Buchvorstellung: Die Kunst, Tee zu mischen | Sebastian Pole

Sebastian Pole bereiste Indien. Anfangs nur die Touristen-Hotspots, aber bald wollte er mehr erfahren. Er fing an, sich mit indischen Heilkräutern und Yoga zu befassen. Nachdem ein Kräuterkundiger auch noch Sebastian Poles Durchfallerkrankung kurierte, wollte der endgültig alles über Kräuterheilkunde wissen. Er ging zurück nach Großbritannien, zog in einen Wohnwagen und studierte ayurvedische, chinesische und westliche Kräuterheilkunde. Klingt nach einem Hippie-Lebenslauf? Nun, Sebastian Pole ist der Gründer von Pukka-Herbs, einem inzwischen sehr etablierten Anbieter von von Bio-Tees. Ich oute mich als Pukka-Fan und freue mich, dass Sebastian Pole sein Wissen nun auch in einem Buch zur Verfügung stellt.

Was die Pukka-Tees angeht, so bin ich ein bisschen auch Verpackungsopfer – die Packungen sind wirklich hübsch.  Und auch das Buch ist eine Zierde im Bücherregal: das weiß-goldene Cover mit seinem Muster erinnert an die Teepackungen. Auch innen findet man immer wieder pukka-typische Verzierungen, aber sie sind dezent. Es gibt viele Fotos von den Tees und den verwendeten Produkten. Die sind schön in Szene gesetzt, aber auf’s Wesentliche fokussiert. Und sie machen Lust, die Tees auszuprobieren. Im Übrigen ist die  Aufmachung hochwertig – Fadenbindung, mattes Papier in ruhigen Farben.

Jetzt aber zum Inhalt: es geht um Tee; um Kräutertee vorrangig, aber nicht nur. Es gibt nicht nur Rezepte für die unterschiedlichsten Teemischungen, sondern auch ganz viel Wissen drumherum. Ziel des Buches ist es auch, dass man selbst ein Gespür für Kräuter entwickelt und lernt, seine eigenen Mischungen herzustellen. Entsprechend umfangreich sind die Grundlagen-Kapitel. Das beginnt damit, dass man in die Sprache der Kräuter einsteigt. Kräuter enthalten ihre Wirkstoffe ja aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel um Abwehrmechanismen zu entwickeln oder um sich fortzupflanzen. Entsprechend ist dann auch die Wirkung der Stoffe auf den menschlichen Körper. Wir erfahren auch etwas über die umstrittene, aber interessante Signaturenlehre. Die kennt Ihr bestimmt alle – man sagt ja zum Beispiel, dass Walnüsse, die einem Gehirn ähneln, gut für die Hirnfunktion sind. Es geht darum, was eine perfekte Teemischung ausmacht, wie man die Tees am besten zubereitet. Schließlich gibt es auch noch ein Lexikon mit nützlichen Begriffen und ein Register für Beschwerden und die entsprechenden Teemischungen. Im Anhang werden wir außerdem in die Grundbegriffe des Ayurveda eingeführt und finden im Kapitel “Pukkapedia” ein Lexikon der verwendeten Pflanzen und ihrer Wirkung.

Jetzt aber zu den Teemischungen: da sind die Rezepte in unterschiedliche Themenbereiche unterteilt. Es gibt Reinigen und Entgiften, Ernährung und Verdauung, Aktivieren und Verjüngen, Ruhe und Harmonie, Glück und Freude, Abwehr und Schutz, Mann, Frau und Kind sowie ein Kapitel, in dem es nicht nur um Tee geht. Da gibt es dann auch ein paar Cocktails und Aufsatzschnäpse. Verwendet werden heimische Heilkräuter, solche aus dem Ayurveda und solche aus der chinesischen Medizin, außerdem einige klassische Teesorten. Die Tees sind sehr ausführlich beschrieben: zunächst gibt es eine kleine Einführung, in der erklärt wird, wobei der Tee uns helfen kann. Dann folgen grammgenau die Zutaten und die Zubereitungsanleitung. Und schließlich wird auch noch jede einzelne Zutat beschrieben, und zwar nach Geschmack und Wirkung.

