf den Nachttisch. Ich habe es gelesen wie einen Roman.

Die Rezepte  – 250 sind es insgesamt – sind aus der unkomplizierten Alltagsküche. Das meiste bringt man auch nach einem langen Tag noch auf den Tisch. Von Suppen über Eintöpfe, von Salaten über Gemüsegerichten, Kurzgebratenes, Fisch, Kuchen, Eis, Pies…es ist alles verteten. Auch die Zutaten sind alltäglich und leicht zu beschaffen. Vieles hat man (oder jedenfalls ich) ohnehin im Vorrat. Ich habe oft das Register bemüht, wenn ich irgendwas übrig hatte – und es gab für jede Zutat ein Gericht, das mir gefallen hat. Richtig, das Register: es ist nach Zutaten und nach Rezeptgruppen geordnet. Man findet also, was man sucht, egal, ob man einen Kohlrabi übrig hat oder ob man einen Eintopf kochen will.

bananenkuchen

Das erste ausprobierte Rezept ist den schwarz gepunkteten Bananen zu verdanken, die in der Obstschale herumlungerten. Ein Blick ins Register förderte einen Bananenkuchen mit Schokolade und Muscovado-Zucker zutage. Der Kuchen ist klasse. Und ebenso klasse ist die nahezu philosophische Einleitung zum Thema Bananen, deren Reifegrad und was das alles mit Turnbeuteln zu tun hat.

paprika

Die gebackenen Paprika in Sommersoße waren auch fein. Die Schoten werden gegrillt, darüber kommt eine aromatische Soße aus Olivenöl, Knoblauch, Basilikum, Oregano und Minze.Die Sauce riecht wunderbar – toll, was einem entgegenkommt, wenn man den Deckel des Mixers öffnet. Nigel Slater freut sich mit diesem Gericht auf die kühler werdenden Tage im Herbst, freut sich über “Paprika, blutrot und krumm wie Aladins Pantoffeln” und beschreibt den kleinen Salat als “letztes Aufseufzen des Sommers”.

cidre-brot

An Neujahr backt Nigel Slater Brot. Den Teig knetet er mit der Hand, denn er findet, dass das Kneten von Teig etwas Therapeutisches hat. Und so beginnt das Küchentagebuch mit einem Rezept für Cidre-Brot, das ich ausprobiert habe. Es ist ein einfaches, rasch hergestelltes Hefebrot, dass durch die Zugabe von Cidre eine leichte Säure und eine weiche Krume bekommt. Mein Exemplar ist im Ofen etwas schief aufgegangen, aber das liegt an meinem Ofen, der langsam aber sicher auf das Rentenalter zusteuert.

risoni mit zucchini

Nigel Slater ist nicht pingelig, was seine Rezepte angeht. Er versteht sie als Anregung und ist nicht böse, wenn man sie abwandelt oder eigenen Ideen folgt. Die Orzo mit Zucchini und Grana Padano sind ein Gericht, das man auch nach einem langen Tag noch rasch kochen kann. Und dann steht ein zufriedenstellendes Essen auf dem Tisch – bei uns verlangten alle nach Nachschlag. Meine kleine Abwandlung bestand übrigens darin, dass ich statt mit Weisswein mit Cidre gearbeitet habe – es war halt noch welcher von Brot-Backen da….

brauner eintopf

Der Rezepttitel ließ mich schmunzeln: “Ein kleiner brauner Eintopf für einen kleinen braunen Tag “. Nigel Slater kocht dazu Dinkel (die vorgekochte Sorte” und Pilze. Ich habe auf den “Dinkel wie Reis” verzichtet – im Küchenschrank befand sich Vollkornreis, warum eigentlich? Ich mag gar keinen Vollkornreis. Der Eintopf war einfach, lecker und …. braun. Dazu erfahren wir, wie heimelig Nigel Slater den Duft von gekochtem Getreide findet – für ihn produzieren kochende Körner das Gefühl von Frieden und bescheidener Gutmütigkeit.