Die Bandbreite der verwendeten Zutaten ist groß. Das reicht von der heimischen Brennessel und den geläufigen Ingwer über schwerer erhältliche Weißdornbeeren und Haferblütenspitzen bis zu Exoten wie Shativariwurzel oder Ginseng. In Bioladen, Apotheke oder Reformhaus sollte man das meiste auftreiben können. Und im Anhang gibt es auch noch Bezugsquellen im Internet. Was man aber unbedingt braucht, ist eine Fein- oder Löffelwaage. Die Teemischungen sind meist für 0,5 Liter ausgelegt und so bewegen sich die benötigten Zutatenmengen im Bereich von einem bis höchstens 5 g.

Das Teemischungen sind sehr ausführlich und  – ich möchte sagen liebevoll – beschrieben. Man merkt dem Buch an, dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Bei Zutaten, die etwas kritisch in der Anwendung sind – Süßholz zum Beispiel, das in Massen genossen Wirkungen auf den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel haben kann – wird genau erklärt, worauf man achten muss.

Also, ich habe so einiges gemischt und getrunken:

Als erstes das Goldene Ingwer-Trio: Ingwertee gehört zu meinen Standards –  den trinke ich wirklich oft; und zwar unabhängig davon, ob er etwas auskurieren soll oder nicht. Hier kommt der Ingwer in Begleitung von Kurkuma (links oben), Galgant (oben Mitte) und Süßholz (unten auf dem Tellerchen) daher. Ingwer wärmt, regt die Verdauung und den Kreislauf an. Galgant hat ähnliche Eigenschaften und tut zudem noch der Lunge gut. Kurkumawurzel ist ja zur Zeit sowieso in aller Munde – sie schmeckt leicht bitter und erdig und bringt Immunystem und Stoffwechsel auf Trab. Süßholz kennen die meisten aus Lakritz. Die Wurzel stärkt Nervensystem, Verdauung, Nebennieren und Lungen. Und sie sorgt dafür, dass der Tee aromatisch ausgeglichen schmeckt. Ich trinke den Tee jetzt regelmäßig – ich mag ihn einfach.

Wenn man etwas müde ist, dann kommt der “Grüne Matcha-Zen” gerade richtig. Hierfür wird ein grüner Tee gekocht und dann zusätzlich mit ordentlich Matcha-Pulver aufgepeppt. Das macht nicht nur wach. Matcha hilft auch dank seiner Inhaltsstoffe, die Neurotransmitter im Gehirn zu versorgen, die unsere Stimmung positiv beeinflussen. Ruhe und Wachsamkeit werden gefördert.

Im Zitronenhimmel” – der blumige Titel der Mischung trifft es ziemlich genau. Für Fans von zitronigen Aromen ist die Mischung aus Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Zitronengras mit dem Spritzer Zitronensaft nämlich tatsächlich himmlisch. Außerdem hebt sie die Stimmung.

Dass Brennnesseln gesund sind wissen wir ja. Ich musste bei Brennnesseltee erst mal an die entwässernde Wirkung denken. Laut Sebastian Pole kann die Pflanze aber viel mehr: sie enthält reichlich Mineralstoffe, wirkt adstringierend, regenerierend und entgiftend  – ein kleines Kraftwerk. Der “nährende Brennnesseltee” ist sozusagen ein Cold Brew – er wird kalt angesetzt und nach frühestens zwei Stunden abgeseiht. Ich hatte zugegebenermassen etwas Angst vor dem Ergebnis, denn das ganze sieht schon sehr nach Medizin aus. Der Tee war aber überraschend angenehm im Geschmack. Nichts, was man sich schnell hinter die Binde kippt, aber auch keine bittere Medizin.