eis mit orangenmarmelade

Ich werde nicht müde, es zu betonen: die Eismaschine und ich, wir sind beste Freunde. Und von der bitteren Orangenmarmelade habe ich in der letzten Saison einen Vorrat hergestellt, der mehr als großzügig ist. Beste Voraussetzungen für das Eis mit bitterer Orangenmarmelade und Schokosplittern. Nigel Slater hat es gemacht, weil die angebrochene Marmelade endlich weg musste. Er sagt, dass es das cremigste Eis ist, das er jemals hergestellt hat. Das Eis ist wirklich sehr cremig, und die Orangenmarmelade macht sich gut darin. Und Orange und Schokolade, das ist ja sowieso ein Klassiker.

knuspriger auflauf mit aubergine

Meine Wahnsinns-Auberginenernte von exakt einer Aubergine habe ich im knusprigen Eintopf mit Auberginen und Bohnen verarbeitet. Nigel Slater serviert dazu eine Geschichte über seine Gartenarbeit im Winter und verrät uns, warum er so gerne Bohnen einweicht.

cassoulet

Wenn das “Cassoulet” nichts geworden wäre, hätte ich mich nicht beschweren dürfen – ich habe nämlich das Rezept recht großzügig interpretiert 🙂 : statt Chorizo und Chipolatas eine wilde Mischung von Würsten, die nach dem Grillen übrig geblieben waren….und wesentlich mehr Tomate als im Rezept. Aber ernsthaft…das ist eines von den Rezepten, bei denen nichts schief gehen kann: Speck und Würstchen, gebraten, weiße Bohnen und Tomaten dazu und dann alles mit Bröseln überbacken (Ja, schon wieder…). Das geht auch noch nach einem langen Ausflugstag.

Ihr habt es beim Lesen schon gemerkt – ich mag das Buch. Man kann darin schmökern wie in einem Roman und findet gleichzeitig eine Menge alltagstauglicher Rezepte. Meine Begeisterung ist ansteckend? Nun, das Buch gibt es bei Dumont.

Hühnchen mit Verjus, Staudensellerie und Sahne

hühnchen mit trauben und verjus

Das also ist mein (vorläufiges) Lieblingsgericht aus Nigel Slaters “Tender – Obst“*. Mag sein, dass es optisch ansprechenderes gibt, aber der Geschmack spricht einfach Bände. Diese Sauce! Trauben kommen gleich zweimal in ihr vor: einmal in Form von Verjus, und dann noch rote Trauben als Einlage.

Ich muss gestehen, ich hatte seit längerem ein Fläschen Verjus hier stehen und habe mich nicht so recht herangetraut. Das hat sich nun wirklich gründlich geändert….ich bin begeistert.  Das feinsäuerliche Aroma ist ein Traum, und die Trauben geben einen schönen süßen Kontrapunkt.

Nigel Slater schlägt als Beilagen Kartoffeln vor, und Gemüse…also, irgendein Gemüse. Ich bin auf die Idee gekommen, eine Staudensellerie-Orgie zu feiern. Staudensellerie in der Sauce, der restliche Staudensellerie als Gemüsebelage. Selbstverständlich (fast) nach einem Rezept von Nigel Slater…. 🙂

Für 4 Personen:

  • Olivenöl
  • 4 große Hähnchenschenkel
  • 4 dünne Stangen Staudensellerie
  • 150 ml Verjus
  • 2 Lorbeerblätter
  • 125 ml Crème double
  • eine Handvoll dunkle Weintrauben , größere Exemplare halbiert

Für das Gemüse:

  • den restlichen Staudensellerie
  • etwas Butter
  • 2 EL trockener Sherry
  • 100 ml Gemüsebrühe

Für das Hühnchen den Backofen auf 200°C vorheizen.

Olivenöl in einer schweren Kasserolle, die auch in den Backofen kann, erhitzen. Hühnchenschenkel mit Salz und Pfeffer einreiben, dann  – wenn nötig portionsweise – im heißen Öl anbraten.

Inzwischen den Staudensellerie waschen und in Stücke schneiden – Nigel Slater schlägt Weinkorkenlänge vor 🙂 .

Das Hühnchen wenden und dabei den Sellerie mit in den Topf geben. Noch ein paar Minuten braten lassen, dann den Verjus angießen und die Lorbeerblätter zugeben. Den Topf mit einem Deckel verschließen und alles für 40 min in den Ofen stellen.

Inzwischen den restlichen Staudensellerie putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Sellerie-Stücke in etwas Butter andünsten, dann mit Sherry ablöschen. Gemüsebrühe angießen, dann Deckel aufsetzen und alles bei geringer Hitze ca. 30 min schmurgeln lassen.

Wenn das Hühnchen gar ist, das Fleisch aus dem Topf nehmen und im Ofen warm halten.

Den Bratensaft entfetten, wenn das nötig ist, dann den Topf auf den Herd stellen und den Bratensaft auf mittlerer Hitze ein wenig einkochen lassen. Dann die Crème double einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am Ende die Weintrauben einrühren und alles nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Servieren die Sauce über die Hähnchenschenkel geben. Das Gemüse dazu reichen. Gekochte Kartoffeln passen gut dazu.

Rezension: Nigel Slater – Tender – Obst

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Schaut man sich die Cover von Nigel Slaters Bücher an, so findet man als Werbetext oft ein Zitat von Jamie Oliver: “Nigel ist ein gottverdammtes Genie!” Stimmt. Deshalb bin ich hier auch schon wieder am Ende 😉 Nein, natürlich nicht. Das wäre ja etwas arg kurz gegriffen. Nur, wer viel Kritik hören möchte, der sollte nun rasch weiterklicken.

Nigel Slater, den Food-Journalisten mit Wohnsitz in London,  kennt man inzwischen auch hierzulande. Sein Buch “Tender-Gemüse” wohnt schon länger in meinem Bücherregal – und ich liebe es.  Mit Obst habe ich es aber eigentlich  nicht so. Ich esse es meistens einfach so. Im Essen landete es aber eher selten. Nun, das ändert sich gerade; dank Tender-Obst.

Wie schon der Gemüseband ist das Buch wunderschön anzusehen: ein nobler Leineneinband vorne, ein Lesebändchen, mattes Papier – graues für die Rezepte, weisses für den Rest…..und dann dieses Fotos von Jonathan Lovekin. Die sind einfach nur zum Schwelgen. Diese Farben, dieses Licht – und alles so wunderschön in Szene gesetzt, opulent und doch natürlich. Ich wüßte wirklich nicht, wie die Fotos vom Garten, von den Produkten und von den Gerichten  schöner machen könnte.

Und dann gibt es noch die Art, wie Nigel Slater schreibt. Ich habe schon seine Kindheitserinnerungen “Halbe Portion” mit dem größten Vergnügen gelesen. Und auch dieses Buch garantiert Spaß am Lesen. Es ist sehr persönlich geschrieben, wir finden Humor und Selbstironie  – und Nigel Slater vermittelt so viel Freude an der Sache. Wenn er seinen Obstgarten beschreibt, möchte ich auf der Stelle auch so einen Garten haben. Ich freue mich, dass er endlich die langersehnten Moltebeeren auftreiben konnte, möchte ihm auf die Schulter klopfen und rufen: “Gratuliere zu den Moltebeeren, Nigel!” Und ich muss lächeln über Formulierungen wie: ” Eine Nachspeise, die so trostreich wie ein Teddybär wirkt”. Sagen wir mal so: wer nicht gerne kocht und sich kein bisschen für Obst interessiert, der hat immer noch ein wunderbar formuliertes Buch zu lesen.

Obst – darum geht es. Nigel Slater wandert mit uns durch seinen Obstgarten. In alphabetischer Reihenfolge befasst er sich mit Obstsorten vom Apfel über die Birne und die Erdbeere, über Quitten und Rahabarber bis hin zu Walnüssen und weißen Johannisbeeren, die man in seinem Garten anbauen kann – exotisches bleibt also außen vor. Teilweise werden die Obstsorten auch in verarbeiteter Form verwendet: Holunderblütensirup, Verjus, Cidre….zum Beispiel.

Die Kapitel zu den einzelnen Obstsorten fangen mit einer kleinen Einführung zum jeweiligen Obst an. Wir erfahren etwas über ihre Geschichte und ihren Charakter. Dann gibt es Informationen zum Anbau im Garten und zur Verwendung in der Küche und einen Überblick über die Sortenvielfalt. Es ist fast schmerzhaft zu lesen, wieviele Apfelsorten es zum Beispiel gibt und das dann mit dem Angebot im Supermarkt zu vergleichen. Besonders gut gefällt mir der Teil in der Einführung, der sich damit befasst, was zum jeweiligen Obst passt. Bleiben wir beim Apfel: der verträgt sich mit Muskatnuss, dunklem Zucker, Schwarzen Johannisbeeren, Honig, Ahornsirup, mit Käse und Nüssen, mit Butter (gibt es eigentlich etwas, das sich nicht mit Butter verträgt?), mit Trockenobst, Schweinefleisch und Salbei. Dieser Teil liefert herrliche Anregungen, ganz jenseits von bloßen Rezepten. Schließlich gibt es noch Küchentipps und andere Anmerkungen – das Buch ist ein Lexikon 😉 Das Register ist auch nicht zu verachten: Geordnet sowohl nach Zutaten als auch nach Gerichten – da findet man, was man sucht.