Fazit? Teetrinkerin und heilpflanzeninteressiert, wie ich bin, finde ich dieses Buch klasse. Es präsentiert die verschiedensten Teemischungen und legt dabei den Fokus nicht nur auf die Wirkung, sondern auch auf den Geschmack. Mich motiviert es, mich näher mit den Wirkungen verschiedener Kräuter zu befassen und mir meinen Tee öfter mal selber zu mischne.

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Stocker, L;
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3702016579
  • 24,90

Kheema-Danshag, Kokos-Kohlrabi und Kokosmilch-DIY

kheema-danshag und kokos-kohlrabi

Mir ist ja ein Geburtstagskuchen dazwischen gekommen; und schulde ich Euch noch ein Rezeptbeispiel aus “Nickys Veda“*. Hier also sind meine Favoriten:

Kohlrabi mag ich total gerne – aber er steht recht selten auf dem Tisch, weil ich etwas einfallslos bin, was die Zubereitung angeht. Der Kokos-Kohlrabi musste also auf den Tisch – und es war bestimmt nicht das letzte Mal. Allerdings habe ich mich nicht ganz ans Rezept gehalten – Original wird der Kohlrabi in relativ viel Wasser gegart und püriert; ich habe ihn in wenig Wasser gegart und die Stücke in der Soße serviert.

Das Kheema ist ein Linsen-Hackfleisch-Gericht, das unsere Herzen im Sturm erobert hat – es ist einfach wunderbar aromatisch. Und es ist ein schönes Beispiel dafür, wie ausbalanciert und harmonisch die Aromen in Nicky Sitaram Sabnis Küche sind. Und es ist auch ein Beispiel dafür, wie er es immer wieder schafft, ganz viel Gemüse in die Mahlzeiten zu packen.

Für beide Gerichte braucht man bestimmte Gewürzmischungen. Mit denen fangen wir mal an. Die Rezepte ergeben mehr als die benötigte Menge – aber man sie ja auch gut anderweitig benutzen.

Für das grüne Karinam:

  • 100 gr. gemahlene Mandeln
  • 1 EL Bockshornkleeblätter
  • 1 EL Kapern
  • 2 frische grüne Chilis
  • 2 Zehen Knoblauch, geschält
  • 1 EL frische Kräuter nach Wahl
  • 150 ml Olivenöl

Alle Zutaten zusammen mit 100 ml Öl in einen Mixbecher geben und mit dem Pürierstab glatt pürieren. In ein sauberes Schraubglas füllen und mit einer Schicht Olivenöl bedecken. Die Paste im Kühlschrank aufbewahren. Wenn man etwas entnommen hat, wieder Öl als schützende Schicht nachfüllen.

Für das Tridosha-Masala:

  • jeweils 1 EL Kreuzkümmel, Fenchel, Koriander, getrocknete Chilis, Nelken, schwarzer Pfeffer im ganzen
  • je 1 EL Kurkuma, Ingwer, Bockshornkleeblätter, Amchoor und Zimt, gemahlen

Die ganzen Gewürze in einer Pfanne ohne Fett bei geringer Hitze anrösten. Dann abkühlen lassen und in einem Mörser oder einer Kaffeemühle fein mahlen. Die gemahlenen Gewürze darunter mischen. In einem Schraubglas an einem dunklen Ort aufbewahren. Zum Kochen rechnet man ca. ½ TL pro Portion.

Außerdem brauchen wir noch Kokosmilch – und auch die kann man ganz leicht selber machen: dafür übergießt man 100 gr. Kokosflocken mit 500 ml kochendem Wasser und läßt das ganze mindestens 10 min einweichen. Anschließend püriert man alles in einem Mixer so fein wie möglich. Jetzt kommt die Masse in ein feines Haarsieb, das man über einen Messbecher hängt, um die Kokosmilch aufzufangen. Das Püree kann man mit einem Löffel andrücken, um möglichst viel Kokosmilch zu erhalten. Die Masse, die im Sieb bleibt, muss man nicht wegwerfen – man kann Kokoschutney daraus machen.

Jetzt zu den Gerichten. Die Rezepte sind jeweils für 4 Portionen.

Für den Kokos-Kohlrabi:

  • 1 EL Ghee
  • 1 TL Kreuzkümmelsamen
  • 1 TL Bockhornkleeblätter
  • 2-3 mittelgroße Kohlrabi
  • 1 TL grünes Karinam
  • 200 ml Kokosmilch
  • Salz
  • 1 TL Berberitzen (Original: Gojibeeren)
  • 1 TL gehackte Mandeln

Kohlrabi schälen und in mundgerechte Würfel schneiden.

Ghee in einem Topf erhitzen; Kreuzkümmel und Bockshornkleeblätter kurz darin anrösten. Kohlrabi zugeben, ebenfalls kurz anbraten. Etwas Wasser angießen und den Kohlrabi darin bissfest garen. Das Karinam und die Kokosmilch zugeben, mit Salz würzen und alles nochmals aufkochen lassen.

Zum Servieren mit gehackten Mandeln und Berberitzen bestreuen.

Für das Kheema Danshag:

  • 200 gr. Linsen (original: Berglinsen; ich: Puy-Linsen) in ca. 500 ml Wasser eingeweicht
  • 1 Becher (250 ml) gewürfeltes Gemüse nach Wahl (ich: Karotten, Champignons)
  • 1 Aubergine
  • 1 EL Ghee
  • 1 Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 Tomaten
  • 7 Curryblätter
  • 1 TL Cayennepfeffer
  • 1 TL Limettensaft
  • 1 TL Tridosha Masala
  • 250 gr. Lammhack
  • Salz

1 Liter Wasser erhitzen. Die Linsen abgießen. Linsen und das gewürfelte Gemüse gar kochen. Ich habe erst die Linsen in den Topf gegeben und etwas kochen lassen, dann nach und nach die Gemüsesorten; denn die hatten ja unterschiedliche Kochzeiten.

Aubergine in mundgerechte Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Tomaten ebenfalls in feine Würfel schneiden.

Ghee in einer großen Pfanne erhitzen. Zwiebeln glasig andünsten, dann den Knoblauch einrühren. Tomaten, Aubergine, Curryblätter, Chilipulver, Limettensaft, Tridosha Masala und das Lammhack zugeben. Rühren, bis das Hackfleisch krümelig gebraten ist, salzen, dann einen Deckel aufsetzen und alles weitergaren, bis das Fleisch und die Auberginen gegart sind.

Schließlich die Linsen-Gemüse-Mischung mit in die Pfanne geben, alles nochmals kurz aufkochen und mit Salz abschmecken.

Lasst es Euch schmecken!

Rezension: Nickys Veda I Nicky Sitaram Sabnis

Nickys Veda von Nicky Sitaram Sabnis

“In Nickys Veda geht es nicht um Regeln, Gebote oder Verbote, um koronare Herzerkrankungen oder um die sieben Plagen. Es geht um Erfahrungen, Möglichkeiten und immer auch um Genuss und Lebensfreude. Nickys Veda ist eine Einladung, gut zu essen – und nebenbei auch seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun.”

Es geht um Ayurveda. Nicht im Sinne von irgendwas, das in Indien oder auf Sri Lanka stattfindet, sondern um Ideen, die sich leicht in den westlichen Alltag integrieren lassen.

Geschrieben hat das Buch Nicky Sitaram Sabnis. In Indien geboren und dort zum Koch ausgebildet, war er ein erfolgreicher Inhaber von Restaurantketten, bis sein Leben aus den Fugen geriet. Er kam nach Deutschland, ging durch eine große Krise und leitet nun seit 1998 die Ayurveda-Seminarküche im Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee. Er bietet auch regelmäßig Kochkurse an.