Kommen wir zu den Rezepten: es sind viele. Für herzhafte Gerichte mit Fleisch, für Nachtisch, für Kuchen, für Eis…….Es ist einfach eine Fundgrube. Ich habe angefangen, Merkzettelchen hinzukleben, aber das ist ein sinnloses Unterfangen. Viele Rezepte sind mit einer liebevoll formulierten, sehr persönlichen Einleitung versehen. Die Rezepte sind präzise formuliert und funktionieren in aller Regel gut. Mir gefällt, das Nigel Slater an das Gefühl beim Kochen appelliert – nicht alle Zutaten sind mit der Feinwaage austariert. So gibt es eine dünne Scheibe Butter, eine dicke Scheibe Butter, ein großes Stück Butter, ein kleines Stück Butter – wieviel das sein soll, kann man gut selbst entscheiden.

Der erste Versuch waren Schweinekoteletts (in meinem Fall Nackensteaks)  mit Apfelspalten und einer Sauce aus Crème fraîche und Cidre. Das war ein herrliches Essen. Die Äpfel haben wunderbar zum Schweinefleisch gepaßt, die Sauce war schön aromatisch und fix auf dem Tisch stand alles auch. Eine schöne Verwertung für die frühen Äpfel von unserem merkwürdigen Apfelbaum….

Auch das nächste Gericht mit der Kombination Fleisch-Obst kam gut an: Schweinebraten auf chinesische Art mit Pflaumensauce. Das Fleisch  – ein Schweinebauch – bekommt einen Rub aus Sichuan-Pfeffer, Salz und Anis und darf ein paar Stunden marinieren, bevor es im Ofen landet. Es wird dann einfach bei 200°C zum Braten in den Ofen gesteckt. So ganz zufriedenstellend fand ich das nicht; ich habe am Ende auf die Grillfunktion zurückgegriffen, damit ich eine knusprige Schwarte bekomme. Die Pflaumensauce wird süßsauer abgeschmeckt und hat eine schöne Sternanis-Note.

Lemon Posset – gehört hatte ich schon davon, es aber noch nie gekocht oder gegessen. Nun, es besteht aus Crème double, Zitronensaft und Zucker. Das ganze wird vorgeschlagen als Beigabe zu Himbeeren oder anderen Beeren. Das Rezept zauberte mir Denkfalten auf die Stirn: viel Crème double, etwas Zucker und ein wenig Zitronensaft. Aha. Es soll fest werden und eine sonnig gelbe Farbei bekommen? Nun, es wurde fest und bekam eine sonnig gelbe Farbe. Geschmeckt hat es wunderbar – und passt perfekt zu Himbeeren.

Brombeer-Foccacia

Nigel Slater ist sich nicht sicher, zu welchem Anlaß man seine Brombeer-Foccacia essen könnte. Zum Tee findet er sie zu mächtig. Nun, wir haben sie an einem Wochenende zum Frühstück gegessen, das war ganz sicher der passende Anlaß. Der relativ neutrale Teig wird mit Brombeeren belegt, mit Olivenöl bestrichen und mit Zucker bestreut. Das kann man einfach so essen; man kann sich zum Frühstück aber auch noch ein wenig Marmelade dazu gönnen.

Lammragout mit Aprikosen

Völlig egal, aus welcher Richtung man die Kamera draufhält – das Lammragout französische Art mit Aprikosen und Rosmarin  bleibt eine unansehnliche Studie in Monochrom. Das macht aber nichts, denn es schmeckt wunderbar. Lamm, Aprikose und Rosmarin sind eine Gewinner-Kombination. Einziger Wermutstropfen: eine halbe Stunde mitschmoren, wie im Rezept angegeben, konnte ich die Aprikosen nicht, das hätte Brei gegeben.