Die Fraueninsel ist sehr schöner Ort – kommt mal schauen, ich nehme Euch kurz mit:

So. Jetzt aber zum Buch. Das ist erst mal ganz schön poppig aufgemacht – Farben und Grafik sind ein Gruß aus Indien. Die Textseiten sind farbig unterlegt; wobei die Farben zwar kräftig sind, aber auch gedeckt. Bunt, ohne in den Augen wehzutun. Es gibt sie eine oder andere Zierleiste oder Rabatte. Fotos gibt es viele. Das Essen ist gekonnt in Szene gesetzt, auch schön hergerichtet, aber keinesfalls überstylt. Fotos vom Autor und seinen Mitstreitern gibt es auch. Insgesamt ist das Layout fröhlich, aber nicht zu überladen. die Übersichtlichkeit bleibt gewahrt.

Und jetzt komme ich immer noch nicht zu den Rezepten. Das Buch startet nämlich nach einem sehr persönlichen Vorwort sinnvollerweise mit einer Einführung zum Ayurveda. Wir erfahren Wissenswertes über die Grundlagen des Ayurveda, nämlich die Elemente Äther/Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Weiter geht es mit der individuellen Konstitution des Einzelnen: überwiegen in der Person Äther und Luft, so ist die persönliche Veranlagung Vata – der der Bewegungstyp. Feuer und Wasser erzeugen Pitta – alles ist im Wandel. Und wenn Wasser und Erde überwiegen, dann ist man ein stabiler Vata-Typ. Es gibt im Buch auch einen kleinen Fragebogen, der einem hilft, sein Dosha  – so heißen die Typen – zu bestimmen. Ihr seid neugierig? Ok, ich bin Pitta-Vata. Man könnte das ganze als Esoterik abtun, aber eigentlich kennt man das Prinzip doch auch im Westen….da gibt es den geduldigen Phlegmatiker (das wäre wohl der geerdete Kapha-Typ) oder den ungeduldigen Choleriker….wohl eher Vata 🙂 Die Typen sind kein Selbstzweck. Gesund bleibt ein Mensch, wenn die Elemente im Einklang sind, überwiegt eines, kommt es zu Problemen. Einfaches Beispiel? Ein träger Kapha mit langsamer Verdauung, der kalt, fettreich und schwer verdaulich isst….Ihr wisst Bescheid. Das nächste Kapitel widmet sich den verschiedenen Geschmacksrichtungen und ihren Wirkungen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb.  Dann wird erklärt, wie man es am besten schafft, seine Veranlagung in der Balance zu halten

Jetzt aber zu den Rezepten. Da geht es nicht darum, irgendwas zu heilen – das wäre dann auch eher Sache des Arztes oder Therapeuten. Vielmehr sind die Gerichte so konzipiert, dass sie für jeden Typen passen. Es geht eher um die Wahrung des Gleichgewichtes. Erreicht wird das recht einfach  – nämlich dadurch, dass in jedem Gericht alle Geschmacksrichtungen vorkommen. Um das zu erreichen, arbeitet Niki Sitaram Sabnis mit Gewürzmischungen – und genau die machen den Anfang des Rezeptteils aus. Außerdem gibt es noch Rezepte für Basis-Saucen, ein paar Blitzgerichte und Küchentipps für entspanntes Kochen. Hat man sich hier eine Basis geschaffen, steht das Essen rasch auf dem Tisch und der Lieferdienst kann einpacken. Besonders sympathisch finde ich, dass Niki schreibt, dass es mehr Spaß macht und günstiger ist, die Mischungen selbst herzustellen, als sie online zu kaufen. Immerhin betreibt er ja einen Versandhandel mit Gewürzen und Mischungen…..

Weiter geht es mit Chutneys und Dips – Koriander-Minze, Quitte-Ingwer, Oliven-Petersilie…… Dann Frühstücken wir. Naja, ich bin da meist mit einem Marmeladenbrot, Kaffee und Obst am Start. Vergleichsweise phantasielos verglichen mit süßer Polenta, deftigen Brotstreuseln oder pikanten Reisflocken. Weiter geht es mit Suppen, Broten und Snacks. Würzige Garnelensuppe, verschiedene Brote und Snacks wie die Reispfannkuchen Dosai oder Samosas locken. Die warmen Hauptspeisen sind unterteilt in vegetarische Gerichte mit Getreide oder Reis, mit Hülsenfrüchten oder mit Gemüse. Aber es gibt auch Fisch und Fleisch. Und natürlich bekommen wir auch Nachtisch. Da gibt es europäisches wie Quitten-Birnen-Creme, aber auch Kokos-Laddu. Ach, ein Extra-Kapitel ist der Kinderküche gewidmet. Hier locken Kicher-Spätzle, hausgemachtes Ketchup oder Sellerie-Pommes.

Die Rezepte sind Fusion-Food im besten Sinne. Es gibt viel Indisch-Ayurvedisches, und viele Deutsches (oder soll ich schreiben bayerisches), das nach Ayurveda-Kriterien umgearbeitet wurde. Die Rezepte sind in Ordnung. Manchmal bin ich über Widersprüche zwischen Zutatenliste und Rezept gestolpert. Die Garzeiten für das Gemüse waren mir manchmal zu knapp bemessen. In vielen Rezepten findet man die Angabe: ein Becker gewürfeltes Gemüse nach Wahl – allerdings nur in solchen Rezepten, in denen die Menge des Gemüses nicht ausschlaggebend für das Gelingen ist. Mich hat immer wieder der ausgewogene Geschmack der Gerichte beeindruckt.

Aber halt – Rezepte sind nicht alles. Im Buch gibt immer wieder kleine Einschübe mit Küchentipps, Geschichte aus dem Leben des Autors und Geschichten aus den Kochkursen oder von Menschen, die ihm wichtig sind. Das Buch ist sehr persönlich gehalten.

Ich habe viel geschrieben. Ihr müßt was essen:

makkoroni mit pilzen

Den Anfang machte einfaches Familiengericht: Makkaroni mit Pilzen. Im Original Austernpilze, bei mir Champignons. Die werden serviert mit einem Topping aus Rührei und Frühlingszwiebeln. Gewürzt wird mit Sojasauce und Reisessig. Einfach und gut.

linsenbratlinge

Die Linsenbratlinge waren ein wenig schwierig. Die Masse der Bratlinge besteht gegarten Puy-Linsen, Kartoffeln und Tomaten, für den Halt sorgt etwas Reismehl. Gegart werden die Patties im Ofen – und das ist ein Glück, denn meine waren sehr weich; beim Wenden in der Pfanne wären sie sicher zerfallen. Geschmacklich aber gibt es nichts zu meckern – mild-würzig und sehr ausgewogen. Auch die im Ofen gegarte Gemüsebeilage war fein.

bolognese

Eine allzugroße Freundin von Ersatzprodukten wie Sojaschnetzeln bin ich nicht…..aber neugierig bin ich doch. Deshalb musste ich die Bolognese-Sauce ausprobieren. Sojaschnetzel, Tomaten in meinem Fall aus der Dose), ein paar Gewürze – einfach und gut. Eigentlich wird die Bolognese auf gekochtem Buchweizen serviert – nun, Töchterchen bestand auf dem geliebten Spaghetti.

alu ghobi und naan

Kartoffelgerichte aus Indien stehen bei uns hoch im Kurs – eintsprechend oft habe ich auch schon das Kartoffel-Blumenkohl-Curry Alu Gobhi zubereitet. Nickys Variante ist ein wenig anders: die Kartoffeln werden separat vorgegart; die Soße besteht aus Tomaten und Reismilch. Das schmeckt leichter als meine Variante mit Joghurtsauce, ist dafür aber auch nicht so cremig. Beeindruckt hat mich auch hier wieder, wie ausgewogen das Gericht gewürzt ist. Nicht so toll fand ich das Naan, das ich dazu serviert habe. Die Rezepte für Fladenbrot im Buch basieren alle auf demselben Teig, der ohne Treibmittel auskommt. Das Naan, das ich aus dem Ofen gezogen habe, erinnerte eher an Knäckebrot als an das weiche indische Fladenbrot.