Gemüse im Kuchen? Nun, Nigel Slater ist berühmt für den Schoko-Kuchen mit Roter Bete. Den fand ich gut, also wurde der Apfel-Zucchini-Kuchen auch getestet. Der ist zwar keine Schönheit, aber überaus lecker: nicht zu süß, angenehm fruchtig und sehr saftig. Die Zucchini fallen übrigens gar nicht weiter auf.

Begeistert hat uns alle das Hühnchen mit Verjus und Trauben – das Hühnchen ist saftig, und die Sauce – ein Gedicht. Die Sauce besteht aus einem ordentlichen Anteil Verjus und etwas Staudensellerie, zum Fertigstellen kommen Crème double und rote Trauben hinein. Sie ist fein säuerlich und sahnig….eigentlich hätte ich mich auch mit Kartoffeln und Sauce zufriedengeben können.

Um ehrlich zu sein, stehen Birnen nicht ganz oben auf meiner Obst-Hitliste. Die Eismaschine aber, an der habe ich noch immer riesig Spaß. Sorbets mag ich sehr gerne. Irgendein Sorbet ist hier immer vorrätig. Das Birnen-Zitronen-Sorbet musste also probiert werden – und ich habe es nicht bereut. Frisch, der Birnengeschmack kommt schön durch.

Das Resumée darf kurz ausfallen: Tender – Obst wird sicherlich immer eines meiner Lieblingsbücher sein. Es ist mehr als ein Kochbuch: es ist ein Geschichtenbuch, ein Nachschlagewerk und eine wunderbare Inspirationsquelle. Wer jetzt angesteckt wurde, kann das Buch direkt über den Verlag beziehen.

Knuspriger Eintopf mit Auberginen und Bohnen

knuspriger auflauf mit aubergine

Ich bin keine besonders geschickte Gärtnerin. Eher habe ich einen braunen Daumen als einen grünen. Aber ich gebe nicht auf und versuche es immer wieder. Und siehe da…..langsam bessert sich alles.

Diesen Sommer lief mir ein ganz besonders hübsches Auberginenpflänzchen über den Weg – gestreifte Auberginen sollte es produzieren. Nun, hat es. Genaugenommen hat es eine gestreifte Aubergine produziert. Aber die ist dafür schön gewachsen.

Nun war die Aubergine erntereif – und sehr hübsch: dünne Schale, ganz weißes Fruchtfleisch, nahezu keine Kerne. Nächstes Jahr kaufe ich ein paar Pflänzchen mehr…….

Das Rezept für den Auflauf ist aus Nigel Slaters wunderbarem Küchentagebuch*. Ich habe allerdings die Mengen halbiert….an 400 gr. getrockneten Bohnen hätten wir etwas arg lange gegessen. Außerdem hatte ich nicht mehr genügend Schwarzaugenbohnen und habe deshalb zusätzlich noch schwarze Bohnen verwendet.

Der Eintopf passt grade gut in die Zeit….er ist sommerlich dank der Auberginen und Tomaten und trotzdem gemütlich wärmend. Also los:

Für 4 Personen:

  • 125 gr. Schwarzaugenbohnen
  • 125 gr. schwarze Bohnen (oder einfach 250 gr. von einer Sorte)
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 Aubergine 
  • Olivenöl
  • 1 Schalotte
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 1 Zweig Oregano
  • 1 Dose Tomaten

Für die Kruste:

  • 100 gr.Weißbrot
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 20 gr. Parmesan
  • 1/2 Zitrone, die Schale
  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 2 EL Olivenöl

Die Bohnen getrennt voneinander ca. 8 h in kaltem Wasser einweichen.

Dann das Einweichwasser abgießen, die Bohnensorten getrennt von einander mit frischem Wasser in ja einen Topf geben, je ein Lorbeerblatt zufügen und die Bohnen bissfest kochen. Bei mir hat das je ca. 30 min gedauert, aber die Kochzeit kann je nach Alter der Bohnen variieren. Bohnen abgießen und beiseite stellen.