kicherspätzle mit kindercarbonara

Ich mag Kichererbsen sehr und auch Kichererbsenmehl. Klar, dass ich neugierig war auf die Kicherspätzle; Spätzle aus Kichererbsenmehl, Kokosmilch und Gewürzen. Die Spätzle waren einfach zu machen und haben uns sehr gut geschmeckt. Einziger Wermutstropfen – das Rezept war sehr knapp bemessen. Spätzle aus 100 gr. Kichererbsenmehl haben für uns nicht gereicht; ich habe die Menge verdoppelt. Das Rezept stammt aus dem Teil des Buches, der sich mit Kindergerichten befasst, und so wurden die Spätzle mit “Kindercarbonara” serviert. Kurz angeröstete Polenta für die Bindung, Pilze, getrocknete Tomaten, Kokosmilch. Fein. Das einzige Rätsel war die Zutatenliste – 6 Karotten stehen da am Anfang; die kommen im weiteren Rezept nie wieder vor.

kokos-kohlrabi

Kohlrabi steht hier viel zu selten auf dem Tisch – der Kokos-Kohlrabi kam also gerade recht. Der Name sagt es schon – der Kohlrabi wird gegart und Kokosmilch zum Fertigstellen verwendet. Im Rezept wird der der Kohlrabi püriert – ich habe ihn stückig gelassen. Und ich weiß jetzt, dass Kohlrabi und Kokos gut zusammenpassen.

kheema-danshag

Kheema-Danshag ist ein herzhaftes, scharfes Gericht aus verschiedenen Gemüsesorten, Linsen und Lammhack. Gemüse und Linsen werden in Wasser vorgegart, das Hackfleisch mit anderen Gemüsesorten gebraten. Am Ende kommen die vorgegarten Linsen mit der Kochflüssigkeit in die Pfanne – das ganze ergibt ein Gericht mit Sauce. Ein wunderbares Essen – und noch ein Rätsel, denn in der Zutatenliste steht eine Aubergine, die im Rezept nicht wieder vorkommt.

goan fishcurry

Für das Goan Fishcurry wird zuerst die Sauce hergestellt: Frische Kokosnuss, Zwiebel, Knoblauch und Chili werden gegart und dann mit Wasser zu einer Sauce gemörsert oder gemixt. Die vorher mit Cayennepfeffer, Kurkuma und Salz gewürzten Fischstücke werden in der Sauce gegart. Das Ergebnis ist zarter Fisch in einer würzigen Sauce mit einer schönen Kokosnote.

blumenkohl mit soja-erdnuss-sauce

Wenn es um neue Zubereitungsideen für Blumenkohl gibt, freue ich mich immer. Wie klingt “Blumenkohl in Erdnuss-Sojasauce”? Dafür werden gesalzene Erdnüsse mit Reismlch gemixt. Der Blumenkohl wird angebraten, dann mit der Erdnussmischung, mit Sojasauce und etwas Wasser fertig gegart.  Auch hier hat mir wieder die ausgewogene Würze besonders gut gefallen.

Jetzt brauchen wir ein Fazit: der bayerische Rundfunk hat in seiner Reihe “Lebenslinien” mal eine Dokumentation über Nicky Sitaram Sabnis gedreht. “Der Hindu von der Fraueninsel” hieß die Sendung, die ich blöderweise verpasst habe. Aber die Formulierung trifft es – das Buch präsentiert ayurvedische Küche, die sich gut in unseren Alltag integrieren lässt. Auch wenn die Rezepte manchmal ein wenig klemmen findet man viele Inspirationen. Darüber hinaus ist das Buch ein sehr persönliches – es macht große Freude, darin zu lesen.

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Irisiana
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3424152609
  • 24,99