Die Aubergine der Länge nach halbieren und dann die Hälften in dicke Scheiben schneiden. Etwas Olivenöl in einem Topf erhitzen; die Auberginen darin darin goldbraun anbraten. Wenn nötig, Olivenöl nachgießen. Auberginen auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Den Backofen auf 200°C vorheizen. Schalotte schälen und fein hacken. Im Topf mit etwas Olivenöl glasig dünsten. Knoblauch schälen und fein hacken und ebenfalls in den Topf geben. Rosmarinnadeln abzupfen, fein hacken und dazu geben, ebenso den Oregano.

Die Tomaten angießen, dann die Bohnen und die Auberginen einrühren. Die Tomatendose mit Wasser füllen, das Wasser dazugießen. Mit Salz würzen und zum Kochen bringen. Sobald alles kocht, den Deckel auflegen und alles im Backofen weitergaren. Das dauert etwa 45 min.

Inzwischen für die Kruste das Brot im Mixer zu Krümeln zerkleinern. Knoblauch schälen und grob hacken, Rsomarinnadeln abzupfen und grob hacken, Käse und Zitronenschale reiben. Alles mit dem Olivenöl und Oregano zum Brot geben und mixen.

Den Eintopf aus dem Ofen holen und die Brotkrümel darauf verteilen. Alles ohne Deckel weitere 20 min garen, bis die Kruste knusprig ist.

schokoladenkuchen mit roter bete nigel slater

Nigel Slaters Schokoladenkuchen mit Roter Bete

Dieser Kuchen reist ja schon einige Zeit durchs Netz. Die Reaktionen reichen von jubelnder Begeisterung wie neulich bei Valentinas Kochbuch bis hin zu blanker Abscheu bei Niki Segnit *. Bisher habe ich von dem Kuchen nur gelesen. Aber nun ist Nigel Slaters Kochbuch Tender*. bei mir eingezogen – ein Highlight für jeden Gartler oder für Gemüsekistenbezieher wie mich, und nachdem ich das Rezept gelesen habe und Rote Bete geliefert wurden, war der Kuchen dran.

Ich schließe mich mal der Fraktion der Begeisterten an. Rote Bete und Bitterschokolade gehen tatsächlich gut zusammen. Das Erdige der Bete passt gut zur dunklen Schokolade; durch den Rohrzucker ist der Kuchen auch nicht zu süß und schön karamellig. Ich habe aber die Backzeit verlängert; Nigel Slater backt den Kuchen als Dessert mit einem flüssigen Kern. Für einen Nachtisch, der sofort gegessen wird, finde ich das gut, aber um den Kuchen aufzuheben eher nicht. Saftig ist der Kuchen trotzdem.

  • 250 gr. Rote Bete
  • Bitterschokolade mit 70 % Kakao
  • 4 EL heißer Esspresso
  • 200 gr. Butter
  • 135 gr. Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 3 EL Kakaopulver
  • 5 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 190 gr. Rohrohrzucker

Zunächst die Rote Bete in ungesalzenem Wasser gar kochen. Dann etwas abkühlen lassen, schälen und pürieren.

Ofen auf 200 °C vorheizen. Eine Kastenform gründlich mit Butter ausfetten.

Schokolade in kleine Stücke brechen und in einer Schüssel im Wasserbad schmelzen, dabei nicht umrühren. Wenn die Schokolade geschmolzen ist, den heißen Kaffee dazugeben und einmal umrühren. Dann die Butter nach und nach in möglichst kleinen Stückchen dazugeben und ebenfalls schmelzen lassen.

Eier trennen, Eigelbe in eine große Rührschüssel geben, Eiweiße mit einer Prise Salz zu Schnee schlagen, dann nach und nach den Zucker einrühren.

Eigelbe schaumig rühren. Butter und Schokolade verrühren, dann etwas abkühlen lassen und mit den Eigelben verrühren. Jetzt Rote Bete einarbeiten. Mehl, Backpulver und Kakao über die Teigmasse sieben und unterrühren. Zuletzt den Eischnee unterheben.

Den Teig in die vorbereitete Form füllen, in den Ofen schieben, Temperatur auf 180°C reduzieren und den Kuchen 55 min backen. Er wird aufgehen; nach dem Backen aber wieder etwas einsinken. Er ist dann innen noch feucht und schön saftig, aber nicht mehr flüssig.

In der Form auskühlen lassen, dann aus der Form holen und zum Servieren mit Puderzucker bestäuben.